Donnerstag, 28. Februar 2008

"Small is beautiful" - Der Trend läuft gegen KIT

Während man in Karlsruhe einen riesigen Forschungsverbund mit 8.000 Mann Personal sowie zusätzlich ca. 20.000 Studenten, verteilt auf zwei Standorte, kreiert hat, läuft der Trend im übrigen Deutschland genau in die entgegengesetzte Richtung. Nicht träge Dickschiffe werden auf Kiel gelegt, sondern kleine, bewegliche Schnellboote, die sich anschicken, der Konkurrenz in den wissenschaftlichen Gewässern das Fürchten zu lehren.

So zum Beispiel in Mainz. Dort verfolgt man den Plan eines rechtlich eigenständigen "Max Planck Graduate Center", das zu einem Leuchtturm der Polymerforschung werden soll. Es besteht aus der in Mainz ansässigen Research School der Max Planck Gesellschaft und der Material Science Graduate School der Universität Mainz. (Alle diese Institutsbezeichnungen werden in Deutschland neuerdings nur in englischer Bezeichnung geführt!) Man will nicht warten, bis man - eventuell - bei einer fernen, weiteren Exzellenzinitiative mit dem Prädikat "Elite" bedacht wird, sondern fühlt sich schon jetzt als international konkurrenzfähige Leistungsspitze, eben als Leuchtturm.

Für Aufregung im deutschen Wissenschaftsbetrieb sorgt die Tatsache, dass diese relativ kleine ausseruniversitäre Organisation das Promotionsrecht vom Land Rheinland-Pfalz erhalten soll. Die alteingesessenen Universitäten schreien Zetermordio, denn dieses Recht stand bisher nur ihnen allein zu. Professor Umbach, der Chef des FZK, wird im Physik Journal 7/2 wie folgt zitiert: "Eine Ausweitung des Promotionsrechts würde den Forschungsbetrieb der Universitäten untergraben" und sein KIT-Kollege Hippler legt nach: "Wenn dieses Beispiel Schule macht, dann werden die Universitäten in der Forschung ausbluten".

Ein Dammbruch scheint sich anzubahnen. Schon denken andere Graduate Schools daran, den neun, über manche Zufälligkeiten hin "geadelte" Eliteuniversitäten, nicht allein das Feld zu überlassen. Ihr Bestreben ist es, sich aus ihren "durchgefallenen" Universitäten heraus zu lösen, um in eigener Rechtsform und mit einer schlagkräftigen Organisation das Recht zur Promotion zu beantragen und damit Promovenden anzulocken. Die schlanke Struktur - im Vergleich zu solch bürokratischen Verbünden wie dem KIT - sowie der direktere Zugang zu Drittmitteln könnte beträchtlichen Reiz auf doktorwillige Jungforscher ausüben. Da der überwiegende Teil der Forschung an den Unis heutzutage von Doktoranden geleistet wird, hätte der Verlust des Promotionsrechts als Alleinstellungsmerkmal enorme negative Auswirkungen auf die deutschen Universitäten und Zusammenschlüsse wie KIT.

Zwei Auswege sind denkbar: entweder die Unis beschränken sich künftig auf die Lehre - oder die Professoren forschen wieder selbst. Letzteres kann durchaus erfolgversprechend sein.
Denn:
Professor Albert Einstein beschäftigte - nicht allen ist das bekannt - in seinem ganzen Leben keinen einzigen Doktoranden. Trotzdem entdeckte er den (nobelpreisgewürdigten) photoelektrischen Effekt und darüberhinaus noch zwei Relativitätstheorien.

Motto: Der Chef kocht selbst.

Mittwoch, 20. Februar 2008

KIT ist eine Mogelpackung

Wieder einmal hat man bei KIT, dem Karlsruhe Institute of Technology einen "Durchbruch" erzielt und nimmt das zum Anlass für eine Gründungsfeier. Es lohnt sich genauer hinzusehen. Richtig ist, dass Bund und Land dem KIT einen Rechtsträger zugestanden haben, nämlich den einer "Körperschaft des öffentlichen Rechts". Vorher sollte es nur eine BGB-Gesellschaft werden, was die unterste Stufe eines rechtlichen Zusammenschlusses darstellt und den fast schon jeder Skatklub beanspruchen kann.

