Samstag, 14. April 2018

Die Deutsche Bank im Niedergang

Der Deutschen Bank geht es schlecht. Dieses einstige Kronjuwel der deutschen Wirtschaft, 1870 zusammen mit dem Deutschen Reich in Berlin gegründet, macht kaum noch Gewinne und ist zudem in kostspielige Rechtshändel verstrickt. Trotzdem zahlt sie horrende Boni an ihre glücklosen Banker, aber kaum noch Dividende an die Aktionäre. Wenn nicht schnell eine Wende zum Besseren eintritt, dann ist dieses Geldinstitut in seinem Weiterbestand höchst gefährdet.


Die Bürotürme der Deutschen Bank in Frankfurt
(Spitzwort: "Soll und Haben")


Hohe Bonuszahlungen trotz karger Erträge

Früher war sie mit an der Weltspitze, heute kommt die Deutsche Bank bei ihrem derzeitigen Marktwert von ca. 30 Milliarden Euro gerade noch unter die 60 größten Banken weltweit. Das Ausmaß des Scheiterns verdeutlichen vier Kapitalerhöhungen seit der Finanzkrise 2008: sie entsprechen gerade noch dem aktuellen Börsenwert. Ohne diese Kapitalerhöhungen wäre die Deutsche Bank überhaupt nichts mehr wert. 

Angesichts dieser Kapitalvernichtung sollten für die Deutsche Bank Erfolgsbonuszahlungen eigentlich tabu sein. Aber der Vorstand will sie wieder in Milliardenhöhe ausschütten. Angedacht sind Bonuszahlungen in der Höhe von einer Milliarde Euro, womit die Bank 705 Angestellte zu Einkommensmillionären machen würde. Und das bei einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro!  9.000 Arbeitsplätze (von etwa 100.000 weltweit) stehen damit auf der Kippe. 180 Filialen wurden allein in Deutschland bereits geschlossen, aus einigen Auslandsmärkten hat sich die Bank komplett zurückgezogen.

Aber Sparen ist dennoch nicht angesagt. Insbesondere bei den Investmentbankern - sie handeln mit komplizierten Aktienprodukten, Derivaten und begleiten die Konzernfusionen - lässt man es immer noch so richtig krachen. Sie hat ihren Sitz vorwiegend im teuren London, ihre Manager buchen gerne Hotelzimmer für mehrere Tausend Euro pro Nacht und eine einzige Abteilung verprasste beispielsweise im Vorjahr 22 Millionen Euro an Spesen.


Viele Leichen im Keller

Seit 20 Jahren schröpfen die Investmentbanker die Deutsche Bank. Auf hohe Gewinne folgten horrende Verluste und Rechtskosten. Einiges ist inzwischen unter hohen Strafzahlungen bereinigt, andere "Leichen" liegen noch im Keller. Beispielhaft seien einige dieser Altlasten kurz beschrieben.

Einer der "Stars" im Zocker- bzw. Investmentbetrieb war der Londoner Händler Christian Bittar, welcher 2001 von der französischen Societe Generale abgeworben worden war. Er ließ sich 2008 von der Deutschen Bank den Rekordbonus von 40 Millionen Euro auszahlen. Wenig später wurde bekannt, dass Bittar illegalerweise dafür den Referenzzinssatz "Libor" manipuliert hatte. Der Bank kostete dies einige Milliarden an Strafe. Bittar sitzt derzeit in Untersuchungshaft und hat sich für schuldig erklärt.

Hohe Strafzahlungen entstanden für die Bank auch durch windige Hypothekengeschäfte im Zuge des US-Immobilien-Crash 2007. Sogenannte CDO- und SWAP- Geschäfte waren dafür die Ursache. Auch deutsche Kommunen, wie Pforzheim, wurden schwer geschädigt.--- Im Zuge der sogenannten "Luxemburg-Leaks" verschob die Deutsche Bank illegalerweise hohe Gewinne in Steueroasen, was im Jahr 2014 aufgedeckt und sanktioniert wurde.

Schließlich sei noch auf die höchst unprofessionelle Äußerung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Rolf Breuer hingewiesen, der öffentlich die Kreditwürdigkeit seines Großkunden Leo Kirch bezweifelte, was der Bank in einem nachfolgenden Prozess sage und schreibe 975 Millionen Euro kostete.


Manager in allen Güteklassen

In ihrer fast 150-jährigen Geschichte kann die Deutsche Bank auf eine stattliche Zahl von Führungspersönlichkeiten zurückblicken. Am Anfang stand der von Bismarck eingesetzte Vorstandsvorsitzende Georg von Siemens, der das Geldinstitut 30 Jahre lang (von 1870 bis 1900) leiten durfte. Im Dritten Reich, während der Kriegsphase, war Hermann Josef Abs Vorstandssprecher (1938 - 45); der Bundeskanzler Konrad Adenauer vertraute ihm so sehr, dass er Abs auch während der ersten Wiederaufbauphase (1957 - 67) die Bank leiten ließ. Unter den folgenden Managern ragt Alfred Herrhausen (1970 - 89) heraus, der die riskante Investmentsparte einführte und 1989 einem Attentat der Terrororganisation RAF zum Opfer fiel.

Von nun an wurde es turbulent; die Wahl des Spitzenpersonals war selten überzeugend. Von Hilmar Kopper (1977 - 99) bleibt nur in Erinnerung, dass er die gegenüber den Frankfurter Handwerkern (bei der Schneider-Pleite) entstandene Schadenssumme von 50 Millionen DM als "pea-nuts" bezeichnete, was prompt zum "Unwort des Jahres 1994" ausgewählt wurde. Über die unglaubliche sprachliche Fehlleistung des Nachfolgers Rolf Breuer (1985 - 92) gegenüber seinem Kreditnehmer Leo Kirch wurde oben bereits berichtet. Der charmante und charismatische Josef Ackermann (1996 - 2012) war aus heutiger Sicht ein Blender; sein mit großem Trara ausgegebenes Renditeziel von 25 Prozent war absurd. Die Doppelbesetzung Anshu Jain und Jürgen Fitschen (2009 - 15) brachte die Bank in den Negativsumpf. Der Inder war überdies so arrogant oder sprachlich unfähig, dass es ihm innerhalb von 6 Jahren nicht gelang, angemessen deutsch zu sprechen. Und das bei der deutschen Deutschen Bank!

