Sonntag, 21. Oktober 2012

Tropenholz für Möbel? Warum nicht!

In den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war die Verwendung von Tropenholz zur Herstellung von Möbeln durchaus üblich. Teak, Palisander, Mahagoni und viele andere Holzarten schmückten die Wohnzimmer und die Terrassen. Die tropischen Hölzer zeichnen sich vor allem durch hohe Festigkeit und durch eine angenehme Maserung aus, weshalb man gerne von Edelholz spricht. Die Struktur der Tropenhölzer ist aufgrund des konstanteren Klimas in den Tropen gleichmässiger als die von Jahresringen geprägte Maserung der Hölzer aus den gemässigten Zonen.

Um 1970, mit dem Aufkommen des Umweltbewusstseins, kam die Verwendung von Tropenholz für Schreinerzwecke in Verruf. Umweltschutzorganisationen, wie Greenpeace oder Rettet den Regenwald wiesen auf die hohe Entwaldungsrate, vor allem in Indonesien, hin und forderten den vollständigen Verzicht auf Tropenholz. Das liess sich aber nicht so schnell bewerkstelligen. Auch im Zeitraum 2000 bis 2005 betrug der jährliche Nettoverlust an Wald in Indonesien nach Angaben der UN noch 1,8 Millionen Hektar, also mehr als 2 Millionen Fussballfelder! Trotzdem: studiert man die Reklamebroschüren der Möbelfirmen, so werden heute Wohnzimmer- und Terassenmöbel zumeist aus heimischer Eiche und Nussbaum hergestellt. Inbezug auf Festigkeit reichen sie an die Tropenhölzer heran, allerdings stören nicht selten die rustikale Maserung und die Astnüsse.


Tropenbäume aus den Untiefen

Inzwischen gibt es eine Methode Tropenholz waggonweise zu fällen, ohne dass man der Natur schadet und ohne, dass Umweltschutzorganisationen etwas dagegen haben. Unglaublich aber wahr: man holt die Tropenbäume aus der Tiefe von Seen.  Taucher fällen Wälder, die vor Jahrzehnten überflutet wurden. Allein beim Bau des Panama-Kanals verschwand Tropenholz für umgerechnet mehrere hundert Millionen Dollar in den Fluten des Gatunsees. Auf dreihundert Millionen Bäume weltweit schätzen Experten den versunkenen Vorrat in rund 45.000 künstlich geschaffenen Seen, Talsperren und Kanälen. Und die Ernte eilt nicht, denn unter Wasser überdauert Holz viele Generationen.

Doch die Bergung dieser versunkenen Bäume ist ein Knochenjob. Taucher schrauben Plastiktonnen an den Bäumen fest und füllen sie mit Pressluft. Danach kappen sie die Hölzer und der Auftrieb schwemmt die Stämme nach oben. Inzwischen gibt es schwimmende Sägebagger, die das Holz noch in 35 Metern Tiefe "ernten" können. Und bei Tiefen bis zu 300 Metern kommt ein ferngelenktes Säge-U-Boot zur Anwendung, das mit Unterwasserkameras und Sonargeräten ausgestattet ist. Der Steuermann an der Oberfläche setzt einen Roboter ein, der das Holz packt, einen Luftsack anschraubt und den Baum auf handliche Längen absägt. Bis zu hundert Stämme pro Tag schafft ein solches Spezialboot. Der Unterwasser-Kahlschlag rechnet sich, denn viel mehr als ein Harvester an Land kostet dieser Roboter auch nicht - und man spart sich das Aufforsten.

Das aus der Tiefe geholte Holz kann teuer verkauft werden. Es ist seit Jahrzehnten abgeschirmt von Hitze, Borkenkäfern und Pilzen. Durch das Liegen im Wasser haben sich alle Spannungen abgebaut, Gerbsäure und Harze sind ausgewaschen. Nach der Bergung lässt man die Bäume zwei Monate an der Luft trocknen, bis sie zersägt und zur Möbelherstellung verwendet werden. Diese Form der Abholzung wird bislang nicht kritisiert, denn für jeden Baum, der aus der Versenkung geholt wird, muss einer weniger an Land fallen. Kein Kohlendioxidspeicher verschwindet, kein Waldbewohner verliert seinen Lebensraum. Diese Ernte nützt sogar dem Klima, denn lägen die Holzstämme sehr lange im Seewasser, dann würden sie doch irgendwann verrotten.

Und das entstehende Methan wäre Gift für die Atmosphäre!

Kommentare:

  1. Sehr interessant und auf jeden Fall zu begrüßen!
    Mein Glückwunsch an die Leute, die das ausgeknobelt haben!
    So kann dieses wertvolle Holz noch sinnvoll verwendet werden.

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  2. Super interessant und noch nie davon gehört! Sie kennen aber keinen Anbieter bei dem man so gewonnens Holz bzw. verarbeitete Möbel kaufen kann? Ich kenn und hab Erfahrung bisher nur mit dem kauf von Palisander Möbel bei www.massivmoebel24.de . Ein Onlineanbieter der auch andere Holzarten ausser Palisander noch führt.

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  3. Super interessant und noch nie davon gehört! Sie kennen aber keinen Anbieter bei dem man so gewonnens Holz bzw. verarbeitete Möbel kaufen kann? Ich kenn und hab Erfahrung bisher nur mit dem kauf von Palisander Möbel bei www.massivmoebel24.de . Ein Onlineanbieter der auch andere Holzarten ausser Palisander noch führt.

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