Aber wie sieht das Innenleben dieser Körperschaft aus? Sie soll zwei "Missionen" besitzen, eine etwas geheimnisvolle Bezeichnung. Simpler sollte man von "Geschäftsbereichen" reden, nämlich dem der Uni und dem des FZK. Diese stehen nahezu unvernetzt nebeneinander. Das FZK wird weiterhin vom Bund und der Helmholtzgesellschaft gesteuert; die Uni kann keinen Einfluss auf die Programme des FZK nehmen, sondern dies geschieht nach wie vor über die sogenannte programmorientierte Begutachtung der Helmholtz-Gemeinschaft. Umgekehrt gilt praktisch das Analoge.

Auch die finanzielle Förderung, also der jährliche Geldfluss, bleibt die Gleiche. Von Drittmitteln abgesehen, erhält die Uni im wesentlichen ihr Geld aus Stuttgart und das FZK vom Bund. (Dazu, wie eh und je, 10 % vom Land.) Wichtig ist, dass diese Finanzströme nicht vermengt werden dürfen. Sollte der Uni-Rektor Hippler je interessiert gewesen sein, "an das Budget des FZK heran zu kommen", so ist ihm dies in der neuen Körperschaft klar verwehrt.

Und einer wird ganz besonders darüber wachen: Professor Jürgen Mlynek, jener knorrige und umtriebige Chef der Helmholtz-Gemeinschaft. Denn Mlynek wird - man halte sich fest - zukünftig Aufsichtsratsvorsitzender des KIT. Damit kann er direkten Einfluss nehmen auf die Bestellung des Vorstands und die Gestaltung des Budgets. Vor zwei Jahren versuchte der damalige FZK-Geschäftsführer Popp der Helmholtz-Gemeinschaft und ihrem Chef Mlynek zu entkommen und heckte mit Hippler die KIT-Idee aus. Und nun haben die hinterbliebenen FZKler Mlynek als mächtigen Vorsitzenden des Aufsichtsrats aufgedrückt bekommen! Ein gewaltiger Schuss nach hinten, fast schon das Eigentor des Jahres.

Praktisch operieren unter der KIT-Körperschaft also zwei getrennte Geschäftsbereiche. Aber das darf natürlich nicht offen zutage treten, sondern muss maximal verkleistert werden, indem man viele dünne Fäden zwischen Uni und FZK spannt und damit eine Art Metastruktur schafft. Koordinatoren, Projektstäbe Liasongruppen etc. etc. entstehen in grosser Zahl und sollen eine enge Bindung der beiden Geschäftsbereiche vorgaukeln. Reine Camouflage! Das Ergebnis wird eine Monsterbürokratie sein, welche die kreativen Führungskräfte von ihrer eigentlichen Forschungstätigkeit abhält.

In Wirklichkeit sind Uni und FZK organisatorisch total verschieden und nicht aufeinander abbildbar. Das FZK hat etwa 20 Grossinstitute unterhalb der Leitungsebene, die Uni hingegen 120 Kleininstitute und dazu 11 Fakultäten, wofür überhaupt kein Pendant beim FZK existiert. Die Uni ist von seiner Zielsetzung her primär eine Ausbildungsstätte, Forschung wird nur in geringerem Umfang über die Doktorarbeiten betrieben. Demgegenüber ist das FZK eine reine Forschungsstätte, deren Institutsleiter zuweilen Vorlesungen an Nachbarunis halten. Dass die Bediensteten an Uni und FZK sehr verschiedene Besoldungssysteme und betriebliche Mitwirkungsmöglichkeiten haben, geht zuweilen unter, ist aber in der Praxis und im Umgang mit den Betriebsräten durchaus wichtig.

Deshalb findet das Konstrukt KIT auch keine Nachahmer in der deutschen Forschungslandschaft. Das Forschungszentrum Jülich könnte mit der TH Aachen fusionieren, belässt es aber bei einer Kooperation. Ähnliches gilt für Heidelberg und Darmstadt mit den benachbarten Zentren, dem Krebsforschungszentrum und dem GSI. Dass man bei der EU in Brüssel an ein EUIT denkt, ist eher schon verdächtig; dort ist kaum je eine tragfähige Forschungsidee geboren worden. Wenn man die "Versäulung der Wissenschaft" beklagt, dann wäre eher daran zu denken die Max-Planck-Institute wieder näher an die Unis heran zu führen, denn dort wird viel mehr universitäre Forschung betrieben. Aber das wird so schnell nicht geschehen, denn die MPIler geniessen ihre Freiheit.