Im Juli 2015 wurde der knorrige Engländer John Cryan zum Vorstandschef der Deutschen Bank ernannt. Er war kein Netzwerker und hatte keinen Rückhalt im politischen Berlin. Bei der 14-Milliarden-Forderung des US-Justizministerium im Jahr 2016 ließ ihn die deutsche Regierung im Regen stehen. Demgegenüber konnte die englische Downing Street bei der Barclays Bank (welche ähnlich große Lumpereien gemacht hatte) den Strafbetrag auf nur 2 Milliarden herunterverhandeln. Cryan zahlte also bei der DB einen überaus hohen Betrag an die knallharten Amerikaner und  als sich von 2015 bis 2017 auch noch keine Gewinne einstellten, war seine Stunde gekommen. Mit einer Abfindung von 6,8 Millionen Euro und einigen sonstigen "Bonbons" wurde er im April 2018 in die Wüste geschickt.

Sein Nachfolger (seit 10. April 2018) ist der Westfale Christian Sewing, welcher bislang das Privatkundengeschäft der DB leitete. Eine prominentere, international bekannte Persönlichkeit, hatte der seit 2012 (nicht immer glücklich agierende) österreichische Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner nicht gefunden.


Quo vadis, Deutsche Bank?

Mit dem 48-jährigen Christian Sewing hat der Aufsichtsrat ein Eigengewächs als Hoffnungsträger der zukünftigen Deutschen Bank auserkoren. Als ausgebildeter Bankkaufmann und langjähriger Leiter des Privatkundengeschäfts kennt er die DB von innen wie wenige seiner Vorgänger. In einem flammenden Email an die 100.000 Angestellten seines Konzerns formulierte er klar: "Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen. Unsere Kosten dürfen zukünftig 23 Milliarden Euro pro Jahr nicht übersteigen". Damit hob Sewing auf eines der Ziele ab, das sein Vorgänger Cryan zuvor klar verfehlt hatte.

Aber das wird schwer werden. Die Deutsche Bank leidet immer noch bitter unter der Großmannssucht mehrerer Managergenerationen, die sich im internationalen Kapitalmarktgeschäft mit der amerikanischen Weltspitze messen wollten - und darüber das erdverbundene Heimatgeschäft mit Privatpersonen und Unternehmen vernachlässigten. Früher Dreh- und Angelpunkt der deutschen Konzerne, hat die DB das heimische Terrain schon vor Jahren praktisch aufgegeben.

Und die deutsche Wirtschaft zeigt, dass es auch ohne die heimische Bank geht: die milllionenschwere Übernahme von Monsanto wurde vom Bayer-Konzern ohne die DB gestemmt. Und als Großaktionäre figurieren bei der Deutschen Bank vorwiegend ausländische Adressen, wie die HNA Group aus China, die Herrscherfamilie aus Katar, sowie die US-Fonds Blackbox und Cerberus. Kein deutscher Eigentümer weit und breit! Sogar die deutschen Industriekapitäne Johannes Teyssen, Henning Kagermann sowie Peter Löscher haben den Aufsichtsrat verlassen.

Die Deutsche Bank ist krank an Leib und Seele.

"Sewing, Sewing, du gehst einen schweren Gang".









Samstag, 7. April 2018

Fukushima: der löcherige Eiswall

In diesem Monat März jährt sich die Katastrophe von Fukushima zum siebten Mal. Am 11. März 2011, um 14 Uhr 46 Ortszeit, wurde ein Erdbeben der Stärke 9 registriert, das bislang stärkste Beben auf der japanischen Insel. Die Folge war ein großflächiger Stromausfall in der Präfektur Fukushima und das Anlaufen eines 14 Meter hohen Tsunamis. Diese Wasserwelle tötete 19.000 Einwohner der Region, viele wurden durch die Rückflut in das Meer gezogen und werden bis heute vermisst.

Drei der vier Kernkraftwerke (KKW) der Anlage "Daichi" schalteten unmittelbar nach dem Erdbeben sicherheitsgemäß ab; das vierte KKW war wegen Wartung außer Betrieb. Der anrollende Tsunami überspülte den Schutzdeich, welcher (fahrlässigerweise) nur 5 Meter hoch war. Die Notstromdiesel funktionierten kurzzeitig bestimmungsgemäß, "soffen" dann aber ab, weil sie (ebenfalls fahrlässigerweise) im tiefen Keller platziert waren. Die Kapazität der Akkus reichte zur Kühlung der Reaktorkerne nur wenige Stunden. In der gesamten Reaktoranlage kamen (wegen Wassereinbruch und Stürze) vier Menschen aus dem Betriebspersonal ums Leben, davon niemand aus reaktortechnischer Ursache.


Probleme mit radioaktivem Abwasser

Da in der Anfangsphase des Unfalls keine Kühlung zur Verfügung stand, heizte die Nachwärme der Reaktoren die Brennelemente übermäßig auf und es kam zum Austritt von elementaren Wasserstoff und radioaktiven Nukliden. Zusammen mit Sauerstoff bildete sich ein Knallgasgemisch, dessen Explosion die Betriebsgebäude weitgehend zerstörte. Dadurch kam es zur Freisetzung der leichtflüchtigen Spaltprodukte, wie Jod, Cäsium, Strontium und Tritium aus den geplatzten Brennstäben.

Nach intensiver Kühlung mit Meerwasser aus Feuerwehrschläuchen fiel die Temperatur in den Reaktorkernen nach einiger Zeit auf unter hundert Grad Celsius. Problematisch war allerdings die Vermischung des Kühlwassers mit den genannten Spaltnukliden. Sie kontaminierten das abfließende Wasser, sodass es radioaktiv wurde und unterhalb der Reaktoranlage aufgefangen werden musste, damit es nicht ins Meer gelangte und dort die Fische verseuchte. Die Zwischenlagerung dieses Abwassers geschah in großen Containern, von denen zeitweise 750.000 Stück auf den angrenzende Gelände sichtbar herumstanden. Die verfahrenstechnische Abtrennung der radioaktiven Nuklide wurde zwar versucht, gelang aber nur unzureichend. Insbesondere der superschwere Wasserstoff Tritium, mit einer Halbwertszeit von 12 Jahren, ist nicht zu separieren. Neben der aktiven Kühlung aus Feuerwehrschläuchen ist vor allem das Grundwasser ein großes Problem, da es in die Reaktoren einsickert und dabei selbst radioaktiv kontaminiert wird. Des weiteren trägt das (regenbedingte) Oberflächenwasser zur radioaktiven Fracht bei, weshalb die Anzahl der Lagercontainer ständig vergrößert werden muss.


