Donnerstag, 11. Juli 2019

Zetsches Erbe

Seinen Abgang von Daimler hat sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche sicherlich anders vorgestellt. Dem Nachfolger, den Schweden  Ola Källenius muss er ein schweres Erbe hinterlassen. Dieser ist seit 22. Mai 2019 neuer Vorstandschef und muss nun ein schlimmes Problem verwalten: Daimler steht (wieder einmal) knietief im Dieselskandal. Das Unternehmen soll die Abgasreinigung von Dieselautos widerrechtlich manipuliert haben, damit die Behörden getäuscht und die Autokäufer betrogen haben.


Der berühmte Stern

Immer wieder Rückrufe


Die aktuellen Rückrufe, welches das Kraftfahrtbundesamt (KBA) vor ca. einem Monat angeordnet hat, beziehen sich auf 60.000 Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK 220. Manche Autoanalysten schwadronieren bereits von noch viel größeren Stückzahlen für andere Typen. Denn schon im Sommer 2018 wurde von den Behörden ein Rückruf in Europa von 690.000 Dieselautos des Unternehmens angeordnet. Betroffen waren Varianten der C-, E-, und S-Klasse, sowie verschiedene SUVs. Daimler wies bislang jedoch alle Vorwürfe zurück.


Schummeleien bei der Software?

Das KBA will herausgefunden haben, dass in den Autos eine illegale Abschalteinrichtung zur Abgas- Manipulation verbaut wurde. Diese Software soll den Ausstoß von Stickoxiden auf dem Prüfstand künstlich niedrig gehalten haben. Im täglichen Verkehr hätten die Autos jedoch erheblich mehr Stickoxide ausgestoßen. Eine spezielle Software hielt die Temperatur des Kühlmittelkreislaufes entsprechend niedriger. Allerdings stellte das KBA fest, dass die vorher entdeckte Funktion bei späteren Softwareupdates entfernt worden war. Auf die Frage, welche Verantwortung der heutige Daimler-Vorstandschef für diese Situation habe, sagte ein Werkssprecher: "Herr Källenius gibt persönlich keine Software frei". Trotzdem stellt sich die Frage, wer die ganzen Schummeleien veranlasst hat, als Källenius vorher jahrelang Entwicklungschef bei Daimler war?


Effizienzprogramme sind notwendig

Die Anwürfe auf der technischen Seite haben auch finanzielle Auswirkungen. Daimler musste in diesem Jahr bereits die dritte Gewinnwarnung herausgeben, was die Aktionäre an der Börse sicherlich nicht freut. Auch das von Zetsche noch initiierte Effizienzprogramm "Move" muss nun beschleunigt umgesetzt werden. Für die 60.000 Beschäftigten in der Verwaltung und der Entwicklung gibt es bis 2021 noch keine Kündigungen; danach ist alles offen.

Es ist fast tragisch, dass der charismatische Daimler-Chef Zetsche nach 13 Jahren so einen schwachen Abgang hat. Aber vielleicht werden ihn die 42 Millionen Euro Pensionszusage (deutscher Rekord!) versöhnlich stimmen.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Deutschlands Konzerne werden "grün" - und fordern Staatsknete

Der Zeitgeist in Deutschland ist "grün" geworden - kein Zweifel, wenn man die Ergebnisse der letzten Wahlen zugrunde legt. Dass dieser "Wind of Change" auch die Wirtschaftsunternehmen, ja sogar die DAX-Konzerne , erfasst hat, ist noch nicht allseits bekannt, soll aber in diesem Blog beispielhaft dargestellt werden. Viele Firmen orientieren ihre Produktlinien und Investitionen neu, ein Vorgang, welcher einem Paradigmenwechsel gleichkommt.

Und mit beträchtlichen Risiken verbunden ist, denn der neue Markt ist noch keineswegs überschaubar. Deshalb richten sich die Augen nicht weniger Unternehmenschefs nach Berlin: die dortige Regierung hat die "Wende" initiiert und soll deshalb mit Gesetzesänderungen und Subventionen an die Wirtschaft zur Beherrschung ihrer Risiken beitragen. An den Unternehmen VW, RWE und BASF soll diese Metamorphose exemplarisch beschrieben werden.


VW setzt auf das Elektromobil

Ausgerechnet VW, wird mancher gequält aufstöhnen. Jene Firma, die hauptverantwortlich für den größten Betrugsskandal in der deutschen Industriegeschichte ist. Die (bislang) fast 30 Milliarden Euro für Sanktionen an die amerikanischen Finanzbehörden zahlen musste und von der sich Millionen deutscher Dieselbesitzer immer noch betrogen fühlen. Dieses Unternehmen, welches seinem allmächtigen, aber total unwissenden Chef Martin Winterkorn mit 30 Millionen Euro Abfindung in die Rente schickte und der sich jetzt hoffentlich vor Gericht verantworten muss.