Nahezu peinlich ist das ständige öffentliche Inaussichtstellen der KIT-Funktionäre, man wolle mit der Fusion baldmöglichst zur forscherischen "Weltspitze" aufschliessen. Man übersieht dabei, dass der Zusammenschluss von zwei Entitäten zwar Grösse, aber nicht unbedingt Stärke erzeugt. Daimler hat dies bei der Fusion mit Chrysler leidvoll erfahren müssen, ebenso wie vorher BMW mit Rover. Beide Firmen, Daimler und BMW, sind nach ihrer Entflechtung stärker als vorher. Aber leider kann der innere Wert des KIT nicht an einem Aktienkurs abgelesen werden, weshalb es vermutlich so lange dahin dümpelt, bis seine strukturellen Fehler offenkundig werden.

Schlussendlich:
ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, dass man beim FZK (wie auch an der Uni) alles unverändert beim alten belassen sollte. Nein, das Management hat nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht Struktur und Programme immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Aber man sollte die Möglichkeiten, welche flexible Kooperationen bieten nicht gering schätzen, bevor man sich in das Procrustesbett einer starren Fusion legt.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Subventionierte Naturverschandelung

Die bayerischen Heimatpfleger warnen zu Recht vor den hässlichen Solardächern, welche das traditionelle Landschaftsbild immer mehr verschandeln. Die Solarinteressenten sollte man bei der Beantragung in ihrer Gemeinde der Flächennutzungsplanung unterwerfen, denn letzlich handelt es sich bei den Photovoltaikanlagen um gewerbliche Betriebe. Das Energieeinspeisegesetz (EEG) gewährt den Betreibern solcher Anlagen 50 cent pro Kilowattstunde und das über 20 Jahre hinweg. Zum Vergleich: Gas-, Kohle- und Kernkraftwerke produzieren ihren Strom für 3 cent. Trotzdem ist der Anteil des Solarstroms am Gesamtstrom minimal und wird 1 % kaum je übersteigen.

Warum also dieser Boom bei den Solardächern? Ganz einfach: die meist privaten Betreiber erhalten ein risikoloses Einkommen über viele Jahre hinweg und wir - die übrigen Stromkunden - zahlen dies über unsere monatliche Stromrechnung. Nicht die Stromversorger, wohlgemerkt! Das unabhängige Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen hat ermittelt, dass bereits für die Solardächer, welche bis 2007 installiert worden sind, in den nächsten 20 Jahren volle 31 Milliarden Euro an Subventionen bezahlt werden müssen - und zwar durch uns.

Auch die Photovoltaikindustrie langt kräftig zu. Die Hersteller der Dächer verkaufen ihre Moduln für satte 4.500 Euro pro Kilowatt, obwohl nach Recherchen des RWI allenfalls 2.800 Euro gerechtfertigt wären. Der Wettbewerb funktioniert also mitnichten. Und der Hammer ist, dass die meisten Arbeitsplätze für die Solarindustrie gar nicht in Deutschland, sondern im Ausland generiert werden, zum Beispiel in China. Das dortige Unternehmen Yingli-Solar produziert jetzt bereits mit 3000 Arbeitern Panels für den deutschen Markt, bald sollen es 6000 sein. Die dummen Deutschen subventionieren also mit ihrem Geld Arbeitsplätze in China.

Kein Wunder, dass leicht verdientes Geld auch dunkle Gestalten anzieht. Immer öfter kommen des nachts Diebe und stehlen die einfach demontierbaren Solarmoduln, insbesondere, wenn sie auf ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Flächen aufgestellt sind. Im Jahr 2007 hat die Polizei in Bayern nicht weniger als 13 Fälle von "Modulklau" festgestellt. Sie werden anderswo wieder montiert und von uns die nächsten zwei Jahrzehnten subventioniert.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Die zwei Seiten des Trafos

Viele wissen es noch aus der Schule: der Trafo hat zwei "Seiten", genauer gesagt zwei Wicklungen. Der Wechselstrom kommt auf der primären Seite an und wird auf der sekundären in seiner Spannung herauf oder herunter transformiert. Dazwischen befindet sich isolierendes Öl und das kommt bei Kurzschlüssen immer wieder mal ins Brennen, was den Trafo zerstört und damit zu (meist kürzeren) Stromabschaltungen führt.