Die Idee mit dem Eiswall

Eine Lösung musste her - und zwar rasch. Es war die Idee mit dem Eiswall, welche um das Jahr 2014 geboren wurde. Ein Wall aus gefrorenem Wasser und Erdreich, rings um die vier beschädigten Kernkraftwerke, sollte den Zulauf des Grundwassers und Oberflächenwassers stoppen, sodass diese Ströme nicht mehr in Berührung mit den geborstenen Brennelementen kommen konnten. Die japanische Firma Kajima Corp. wurde damit beauftragt, 1.550 mit einem Kühlmittel gefüllte Rohre 30 Meter in die Erde zu treiben und zwar auf der gesamten Umfangslänge von 1,5 Kilometern. Ähnliche Anlagen wurden bereits im Tunnelbau verwendet - allerdings nicht in dieser Größenordnung. Die untenstehende Skizze (von Tepco/Spiegel) vermittelt einen Eindruck von der Größe dieses Unternehmens, welches schließlich 400 Millionen Euro kostete und zwei Jahre Bauzeit zur Realisierung brauchte.



 Schematische Skizze des Eiswalls in Fukushima (Tepco/Spiegel)


Kein voller Erfolg

Inzwischen wird der Eiswall seit ca. zwei Jahren betrieben. Die Temperatur des Kühlmittels beträgt im allgemeinen (-) 30 Grad C, die Rohre haben einen Abstand von ca. einem Meter und das Volumen des gefrorenen Bodens wird auf 70.000 Kubikmeter abgeschätzt. Zweifelslos hat der Eiswall die Menge des entstehenden radioaktiven Wassers reduziert, an manchen Tagen von 400 cbm auf 50 cbm. Zur saisonalen Regenzeit während des Taifuns ist die angewandte Kryotechnik mit der schieren Menge des anflutenden Wassers jedoch überfordert. Stellenweise kommt es zu Temperaturanstiegen über die Nullgradgrenze hinaus. Dies bedeutet, dass der Wall löcherig wird und dort das Wasser hindurch lässt.

Die Betreiberfirma Tepco wird also weiterhin Gelände für zusätzliche Abwassercontainer zur Verfügung stellen müssen. Das Abwasserproblem ist nicht wirklich gelöst. 

Sonntag, 25. März 2018

Wann kommen die Autos mit Brennstoffzellen-Antrieb?

Seit vielen Jahrzehnten forschen große Autokonzerne an der Brennstoffzelle als alternativen Antrieb. Aber die Idee kommt nicht so recht voran. Im Gegenteil: alle Welt setzt derzeit auf das "rein elektrische" Auto mit dem Batterieantrieb. Wasserstoff als Eingangsgas für die Brennstoffzelle scheint "out" zu sein. Dabei lässt sich Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen relativ leicht herstellen und obendrein gut speichern. Und der Strom der Akku-Autos kommt immer noch zum großen Teil aus "schmutzigen" fossilen Quellen.

Doch halt! Im Umfeld der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang hat die südkoreanischen Autofirma "Hyundai" eine Miniserie von fünf Geländewagen, (sprich: SUV), aufgelegt, die allesamt durch eine Brennstoffzelle angetrieben werden. Die Autos mit der Bezeichnung "Nexo" waren während der Spiele mehrere Wochen störungsfrei in Betrieb. Wenn sie im Sommer an die normale Kundschaft ausgeliefert werden, können sie fahrerlos ein-und ausparken und auf der Autobahn selbstständig Abstand und Spur halten. Die Reichweite zwischen den Tankstopps beträgt derzeit 550 Kilometer; in 9,2 Sekunden beschleunigt der SUV von Null auf 100 km/h. Den Verkaufspreis wollen die Koreaner unter 60.000 Euro halten.


                                                               Hyundai Nexo

Die Brennstoffzelle und ihre Tanks

Die Brennstoffzelle eines Autos ist eine galvanische Zelle, zumeist eine Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle. Die Brennstoffzelle ist kein Energiespeicher, sondern ein Wandler. Erfunden wurde sie bereits 1838, also vor knapp zweihundert Jahren, von dem Deutschen Christian Friedrich Schönlein, wobei dieser zwei Platindrähte mit Wasserstoff bzw. Sauerstoff umspülte und dabei zwischen den Drähten eine elektrische Spannung registrierte.

In Fahrzeugen kommt heutzutage praktisch nur noch die sog. PEM (=Polymer-Elektrolyt-Membran) -Brennstoffzelle zum Einsatz. Eine Membran trennt die vom Wasserstoff (H2) umspülte Anode von der Kathode mit dem Sauerstoff (02).  An der Anode trennen sich die Wasserstoffmoleküle in Ionen und Elektronen. Die Ionen wandern durch die PEM zur Kathode und verbinden sich dort mit dem  Luftsauerstoff zu Wasser - der einzigen und ökologisch problemlosen Emission. Weil die Membran für die Elektronen undurchlässig ist, müssen sie auf ihrem Weg zur Kathode einen Umweg über eine Leitung gehen. Die "wandernden" Elektronen führen dann zu einem Stromfluss, der direkt von den Elektromotoren des Autos zum Antrieb genutzt wird.

Derzeit gibt es in Deutschland nur 43 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann. Bis Ende 2018 soll sich die Zahl verdoppeln. Beim Nexo strömen in fünf Minuten 6,3 Kilogramm Wasserstoff in drei große Karbontanks, die unter dem Kofferraumboden und dem Rücksitz montiert sind. Angesicht der bislang raren Tankstellen in Deutschland relativiert sich die oben genannte beträchtliche Reichweite des Nexo.