Der neue VW-Chef, Herbert Diess, bisher vor allem bekannt als leidenschaftlicher Ferrarifahrer, will seinen Kunden zukünftig keine  Autos mehr mit Verbrennermotoren verkaufen, sondern nur noch Elektromobile. Zwischendurch hält er Lobreden auf die schwedische Autistin Greta Thunberg und preist die deutschen Schüler für ihre freitäglichen Wut-Demos. Allerdings, wer heute als ehemaliger Polo- oder Golfbesitzer eines der von Diess propagierten E-Mobile kauft, muss sich an kurze Reichweiten, lange Ladezeiten und karge Ausstattung gewöhnen - darüber hinaus aber auch an hohe Kaufpreise. Die E-Renner sollen, dem Vernehmen nach, nicht unter 18.000 Euro zu haben sein; demgegenüber beginnt die VW-Preisliste für gängige Verbrenner bei rd. 12.000 Euro. Wie soll der "kleine Mann", der traditionell für den Großteil des VW-Umsatzes sorgt, dies finanziell packen?

Nun, Sportfahrer Diess hat auch dafür eine Lösung. Die Bundesregierung in Berlin muss ran, schließlich hat sie - mit ihren überzogenen Abgasgrenzwerten - für diese Malaise gesorgt. Diess´ Ausweg: wenn künftige VW-Kunden schon mehr beim Erwerb ihres Fahrzeugs zahlen müssen, dann sollen sie wenigstens über geringere Betriebskosten entschädigt werden. Also: der Benzinpreis, pardon der Strompreis, muss runter. Dafür soll die Bundesregierung die Atomkraftwerke länger laufen lassen, welche demnächst (spätestens 2022) vom Netz gehen müssen. Aufgrund eines Gesetzes, das vor acht Jahren fast einstimmig im Bundestag beschlossen wurde. Das wäre für Diess ein probates Mittel, denn bekanntlich sorgen Kernkraftwerke für preiswerten Grundlaststrom ohne Emissionen von CO2. Dass der Weiterbetrieb dieser Kraftwerke zu einen Aufschrei in beträchtlichen Teilen der Bevölkerung führen würde, stört Diess nicht. Für dieses Problem sind, aus seiner Sicht, die Politiker verantwortlich.


RWE mit Lust auf erneuerbare Energien

Bei der Hauptversammlung im Mai 2019 hat der RWE-Chef mit dem passenden rheinischen Namen (Rolf Martin)  Schmitz den Takt für sein Unternehmen vorgegeben: der einstige Stromriese RWE will nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren. Stattdessen habe er "Lust auf erneuerbare Energien", verkündete Schmitz in überregionalen Zeitungen. In den letzten sechs Jahren habe das Unternehmen den CO2-Ausstoß um 60 Millionen Tonnen reduziert, entsprechend einem Anteil von 34 Prozent. Noch in diesem Jahr sollen die Transaktionen mit E.ON abgeschlossen werden, mit dem Ergebnis, dass RWE (weltweit) der zweitgrößte Produzent von Offshore-Wind sein wird. In jedem folgenden Jahr sollen 1,5 Milliarden Euro netto zusätzlich in erneuerbare Projekte investiert werden. Bis 2022 sollen alle fünf großen Kernkraftwerke abgeschaltet sein; an deren Stelle wird jedes Jahr 2 bis 3 Gigawatt an "Grünstrom"-Kapazität hinzu kommen. Allerdings: gegenwärtig gewinnt RWE noch mehr als die Hälfte seines Stroms aus Steinkohle und Braunkohle. Der Weg in eine "kohlefreie Ära" ist noch lang.

Auf diesem steinigen Geläuf erwartet der RWE-Chef Schmitz die Unterstützung der Bundes- und Landesregierung. So veranschlagt er die Entschädigung für den Braunkohleausstieg auf 1,5 Milliarden Euro  je Gigawatt Kraftwerksleistung. Ob die Politiker darauf eingehen werden ist noch offen, denn die gesamte Summe liegt um 100 Prozent über den Zahlungen aus dem Topf der Sicherheitsreserve. Weiterhin schlug Schmitz - "Dinosaurier des Jahres"- den Stopp der Umsiedlungen im Braunkohlegebiet Garzweiler kategorisch aus. Die dortige Kohle würde schon in den frühen 2020er Jahren als Brennstoff für die verbleibenden Kraftwerke gebraucht. Für zwei Drittel der Häuser und Anwesen hat sich RWE außerdem bereits mit den Eigentümern zum Umzug verständigt. Für die zu erwartenden Widerstände sei allerdings die Unterstützung der Regierungen unbedingt erforderlich.