Daneben hat der Trafo aber auch eine "politische" Komponente und das kommt auf seinen Standort an. Befindet er sich auf dem Gelände eines Atomkraftwerks, so wird der gleiche Brand dort ganz anders bewertet als in konventionellen Kraftwerken, etwa den Karlsruher Rheinhafenkraftwerken. Dort hat letzte Woche der Brand eines solchen Trafos zu einer ca. eineinhalbstündigen Stromabschaltung im Bereich der Karlsruher Innenstadt geführt. Die Strassenbahn und die Verkehrsampeln fielen aus, das Fernwärmenetz blieb kalt, die Telefone funktionierten nicht, viele Menschen steckten in Fahrstühlen fest etc. etc. Inzwischen hat sich alles wieder beruhigt, der Strom fliesst wie eh und je. Ranghohe Politiker sahen keinen Anlass zu Stellungnahmen; auch die Minister, welche für die Genehmigung und die Aufsicht dieser Kraftwerke zuständig sind, blieben stumm.

Das war ganz anders im Falle des Trafobrands bei den beiden norddeutschen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel am 28. Juni 2007, also vor ca. 7 Monaten. Dort war die Abtrennung dieses defekten Trafos vom Netz so perfekt, dass es zu keinerlei Ausfällen bei den Stromkunden kam. Und innerhalb von zwei Sekunden fielen die Steuerstäbe in den Reaktorkern und beendeten seine nukleare Kettenreaktion. Eine unabhängige Expertenkommission untersuchte anschliessend diesen Störfall und bewertete ihn mit 0 auf der 7-stufigen internationalen Sicherheitsskala. Das heisst, er hatte keinerlei sicherheitstechnische Bedeutung.

Trotzdem bot dieser Trafobrand dem Berliner Umweltminister Gabriel monatelang Anlass zu schlimmen Beschuldigungen in Richtung der Betreiber. Zwei hochrangige Manager von Vattenfall mussten ihre Sessel räumen und die beiden Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel (mit der doppelten Kapazität der Rheinhafenkraftwerke) sind bis zum heutigen Tag ausser Betrieb.

Und wie wird diese Stromlücke gefüllt? Bei Bedarf kauft der Betreiber Strom aus französischen Atomkraftwerken ein.

Montag, 28. Januar 2008

Sind wir allein im Universum?

Seit einigen Jahren haben die Astronomen die Jagd auf Planeten eröffnet. Fast jede Woche finden sie einen neuen Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems. Leider waren sie bis jetzt meist gasförmig, sodass keine menschliche Wesen dort wohnen könnten. Bis jetzt hat man erst gut 200 Planeten gefunden, aber nach Meinung der Astrophysiker könnten es viele Milliarden sein. Denn, warum sollte nicht jede "Sonne" - also leuchtender, wärmespendender Stern - einen oder mehrere Planeten besitzen? In der Milchstrasse allein gibt es hunderte von Milliarden Sonnen und solche Sternhaufen, sprich Galaxien, gibt es ebenfalls viele Milliarden in unserem Universum. Ohne viel nachzudenken würde man vermuten, dass es im Kosmos sehr viele Planeten wie unsere Erde geben müsste und, dass viele, vielleicht Millionen oder sogar Milliarden von menschenähnlichen Wesen bewohnt sein könnten.

Doch gemach! Diese grossen Zahlen werden schnell wieder klein, wenn man die vielen Anforderungen auflistet, die ein Planet erfüllen muss, um Menschen beherbergen zu können. Denn Sonne ist nicht gleich Sonne. Befindet sie sich in der Nähe eine Schwarzen Lochs, dann ist wegen dessen Sogwirkung eine längere Existenz nicht möglich. Auch die Nähe eines Jet-Sterns, der in wenigen Sekunden soviel Energie abstrahlt wie unsere Sonne während ihrer milliardenlangen Lebenszeit, wäre tödlich. Unsere Sonne befindet sich weit ausserhalb des Zentrums unserer Milchstrasse. Und das ist gut so. Denn in dieser kuscheligen Ecke sind seit ewig langer Zeit keine Katastrophen passiert, welche unsere Erde hätten gefährden können. Das ist wichtig, weil menschliche Wesen, wie wir aus der Paläontologie und seit Darwin wissen, etwa 3 Milliarden Jahre brauchen, um sich von den Aminosäuren zum homo sapiens zu entwickeln.