Erfahrungsgewinn beim Betrieb von Omnibussen

Um Erfahrungen beim Alltagsbetrieb von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen zu sammeln, nahm das "Karlsruher Institut für Technologie" (KIT) im Jahr 2013 zwei Omnibusse in Betrieb. Damit wurde ein fahrplanmäßiger Linienverkehr zwischen den beiden ca. 15 km entfernten  Standorten Nord und Süd des KIT aufgebaut, wodurch täglich ca. 800 Mitarbeiter und Studenten befördert werden. Am Campus Nord (früher Forschungszentrum Leopoldshafen) wurde eine Wasserstofftankstelle eröffnet, die in der Lage ist, 80 Kilogramm Wasserstoff pro Tag abzugeben, was in etwa drei Busladungen entspricht.


Die beiden Wasserstoff-KIT-Shuttle

Die Betankung der sog. "KIT-Shuttle" dauert im Schnitt 20 Minuten. An 200 Arbeitstagen werden ca. 160.000 Passagiere pro Jahr befördert. Die Fahrleistung der Busse im Jahr 2016 betrug 92.000 Kilometer. Die Erfahrungen mit der Tankstelle und dem Linienbetrieb sind sehr gut. Das Vorhaben wird vom baden-württembergischen Umweltministerium mit 3,2 Mio Euro pro Jahr gefördert. Künftig soll vermehrt Wasserstoff aus erneuerbaren Energien verwendet werden.


Historisches und Aktuelles

Die Forschung an Brennstoffzellen wurde im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) bereits zu Anfang der 1990er Jahre betrieben. Nicht ohne Erfolg, denn ein LKW mit diesem Antrieb drehte damals vielbeachtet seine Runden im Zentrum und (dank einer Straßenzulassung) auch außerhalb.  Sinnigerweise wurde der ganze Aufwand finanziert aus dem - thematisch weit entfernt liegenden - Schnellbrüterbudget des Blogautors. Als Experimentatoren und Promotoren sind die Herren Dorner, Schretzmann, Kessler und Hennies zu nennen. 

Enge Kontakte gab es damals zur Firma Mercedes-Benz, die 1994 mit NECAR 1 das erste Brennstoffzellenauto der Welt präsentierte. Der Prototyp ist heute noch im Mercedes-Museum in Stuttgart zu besichtigen. Bald waren alle großen Autohersteller (GM, Ford, Fiat, Nissan, VW, BMW) an diesem Thema dran - aber nach kurzer Zeit setzten sie doch lieber auf den billigeren Diesel. In diesem Jahr will Mercedes - vielleicht - endlich den oft angekündigten GLC F-Cell auf den Markt bringen. Vielleicht als Kleinstserie.

Mittlerweile haben in Asien bereits drei Marken Wasserstoffautos in ihrem Portfolio:
Honda mit dem Clarity, Toyoto mit dem Mirai und Hyundai mit dem Nexo.
Die deutschen Entwicklungschefs mögen den verlorenen 25 Jahren nachtrauern.
Die Asiaten haben ihre modernen Antriebe im Verkaufsprospekt -
das Mercedes-Brennstoffzellenauto steht im Museum.



Sonntag, 18. März 2018

"Wer Trump zum Freund hat...

...braucht keinen Feind mehr".
Das gilt sicherlich für unsere neu ernannte Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Donald beim ersten Medientreff (vor einem Jahr im Weißen Haus) den sonst üblichen Handschlag verweigerte. Außerdem warf ihr damals der Präsident vor, dass Angela ihre NATO-Rechnungen nicht ausreichend bezahle. Was in dieser öffentlich geführten Anschuldigung unterging war, dass man  - nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion - die russische Bedrohung durchaus geringer einschätzen konnte und, dass Deutschland die Aufbauinvestitionen in der früheren DDR (immerhin 2 Billionen Euro) allein stemmen musste.

Inzwischen hat Strongman Donald ein neues Fass aufgemacht. Er möchte Handelskriege führen, denn diese, so twittert er, "seien leicht zu gewinnen". Nämlich durch die Dekretierung von Zöllen, besser gesagt von: Strafzöllen. Zunächst sollen durch die Verteuerung der Stahl- und Aluminiumimporte die angeblich bedrohten Arbeitsplätze in Trumps Mainland geschützt werden. Das sind nach seiner Rechnung 140.000 Jobs im sog. Rustbelt. Dass damit gleichzeitig an 6,5 Millionen Arbeitsplätzen die Autos, Waschmaschinen und sonstige Dinge des täglichen Gebrauchs teurer produziert werden, geht in der aktuellen Diskussion unter. Die EU-Kommission in Brüssel will "Revanche" üben, indem sie erhöhte Zölle auf die Harley-Davidson-Motorräder aus Wisconsin und den bekannten Whiskey aus Kentucky legt. Na, ja.


Die deutschen Luxuskarossen

Besonderen Ärger verursachen bei Trump die in den USA überall umher fahrenden "deutschen Luxuskarossen" von Daimler-Benz, Audi, BMW und besonders Porsche. In der sogenannten Uruguay-Runde der Welthandelsorganisation WTO war 1994 einvernehmlich beschlossen worden, dass die USA 2,5 Prozent Zoll auf importierte Autos verlangen dürfen, die EU hingegen 10 Prozent auf solche, die von den USA kommen. Inzwischen sieht man sehr selten amerikanische Cadillacs auf deutschen Straßen und man könnte problemlos - ohne medialen Radau - die Zollsätze einfach angleichen.

Für den deutschen Exportüberschuss in die USA sind zu einem Viertel die dort beliebten deutschen Autos verantwortlich. Knapp 500.000 Fahrzeuge exportieren deutsche Hersteller pro Jahr nach Amerika - weit mehr, nämlich rund 800.000 Fahrzeuge stellen sie an US-Standorten für den dortigen Markt oder für Drittländer her. So hat BMW in Spartanburg ca. 10.000 Jobs geschaffen, eine weitere Großinvestition von mehr als 600 Millionen Dollar ist in der Planung. BMW-Chef Harald Krüger selbst war es, der den US-Präsidenten vor einigen Monaten darauf hingewiesen hat. Damals lobte Trump, Krüger mache "einen unglaublichen Job"! Aber was sind solche Aussagen wert, wenn er einige Monate später schon zur nächsten Attacke ansetzt?