Die Sonne eines von Menschen bewohnten Planeten muss also einige Milliarden Jahre leuchten. Und das tun bei weitem nicht alle. Sonnen mit grosser Masse brennen relativ schnell ab, schon in wenigen Millionen Jahre. Und leichte Sonnen leuchten zwar viele Milliarden lang, aber nur mit geringer Energie. Auf ihren Planeten ist es verteufelt kalt. Nur wenige Sonnensterne kommen also infrage; davon sind die meisten auch noch Doppel- oder Dreifachsonnen, bei denen die Planetenbahnen in vertrackten Bahnen und viel zu schnell umlaufen.

Neben der Sonne muss aber auch der Planet eine Menge Konditionen erfüllen, wenn er ein Habitat für biologische Wesen darstellen soll. Er darf zum Beispiel kein Gasball aus Wasserstoff oder Helium sein, denn menschliche Wesen brauchen festen Boden unter den Füssen. Und er muss genügend schwere Elemente wie Kohlenstoff, Eisen, Blei etc. besitzen. Das heisst astrophysikalich, dass er einige Super-Nova-Explosionen durchlaufen haben muss, bei denen diese schweren Isotope (wie in einem irdischen Kernreaktor) durch Neutroneneinfang gebildet wurden. Bis die schwache Gravitationkraft daraus einen Masseball geformt hat, auf dem das Leben beginnen kann, dauert es locker einige Milliarden Jahre. Und, ganz wichtig, auf dem Planeten muss sich Wasser bilden; es wird als Lösungsmittel unbedingt gebraucht.

Unser Planet muss sich auch in der richtigen Entfernung zu seiner Sonne bewegen. Es darf auf ihm weder zu heiss noch zu kalt sein, damit das Wasser nicht verdampft bzw. das Leben in Gang kommt. Und er muss sich mit einer genau bestimmten Geschwindigkeit drehen. In unserem Sonnensystem ist es auf der Venus zu heiss (450°C), weil sie sich zu langsam dreht und auf dem Mars zu kalt (70° minus), weil er wegen seiner geringen Grösse die Lufthülle nicht halten konnte. Der Mars ist gewissermassen atmosphären-inkontinent.

Hilfreich ist in vielen Fällen die Existenz eines Monds. Ohne ihn würde sich die Erde, statt in 24 Stunden, schon in 9 Stunden um die eigene Achse drehen. Die Folge wären Stürme von 3-400 Stundenkilometern. Für Menschen von 1,80 m Grösse keine habitable Zone; die Evolution würde diese Wesen auf wenige Zentimetern Höhe schrumpfen lassen. Der Mond wurde bekanntlich zur Anfangszeit der Erde durch einen Asteroideneinschlag herauskatapultiert. Ein glücklicher Umstand in der Erdgeschichte.

Apropos Asteroiden: der Weltraum ist bekanntlich voller Brocken; Millionen davon gibt es allein in unserem kleinen Sonnensystem. Wenn sich also auf einem Planeten Leben entwickeln soll, dann braucht er einige Jahrmilliarden "seine Ruhe". Am besten erledigt diese Aufgabe ein grosser Begleitplanet in der Nähe, der, wie ein Riesenstaubsauger den umgebenden Raum sauber hält, indem er die Asteroiden durch seine enorme Gravitationskraft aufsaugt. Bei der Erde ist dies der Jupiter. Simulationsrechnungen haben ergeben, dass ohne diesen Schutzplaneten die Erde alle 100.000 Jahre von einem Asteroiden von mehr als 10 km Durchmesser getroffen würde. Höheres Leben, insbesondere die Menschen, hätten so nie entstehen können.

Hier will ich meine Aufzählung der einschränkenden Bedingungen für menschliches Leben im Universum beenden. Es gäbe noch eine ganze Reihe und vermutlich eine weitere grosse Anzahl, die gar noch nicht bekannt sind. Als Fazit kann man sagen, dass die Astronomen, Physiker und Biologen heute in dieser Frage viel skeptischer sind als noch vor fünfzig Jahren. Es mag durchaus weiteres menschenähnliches Leben in unserem grossen Universum geben, aber die Zahl bewohnter Planeten wird heute weit geringer eingeschätzt als früher. Ob es fünf weitere gibt oder 100.000 - nobody knows.

Aber einen gibt es ganz sicher!

Donnerstag, 24. Januar 2008

Schaun mer mal.

Würde jemand auf offener Strasse eine Umfrage veranstalten und die Passanten nach dem besten - noch lebenden - deutschen Fussballer befragen, so könnte man das Ergebnis leicht erraten: Franz Beckenbauer, der Kaiser Franz, wäre wohl nicht zu schlagen. Aber was käme heraus, wenn man nach dem besten, gleichfalls noch lebenden deutschen Maler, also bildenden Künstler, fragen würde? Nun, sicherlich ein ziemliches Gedruckse. Viele würden gar nicht antworten können, einige vielleicht zwischen Dürer, Beuys und Baselitz umher irren. Dabei ist die richtige Antwort so einfach: es ist Richter, genauer gesagt Gerhard Richter.

Sie kennen Richter nicht? Das ist ein beträchtliches Manko. Denn Richter ist - nach Meinung der Experten - nicht nur Deutschlands bester Maler, sondern wahrscheinlich der zur Zeit beste auf der ganzen Welt. Wow! Wie kann man solche Anmassungen belegen? Nun, im wesentlichen durch zwei Fakten: Richters Bilder erzielen auf dem Kunstmarkt die höchsten Preise, meistens jenseits einer Million Euro. Neulich übertraf ein Gemälde Richters bei einer Sotheby-Versteigerung in London sogar ein Werk von Raffael - wobei man zugeben muss, dass es nicht Raffaels bestes Stück war. Aber immerhin. Der zweite Masstab sind seine Ausstellungen, insbesondere die Einzelausstellungen. Richter wird eben überall hin eingeladen. Zur Biennale nach Venedig, zur Documenta nach Kassel, zur Moma nach New York, und, und, und.

Derzeit sind Richters Bilder in Baden-Baden zu sehen. Im Museum Frieder Burda, das allein schon immer mal wieder einen Besuch wert ist mit seinen wunderbaren Ansichten, Durchblicken und Ausblicken auf den angrenzenden Park. 57 Werke sind dort versammelt, also etwa 5 % von Richters Gesamtwerk, aber den meisten Epochen entstammend. Und Epochen, oder nennen wir sie Stilrichtungen, gibt es bei Richter jede Menge. So viele, dass man zuerst mal ganz verzweifelt nach der eigentlichen Handschrift des Meisters sucht. Der Laie wird sie kaum entdecken. Gegenständliche Malereien stehen neben abstrakten Farbexplosionen. Fotomalereien und Farbtafeln wechseln sich ab mit beschaulichen Landschaften, Farbschlieren und Schattenbildern. Bei etlichen stellen sich déjà-vu-Erlebnisse ein: verdammt, das hast du doch schon mal bei dem oder jenem Maler gesehen! Richter stört das nicht. Als alle Welt sich dem Abstrakten hin gab, malte er seelenruhig gegenständlich. Zum Beispiel das Schloss Neuschwanstein samt Waldlandschaft. Später, als das Gegenständliche wieder Einzug hielt, wandte er sich der abstrakten Malerei zu. Und kopierte unbefangen manchen seiner Kollegen. Aber: seine Bilder waren immer besser als die Vorlagen. Er setzte gewissermassen noch eins drauf. Richter lehnte es ab, sich auf einen Stil allein festzulegen und damit den Galeristen eine Handschrift zur Wiedererkennung anzubieten. Nein, er ist ein Chamäleon, vielleicht sogar, im Sinne Musils, ein Mann ohne Eigenschaften.

Verlässt man Burdas Museum wieder und betritt die Lichtenthaler Allee, dann bedauert man, dass die angrenzende Kunsthalle sich offensichtlich in einem Dämmerschlaf befindet. Dabei hätte es eine gute Gelegenheit gegeben, auch hier eine "Richter-Ausstellung" zu arrangieren. Denn neben Gerhard Richter gibt es noch einen Ludwig Richter, allerdings schon mehr als hundert Jahre tot. Beide Richters entstammen der Dresdner Schule. Ludwig Richter, ein Zeitgenosse von Caspar David Friedrich, malte auch heute noch sehenswerte Landschaftsbilder, welche man korrespondierend in der Kunsthalle hätte präsentieren können. (Übrigens nicht meine Idee, sondern die meiner Frau Brigitte.)