China trumpft auf: die "Neue Seidenstraße"

Die Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa bzw. Deutschland kommt zur Unzeit. Unter dem Stichwort Neue Seidenstraße baut China in gigantischem Umfang seine Infrastruktur aus. Dieses Transport- und Logistiknetz soll sich in Kürze bis nach Europa erstrecken unter dem Slogan: ein Gürtel, eine Straße. Die chinesische Strategie strebt ein dichtes Geflecht eurasischer Verkehrs- und Handelsverbindungen bis nach Westeuropa an und bietet dafür ein Investitionsvolumen von 900 Milliarden US-Dollar auf. Zugleich drängt es die teilnehmenden Länder mit dem Mammutprojekt in die Schuldenfalle. China, dessen erste Handelsdelegation bereits 150 Jahre vor Christus nach Europa aufgebrochen war, wird über die neue Seidenstraße in wenigen Jahren die USA als größte Wirtschaftsmacht der Erde ablösen.



Das Logistiksystem "Neue Seidenstraße"

In Hamburg, auf einem Areal von 42 Hektar, wollen die Chinesen  einen vollautomatischen Computerterminal bauen, was in der Hansestadt für blanke Unruhe sorgt. Man blickt nach Griechenland, wo eine chinesische Gesellschaft den Hafen von Piräus bereits zum alleinigen Management übernommen hat. Und nach Ungarn, wo Victor Orban eine Zwei-Milliarden-Euro Eisenbahnstrecke "geschenkt" bekommen soll. Zwischenzeitlich hat sich ein chinesischer Staatskonzern sogar in das deutsche Stromnetz "50Hertz" eingekauft und Daimler-Benz wird durch das Angebot eines Großinvestors aus Peking bedrängt.

Mit seinem ambitionierten Projekt der Neuen Seidenstraße hat China längst einen Keil in die EU getrieben, insbesondere, weil Trumps erratisches Agieren hier eine politische Lücke lässt.  Wilde Blüten treibt derweil der Opportunismus unter den europäischen Managern. Wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche sich wegen eines harmlosen Dalai-Lama-Zitats vor Peking in den Staub wirft und Siemens-Chef Joe Kaeser im chinesischen Staatsfernsehen euphorisch der Seidenstraße huldigt, dann erinnert das an den Kotau von Staatsbeamten vor dem allmächtigen China-Kaiser. Und wenn Peking das europäische Land Norwegen total vom wirtschaftlichen Zugang ausschließt, weil es dem Systemkritiker Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis verliehen hat, dann entspricht das nicht unserem westlichen Wertekatalog.

All die genannten internationalen Probleme sollten BK Angela Merkel veranlassen, POTUS(=President of the United States) Trump baldmöglichst einen Besuch abzustatten - auch wenn dieser nicht vergnügungssteuerpflichtig sein sollte. Und nicht im 177-seitigen Koalitionsvertrag aufgelistet ist.

Sonntag, 11. März 2018

Käfer und Vögel als Verhinderer von Großprojekten.

Das Großprojekt "Stuttgart 21" (kurz: S 21) ist wohlbekannt. Sein Kernstück ist der Umbau des Kopfbahnhofs Stuttgart in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Die Zulaufstrecken sollen in Tunnel verlegt und die freiwerdenden Gleisflächen der Stadt als Grundstücke für die Bebauung zur Verfügung gestellt werden. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2010; die geplante Inbetriebnahme (mehrfach verschoben) soll um das Jahr 2025 erfolgen. Die Kosten sind inzwischen von vier auf acht Milliarden Euro angestiegen.

Zu dem finanziellen und terminlichen Mehraufwand hat unter anderem die Situation im nahen Schlossgarten beigetragen. Ca. 200 Bäume standen im Weg, um jeden Einzelnen wurde heftig gerungen. Schließlich einigte man sich darauf, ca. 120 Bäume zu fällen und weitere 68 mit einer Rundspatenmaschine zu versetzen - unter Negierung des Erfahrungsspruchs: "Einen alten Baum verpflanzt  man nicht". Hinzu kam die händische Umsiedlung von dort hausenden Eidechsen, wovon jede Kosten von 8.600 Euro verursachte.

Ein riesiges Öko-Problem tauchte jedoch auf, als die Gegner des Bauprojekts S 21 in der Nähe von zu fällenden Bäumen Indizien des seltenen "Juchtenkäfers" entdeckt haben. Wohlgemerkt: nicht den Käfer selbst, sondern Kotpillen, welche - nach Expertenmeinung - ihm zugeordnet werden konnten. Der Juchtenkäfer ist eine von 350.000 Käferarten, etwas größer als der Maikäfer und streng geschützt. Bei Besiedlung von Bäumen mit diesem Insekt sind umfangreiche Sonder-Genehmigungsverfahren vor dem Weiterbau erforderlich. Bei S 21 war dies ein Planänderungsverfahren und eine zusätzliche EU-Genehmigung. Dem Bauherrn hat dies 20 Millionen Euro gekostet und die terminliche Neugestaltung des kritischen Pfads erzwungen, was zwei Jahre dauerte.


Eine verräterische Bierflasche

Die hitzige Diskussion der Befürworter und Gegner des Projekts S 21 wegen vermeintlicher Präsenz von Juchtenkäfern zog sich volle vier Jahre hin. Vor einigen Wochen gab es einen medialen Knall, dem folgender Vorfall zugrunde lag: Bei Baumfällarbeiten im Stuttgarter Schlosspark entdeckten Arbeiter in einer hohlen Robinie (Laubbaum) eine Bierflasche. Sie war gefüllt mit Kadavern, Flügeln und Kotpillen von sogenannten Rosenkäfern. Der Kot von Rosenkäfern gilt unter Insektenforschern (Entymologen) als Hinweis darauf, dass umliegende Bäume auch von Juchtenkäfern bewohnt sein können. Nach Artenschutzregeln dürften sie nicht geschlagen werden.

Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), weiblich
(Länge ca. 2 bis 3 cm)

Die Projektleitung S 21 setzte ein Gutachterteam ein, welches bald zu folgendem Ergebnis kam: Ein Unbekannter könnte den Kot woanders aufgesammelt und an der S 21-Baustelle verstreut haben, um die Baumfällungen zu stoppen. Im Zuge dieser "Arbeiten", wobei auch immer wieder (publizitätsträchtig) die angeblich zu schützenden Bäume beklettert wurden, könnte dieser Person die Flasche versehentlich  in den tiefen Hohlraum des Baumes gerutscht sein, aus der er sie nicht mehr bergen konnte. Nach Ansicht des obersten Käferexperten der Uni Göttingen im Untersuchungsteam ist die Menge des gesammelten Kots so groß, dass sie nicht von einer Käferpopulation am Standort erzeugt werden konnte. Außerdem waren in der Nähe auch keine Bäume mit den typischen Juchtenkäfer-Höhlen zu finden.