Donnerstag, 17. Januar 2008

Allerlei Probleme bei der Kernfusion.

Glaubt man den Brüsseler Hochglanzbroschüren, dann ist bei dem weltweit organisierten Projekt zur Kernfusion alles im Lot. Die liebe Sonne wird nachgeahmt, indem man auf Erden zwei Wasserstoffisotope sich vereinigen lässt, wodurch das hiesige Energieproblem auf Äonen hin beseitigt ist. Und - mit Blick auf die schreckliche Kerntechnik - es gibt keinen GAU a lá Tschernobyl und die Entsorgung ist sowieso gesichert.

Aber so einfach ist die Sache natürlich nicht. Jeder seriöse Fusionsforscher, und das sind die meisten, gibt zu, das es in dieser Technologie noch jede Menge Probleme zu lösen gibt. Unter ihnen sind etwa ein Dutzend sogenannter k.o.-Punkte, deren Lösung unabdingbar ist, weil sonst die Strommaschine nicht funktionieren kann. Die Stabilität des Plasmas ist an vorderster Stelle zu nennen, aber auch die Beherrschung der Tritiumtechnologie und die Verfügbarkeit von Werkstoffen, die hohe Strahlendosen aushalten.

Jawohl, richtig gehört, Strahlung gibt es bei der Fusion auch. Sogar Strahlung satt. Manche Schlitzohren verschweigen dies gelegentlich. In dem öffentlich zugänglichen Sachstandsbericht des Forschungszentrums Karlsruhe zur Kernfusion (TAB Nr. 75) steht zu lesen, dass ein Fusionsreaktor mindestens ebensoviel Radioaktivität beinhaltet wie ein Spaltreaktor, möglicherweise sogar um den Faktor 10(!) mehr. Nun ist natürlich Strahlung nicht gleich Strahlung. Es kommt auf die Halbwertszeit an, die biologische Wirksamkeit und anderes mehr.

Und wenn man über die Abwesenheit des Feststoffs Plutonium jubelt, so sollte man nicht das radioaktive Gas Tritium unterschätzen. Das ist auch ein Teufelszeug.

Und noch etwas kann man in dem erwähnten Bericht lesen: während der Betriebszeit eines zukünftigen Fusionsreaktors, das sind etwa 30 Jahre, muss man den Reaktor voraussichtlich 10 mal öffnen und insgesamt 25.000 Tonnen hochradioaktiver Komponenten - im Eiltempo - entnehmen und dafür Ersatz einbringen. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Brutkomponenten und Divertoren, welche das Tritium erbrüten und schädliches Abgas fortleiten. Und diese Gewaltaktion soll in 3 bis 6 Monaten beendet sein, da sonst ja die Verfügbarkeit der Anlage leiden würde. Vergleicht man diesen Komponentenaustausch mit dem Abriss eines Kernkraftwerks, so ist letzterer ein Klacks. Und trotzdem dauert der Rückbau eines typischen Spaltreaktors mindestens 5 bis 10 Jahre - wobei nur 2-3.000 Tonnen an Material zu entfernen sind und man ihn vorher noch einige Jahre abklingen lässt.

Natürlich kann man beim Fusionsreaktor diese Intervention nur fernbedient mit eigens (in Japan und England) entwickelten Robotern angehen. Aber diese hat man ja nur an sehr schwach radioaktiven Materialien testen können. In der Realität werden die Blanket- und Divertormoduln nicht nur extrem radioaktiv sein, sondern sie werden auch klemmen oder sogar verschweißt sein, weil die vielen schnellen Neutronen die Diffusion der Materialatome drastisch erhöhen und die Masshaltigkeit der Komponenten verändern. Wir haben dies beim Schnellen Brüter gelernt, aber dort waren die Bestrahlungswerte, gemessen in dpa, noch viel geringer. Der Umbau einer Roboteranlage, auch das haben wir beim Abriss der Spaltreaktoren leidend erfahren, ist nicht in Zeiträumen von Monaten, sondern mit ein oder mehreren Jahren anzusetzen. Wenn das bei den zukünftigen Fusionsreaktoren geschieht, wo bleibt dann aber ihre Verfügbarkeit? Dieser oftmalige Umbau des Herzstücks der Fusionsstromanlage wird zukünftige Betreiber nicht erfreuen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich die EVU weder personell noch finanziell an der Fusionstechnologie beteiligen.

Der Bau einer Bestrahlungsanlage ("IFMICH") ist geplant und sicherlich notwendig. Das Verhalten der Materialien unter 14 MeV-Neutronen und hohen Dosen kann nicht mehr aus den früher gewonnenen Brüterdaten extrapoliert werden. Wie man hört, soll sie entweder in Japan oder im Forschungszentrum errichtet werden. Dem FZK wäre diese Aufgabe zu gönnen; die vielen dort ansässigen Ingenieure und Materialforscher könnten diese Arbeit sicherlich - technisch - lösen. Aber wäre sie in unserem Lande auch genehmigungstechnisch zu bewältigen? Die jüngsten negativen Erfahrungen mit der Verglasungsanlage an der WAK lassen Zweifel aufkommen. IFMICH würde von der Genehmigungbehörde sicherlich als eine kerntechnische Anlage im Sinne des Atomgesetzes betrachtet und entsprechend rigide behandelt werden.

Die dauernden technischen und terminlichen Umplanungen der Kernfusion, meist von Brüssel verlangt, haben dem Projekt nicht gut getan. In den 90er Jahren wurde ITER von 7 Milliarden Euro auf bare 3,5 Milliarden "abgespeckt", mit der Folge, dass wichtige Komponententests, wie die der Brutblankets weitgehend aussen vor bleiben. Nun sind die Kosten dieser Magerversion trotzdem schon wieder auf 5 Mrd. geklettert und bald werden es wohl wieder die ursprünglichen 7 Mrd. sein.

Eine Schnapsidee besonderer Art ist der sogenannte "Fast Track". Um das Jahr 2025 will man gegebenenfalls die beiden nachfolgenden Grosskraftwerke DEMO und PROTO weitgehend parallel errichten und nicht hintereinander, wie früher geplant. Damit vermeidet man die "50 Jahre in der Zukunft", mit denen die "Fusionäre" bislang immer gefrozzelt werden. Aber was heisst das? 2025 werden erst wenige Betriebserfahrungen aus ITER und nahezu nichts aus IFMICH angefallen sein. Mit so einer rudimentären Datenbasis will man 2 Grosskraftwerke bauen, von denen jedes mindestens 15 Milliarden Euro kosten wird? Bei einer solchen Terminplanung muss Panik eine Rolle gespielt haben. Panik vor der befürchteten gewaltsamen Beendigung des Fusionsprojekts durch die Politik, weil man nicht rechtzeitig liefern konnte.

Die Bruchkanten des Gesamtprojekts zeichnen sich jetzt bereits ab. Das derzeitige Teilprojekt ITER - mit einem Diplomaten(!), keinem Techniker, an der Spitze - hat nicht das notwendige Tempo, sondern dümpelt eher dahin. Viele, zuviele Partner und zuviele Standorte machen eine effiziente Projektkoordination fast unmöglich. Die Chinesen (und die Inder) sind als letzte Partner dem ITER schnell noch beigetreten. Wie man hört "sammeln" sie eifrig die Notizen der anderen Partner mit dem über die Jahre angesammelten know-how. In China haben sie inzwischen eine eigene Tokomak-Anlage errichtet. (Transrapid-Schanghai lässt grüssen!)

Wenn ITER nicht ein grandioser Erfolg wird - und das ist fast unmöglich, weil die Anlage zu klein ist und viele der zentralen Probleme nicht lösen kann - dann wird es ein schnelles Ende des internationalen Fusionsprojekts geben. China und Indien werden aussteigen und in ihren Ländern weitermachen; man hat inzwischen ja genug gelernt und gesehen. Die USA werden sich wieder auf ihre ohnehin mehr geliebte Trägheitsfusion mit militärischer Anwendung zurückziehen und die Russen machen ebenfalls allein weiter. Bleiben die Europäer, zerstritten wie immer - und ohne Geld. Denn 30 Milliarden Euro für den Bau von DEMO und PROTO werden weder die EVU noch die Regierungen spendieren.

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