Aufgrund dieser Fakten geht die Bundesbahn davon aus, dass es nie Juchtenkäfer am Standort gab, sondern dass die Käferteile - aus Gründen der Täuschung - von anderswo dorthin verbracht wurden. Der Konzern hat deshalb "Strafanzeige gegen Unbekannt" gestellt. Die Projektverhinderer - wie könnte es anders sein - weisen den Verdacht der Manipulation weit von sich. Vermutlich wird die Anzeige nicht zur Identifikation des Täters führen. In diesem Fall würden die genannten Mehrkosten für S 21 wohl beim Steuerzahler verbleiben.


Naturschutz contra Windkraft

Auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien passiert es nicht selten, dass die Zielvorstellungen Wirtschaftlichkeit und Naturschutz einander diametral gegenüber stehen. Insbesondere bei der Windkraft erbringen gute Standorte nicht selten 50.000 Euro Pachteinnahmen pro Jahr und Windrad, während der gleiche, hektargroße Acker bei landwirtschaftlicher Verpachtung kaum mehr als 700 Euro löhnt. Vor allem um windhöffige Lagen wird heftig gerungen, denn die Leistung eines Windrads steigt oder fällt - aus physikalischen Gründen - mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Bei doppelter Windanströmung steigt die Leistung also auf das Achtfache, umgekehrt fällt sie bei halber Windgeschwindigkeit auf ein Achtel, also 12,5 Prozent. Da inzwischen in Deutschland bereits 40.000 Windräder installiert sind, gibt es nur noch wenige ergiebige "Filetstücke".

Haben sich die privaten oder kommunalen Investoren mit dem Projektentwickler endlich geeinigt, dann wird der Bau des Windparks meist energisch voran getrieben, denn auch hier gilt: Zeit ist Geld. Doch vor Baubeginn müssen noch die Genehmigungen erlangt werden und mit ihnen all die erforderlichen Gutachten. Insbesondere das Umweltgutachten ist da nicht selten der Stolperstein, denn die Tierwelt in der Umgebung der Windräder muss optimal geschützt werden. Stellt man in dieser kritischen Projektphase fest, dass Mäusebussarde, Schreiadler oder Rotmilane in den benachbarten Baumkronen hausen, dann ist das für die Geldgeber der "maximale Unfall GAU", denn das Habitat dieser Vögel darf per Gesetz nicht gestört werden.




Rotmilan (Milvus milvus)
(Flügelspannweite ca. 1,80 bis 2 m)

Früher hatten die Tiere keinen Einfluss auf die Planung und den Bau von Windparks. Heute können die Vögel - via Artenschutzregelung - den Bau dieser Stromanlagen verhindern. Also müssen sie, aus der Sicht mancher Leute, verschwinden. Dann tauchen sie in den Gutachten nicht mehr auf und der Genehmigung steht nichts im Wege. Die relativ "humanste" Methode ist das "Vergrämen" der Vögel. Durch Lärm versucht man die Rotmilane und Habichte zu verscheuchen, was insbesondere bei Beginn des Brutgeschäfts noch erfolgreich sein kann. Zeigt diese Störung keine Wirkung, dann werden die Großvögel vergiftet oder gar erschossen. Zuweilen wird auch ein Baum mit Steigeisen bestiegen und der Horst auf die Erde gekippt. Eine Radikalmethode ist das Fällen der Bäume mit Brutpaaren. Obwohl dies häufig mit schweren Maschinen (Harvester) geschieht, welche eigentlich auswertbare Reifenspuren hinterlassen, wird kaum jemals ein Täter gefasst. Das Schweigen der Dorfgemeinschaft, insbesondere in manchen Gemeinden von Mecklenburg-Vorpommern, erinnert an mafiöse Strukturen.


Der Artenschutz ist ein scharfes Schwert

Schon seit langem wissen die Bauherren und ihre Gegner, welch scharfes Schwert der Artenschutz ist. Ganz gleich, ob das Große Mausohr (eine Fledermausart), der Blauschwarze Moorbläuling (ein Schmetterling oder die halberwachsene Raupe eines Nachtkerzenschwärmers (ein Falter) entdeckt wird - die Konsequenzen sind still stehende Bagger. In Hamburg hat der Schierlings-Wasserfenchel (eine krautartige Sumpfpflanze) die Elbvertiefung verhindert und in Stuttgart-Fellbach ging ein Investor pleite, weil plötzlich Wanderfalken seinen Hochhausturm bezogen.

Zu empfehlen wäre eine größere Portion an Gelassenheit auf beiden Seiten. Die vor 35 Jahren aufgenommene Klage der Musikband Gänsehaut ("Karl, der Käfer, wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt") ist längst in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Freitag, 23. Februar 2018

Das Apple iPhone X - ein großer Wurf

Eine Frage vorab:
"Was ist derzeit das weltweit meistbegehrte
und deshalb meistverkaufte Industrieprodukt?"

Nein!
es ist nicht ein bestimmter Autotyp von BMW,
nicht das IKEA-Regal "Billy",
auch nicht das neueste Song-Album von Helene Fischer.

Durch die Überschrift habe ich mich allerdings schon verraten, denn:

The Winner is:
iPhone X


Dieses Smartphone von Apple (das iPhone "Ten" - so die offizielle Bezeichnung) hat im vergangenen Vierteljahr alle Verkaufsrekorde geschlagen.Trotz seines happigen Preises ist es das Lieblingsspielzeug, vor allem der Jugendlichen - zum Preis von 1.100 bis 1.300 Euro! Deshalb erachte ich es für angemessen, diesem global präsentem Produkt einen Blog zu widmen, ohne dabei gleich in eine Werbebotschaft abzugleiten.


links: iPhone X,  mitte: iPhone 8 Plus, rechts: iPhone 8


Zur Ästhetik des Designs

Der Rahmen des iPhone X hält die vorder- und rückseitigen Glasplatten zusammen und besteht aus Edelstahl von "chirurgischer Qualität". Dadurch lässt sich das X auch drahtlos aufladen, was bei eloxiertem Aluminium nicht möglich wäre. Darüber hinaus sichert der Stahl eine hohe Stabilität. Das X ist deutlich kleiner als das Vorgängermodell 8 Plus, liegt ausgesprochen gut in der Hand und lässt sich auch einhändig gut bedienen. Wer kleine Hände oder enge Hosentaschen hat, dürfte Gefallen an dem kompakten Gehäuse finden. Verglichen mit dem X erscheint das 8 Plus wie ein Brett.

Das Display ist randlos und bietet mit 2436 * 1125 Pixeln auf 5,8 Zoll einen weitaus größeren Bildbereich als die Modelle 8 (4,7 Zoll) und 8 Plus (5,5 Zoll). OLED-Technologie und die Bildauflösung sind aufs Höchste ausgereizt. Die Farbe schwarz wird auch wirklich als schwarz angezeigt; das heißt, die entsprechenden Pixel bleiben komplett finster - statt nur abgedunkelt zu werden. Dadurch erzielt man hohe Kontrastwerte und spart außerdem an Akkulaufzeit. Design, Haptik und Verarbeitung sind beim X in jeder Hinsicht gelungen.

Die Sensorausbuchtung im oberen Displaybereich (englisch: "notch") mag manchen stören, ist aber clever in die Benutzeroberfläche integriert. In den meisten Fällen wird oben die Statuszeile eingeblendet. Wen das irritiert, der kann das Format per Fingerwisch so verkleinern, dass die Ausbuchtung praktisch verschwindet. Offensichtlich hat das Gros der iPhone-X-Nutzer aber kein Problem damit.

Die Kameraeinheit steht auf der Rückseite - wie übrigens bei allen Mobilgeräten - etwas heraus. Es ist eben nicht möglich, die zwei Kameras flach in das Gehäuse zu integrieren. Das optische System benötigt nun mal eine gewisse Tiefe, wenn es ansprechende Fotos und Videos aufzeichnen soll. Beim iPhone X ist die Doppeloptik nicht quer, sondern senkrecht positioniert - steht also genau so weit heraus wie beim 8 Plus. Die beiden Kameras decken den Brennweitenbereich von 26 bis 58 Millimeter ab und liefern Portraitfotos in Studioqualität.


Zur Ästhetik der Handhabung

Die Home-Taste ist beim iPhone X als zentrales Steuerelement eliminiert. Der normalerweise auf der rechten Seite positionierte Drücker ist beim X deutlich breiter und damit besser erreichbar. Ein längerer Druck darauf startet den Apple-Assistenten Siri. Ausschalten kann man das IPhone X nur noch über eine Tastenkombination, indem man die Siri-Taste und die Leiser-Taste gleichzeitig drückt. Ein sinnvolle Neuerung, weil kaum jemand sein Smartphone regelmäßig ausschaltet. Also, wozu eine Taste mit einer Aktion blockieren, die nur selten zur Anwendung kommt.

Neue Wisch-Gesten ersetzen den Home-Button. Anstatt auf die Home-Taste zu drücken, um zur Startseite zurück zu kehren, wischt man jetzt von unten ins Display. Und um den App-Wechsler zu öffnen, verharrt der Daumen nach dieser Geste kurz auf dem Display und lässt erst dann los. Das Kontrollzentrum, welches bisher immer durch den Wisch von unten nach oben erreichbar war, hat dafür eine neue Heimat gefunden: Man muss von oben rechts ins Display wischen.

Die Gesichtserkennung Face ID ist der große Unterschied mit dem sich Apple von der Konkurrenz abhebt. Motto: "Dein Gesicht ist das Passwort". Die Einrichtung ist einfach: bei der Inbetriebnahme des IPhone X muss man nur sein Gesicht in den Erfassungsbereich der Frontkamera halten und zwei Mal im Uhrzeigersinn kreisen lassen - fertig! Danach reicht es, das X in die Hand zu nehmen und auf das Display zu schauen. Wird das Gesicht erkannt, so öffnet sich das Schloss-Symbol im oberen Drittel des Sperrbildschirms und man kann mit dem Daumen von unten nach oben wischen, um zum Homescreen zu gelangen. Im Erfassungsbereich werden mehr als 30.000 Punkte gescannt und daraus ein dreidimensionales Abbild des Gesichts erstellt. Das System soll sehr sicher sein, denn es wurde von Apple mit professionellen Maskenbildnern getestet.


Die erstaunliche Firma "Apple"

Die Firma Apple, welche derzeit das iPhone X verkauft, ist ein verhältnismäßiges junges Unternehmen. Es wurde am 1. April 1976, also vor erst 42 Jahren, als kalifornische "Garagenfirma" gegründet. Das Gründer-Trio bestand aus dem Visionär Steve Jobs, dem Kreativ-Bastler Steve Wozniak und Ronald Wayne,welcher zwischen den beiden immer wieder vermitteln musste. Die Firmenanteile waren im Verhältnis 45:45:10 Prozent aufgeteilt. Wayne verkaufte schon bald seinen 10 %-Anteil für 2.300 Dollar, was er wohl bis heute bereut haben wird. Die in den Regenbogenfarben gestreifte angebissene Apfelsilhouette kam 1977 hinzu - angeblich als Jobs mal wieder eine seiner Obstdiäten praktizierte. Außerdem hatte dieser Firmenname den Vorteil, dass Apple im Telefonbuch nun vor seinem damaligen Konkurrenten "Atari" gelistet war.

Die nächsten dreißig Jahre beschäftigte sich Apple vorwiegend mit der Entwicklung von (Personal-) Computern, Betriebssystemen und Anwendersoftware - häufig in Konkurrenz zum Unternehmen Microsoft. Im Jahr 2007 stellte Steve Jobs in San Franzisco das erste iPhone vor; mit dem Tablet-Computer iPad erweiterte Apple drei Jahre später seine IOS-Produktlinie. Seitdem dominieren die Apple-Geräte den rapide wachsenden Markt für Smartphones und Tablets. Im Jahr 2011 trat Jobs aus gesundheitlichen Gründen zurück  und Tim Cook wurde sein Nachfolger als CEO. 2016 waren eine Milliarde iPhones verkauft.

Inzwischen ist Apple - mit Abstand - zum größten Industrieunternehmen der Welt aufgestiegen. Sein Börsenwert (Anzahl der Aktien mal Kurswert) liegt bei 800 Milliarden Dollar; damit übertrifft er jenen von Daimler-Benz um mehr als das Zehnfache!  Die Sparte iPhone trägt zum Umsatz ca. 60 bis 70 Prozent bei. Sollte er einmal signifikant sinken - etwa weil ein zukünftiges iPhone nicht den Geschmack der Kunden trifft - dann würde dies den Jahresgewinn (derzeit bei knapp 100 Milliarden Dollar) wohl drücken, aber die Aktionäre von Apple noch nicht arm machen.

Samstag, 17. Februar 2018

Warum ist das Eis so rutschig?

Bei der gegenwärtigen Winterolympiade mag sich mancher die Frage stellen, warum Schlittschuhe und Schier so gut gleiten. Und die Antwort scheint naheliegend: So wie Öl die Reibung des Autogetriebes verringert, so fördert eine dünne Wasserschicht auf der Eisoberfläche das Gleiten der Schier und der Schlittschuhe. Diese Antwort ist im Prinzip richtig, führt aber schon zur nächsten Frage:

Woher kommt diese Wasserschicht, welche das Gleiten ermöglicht?


Druckschmelzen

Eine Antwort auf diese Frage wird heute noch in manchen gymnasialen Physiklehrbüchern angeboten - ist aber falsch. Dort behauptet man zuweilen: Weil sich das Gewicht des Eisläufers nur durch die sehr schmalen Kufen auf das Eis überträgt, ist der Druck auf das Eis so hoch, dass es lokal aufschmilzt. Damit entsteht ein dünner Wasserfilm, auf dem die Kufen (bzw. Schier oder Schlitten) dann leicht zu gleiten vermögen. Diese Druckaufschmelzung ist auch bei Gletschern bekannt, welche durch ihr eigenes Gewicht eine Schmiere geschmolzenen Wassers auf dem darunter liegenden Felsgestein erzeugen, auf der sie dann ins Tal gleiten.

Was bei Gletschern funktioniert, muss aber auf das Eislaufen noch lange nicht zutreffen. An der Universität lernt man bei den Anfängervorlesungen in Physik, dass man bei diesem Problem die Gleichung von Clausius-Chapeyron anwenden sollte. Sie stellt den Zusammenhang zwischen dem Druck auf das Eis und der Verminderung des Schmelzpunktes her. Demnach erzeugt ein Eisläufer mit 75 Kilogramm Gewicht und dessen Schlittschuh-Kufen eine Auflagefläche von 6 Quadratzentimeter haben, auf dem Eis einen Druck von 12 bar. Dieser würde, gemäß Clausius-Chapeyron, den Schmelzpunkt des berührten Eises aber nur um knapp ein Zehntel Grad verringern. Das ist zur Herstellung einer Wasserschicht jedoch viel zu wenig, denn schon bei Eistemperaturen von wenigen Grad unter Null wäre Eislaufen dann nicht mehr möglich. (Selbst ein Pferd auf Kufen käme nicht ins Gleiten). Im Übrigen stünde man bei der Druckschmelzung schon bei Stillstehen nach kurzer Zeit in einer Wasserpfütze, was erfahrungsgemäß nicht der Fall ist.


Schmelzen durch Reibung

Heute weiß man, dass die Reibungswärme den wesentlichen Beitrag zur Bildung der Wasserschicht liefert. Die Schlittschuh- bzw. Rodelkufen erzeugen auf dem Eis Reibungswärme, bringen die Oberfläche des Eises zum Schmelzen und generieren dadurch einen dünnen Wasserfilm. In Experimenten konnte tatsächlich nachgewiesen werden, dass die Reibung an der Schnittstelle Kufe/Eis das überfahrene Eis zum Schmelzen bringt. Ein typischer Eisläufer verflüssigt mit der Reibungswärme bis zu 12 Kubikmillimeter Eis entlang seiner Kufe und erzeugt dadurch einen Wasserfilm von 0,04 Millimeter Dicke. Vermutlich ist dieser Film nach kurzer Zeit sogar noch dünner, weil das Schmelzwasser, wegen des Gewichts des Schlittschuhläufers, seitlich herausgedrückt wird und damit nicht zum Gleitprozess beiträgt.


Kunst auf Kufen

Oberflächenschmelzen

Druck und Reibung können jedoch nicht die einzige Erklärung für das rutschige Eis sein. Es muss noch einen dritten Beitrag geben. Das merkt man, wenn man sich beim ersten Betreten der Eisfläche auf den Hosenboden setzt:  die schmierende Schicht auf dem Eis scheint unabhängig von Gewicht, Temperatur und Bewegung zu sein. Denn das Eis ist - auch ohne äußere Einwirkungen, wie Kufen und Schier - von einem dünnen, flüssigen Film überzogen. Den darf man sich nicht wie eine Pfütze vorstellen, sondern es handelt sich um eine Wasserschicht, die nur wenige Moleküllagen dick ist.

Zur Erklärung sei folgendes gesagt: während die Wassermoleküle im Eisinneren regelmäßig angeordnet und gegeneinander fixiert sind, verlieren sie an der Oberfläche (also an der "Luft") ihren Zusammenhalt. Sie befinden sich zwar auf dem darunter liegenden Eiskristallgitter - sind aber beweglich. Dieser Wasserfilm ist also eine Phase mit ungeordneten, leicht verschiebbaren Molekülen. Er verleiht dem Eis seine Rutschigkeit. Mit komplizierten Apparaturen (Röntgendiffraktometer, Synchrotronstrahlenquellen etc.) haben die Physiker erst in den letzten Jahren diese Schicht erforscht. Sie ist nur wenige Nanometer (nm) dick, wobei 1 nm einem millionstel Millimeter entspricht. Ab minus 38 Grad verliert diese Oberflächenschicht allerdings ihre Beweglichkeit und hemmt damit das Schlittschuhlaufen.

Glücklicherweise ist es in Pyeonchang nur minus 20 Grad kalt.
Deshalb gilt die Prognose: Schi und Rodel gut!

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