BASF:  eine Chemiefabrik wird grün

Erst ein Jahr im Amt, ist der neue Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller dabei, die BASF ökologisch umzukrempeln. So kündigte er an, die Energiezufuhr für Kernbestandteile der Produktion von Gas auf Ökostrom umzustellen. Dadurch will sich die BASF von der Emission von Treibhausgasen abkoppeln - als erstes Unternehmen der Chemiebranche. Das Herzstück der neuen grünen Produktion sollen strombetriebene "Cracker" werden. Das sind große chemische Anlagen, in denen Rohbenzin bei 850 Grad Celsius in wichtige Grundchemikalien, wie Ethylen und Propylen aufgespalten werden. Dabei sind noch einige Fragen zu klären, unter anderem wie die grüne Energie (z. B. aus Wind) gespeichert wird, damit die Produktion unterbrechungsfrei laufen kann. Der Schwenk hin zur E-Chemie ähnelt dem der E-Mobilität. Das macht sich aber noch bei den Börsendaten bemerkbar. Momentan geht der Aktienkurs der BASF nach unten, Das Wachstum lahmt und die Rendite stagniert.

Im vergangenen Jahr ist Brudermüller - zum Erstaunen seiner Chemikerkollegen - dem Wirtschaftsbeirat der Partei der Grünen beigetreten. Er sei an offenen Diskussionen interessiert, sagt er. Seine dort geäußerte Idee, wegen des Niedrigwassers im Rhein, neue Staustufen zu bauen, sei bei den grünen Beiratsmitgliedern allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen.




Niedrigwasser im Rhein 2018

Zur strategischen Neuausrichtung des Konzerns erwartet der CEO Brudermüller Hilfe von außen; deshalb richten sich seine Blicke nach Berlin. Ohne ausreichende und verlässlich verfügbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen bleiben die neuen Technologien nutzlos. Die Politiker, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier, sollen dafür sorgen, dass der Strom aus Wind und Sonne besser verfügbar wird. Das ist einfacher gesagt als getan in einem Umfeld, wo schon eine Klage den Bau einer Stromtrasse blockieren kann. Außerdem schlägt Brudermüller vor, nicht die Energie (wie jetzt) zu bepreisen, sondern nur das emittierte CO2. Sein Motto: Jeder soll so viel Energie verbrauchen dürfen, wie er möchte; wenn er allerdings die "falsche" verwendet, dann soll er zahlen. Die Bundesregierung soll also die Reduktion von Treibhausgasen steuerlich begünstigen durch die Einführung eines globalen CO2-Preises.

Abschließend sei daran erinnert, dass die die Manager der BASF schon in der Frühzeit eine Schwäche für erneuerbare Energien hatten - zu Lasten der Kernenergie. Zum Beispiel Jürgen Hambrecht, der Vor-Vorgänger (2003 - 2011) von Martin Brudermüller als CEO des Ludwigshafener Konzerns. Hambrecht war im Frühjahr 2011 Mitglied der berühmt-berüchtigten Ethikkommission, welche über den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke (nach den Unfällen von Fukushima) zu befinden hatte. Gemeinsam mit einer Gruppe von Bischöfen und Kardinälen, für welche die Kernenergie ohnehin "des Teufels" war (lt. Münchener Kardinal Reinhard Marx).

Zum Erstaunen bis Entsetzen der Kernenergie-Community stimmte Hambrecht für den Ausstieg.




Montag, 17. Juni 2019

Die Zeitung BNN korrigiert einen Fehler

"Lage, Lage, Lage" ist ein immerwährender Slogan im Immobilienbereich. Der Ort bestimmt weitgehend den Wert des Grundstücks, sowohl für Privatpersonen als auch für die  Gewerbetreibenden. Insoweit hat die Karlsruher Zeitung "Badische Neueste Nachrichten" (BNN) einen historischen Fehler korrigiert, der ihr vor 33 Jahren unterlaufen ist. Damals zog die gesamte Redaktion von der umtriebigen Karlsruher Innenstadt an die beschauliche Randsiedlung Neureut. Nun kommt - zumindest die Lokalredaktion - zurück an ihre Wurzeln; in Sichtweite des Rathauses,  der Büros der meisten Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie der Hohen Gerichte. Hier, nur wenige Schrittsekunden entfernt von der Pyramide, regieren nicht die Gesetze der grünen Wiese von Neureut mit abgeschotteten Büros, sondern man ist mittendrin bei den Zeitungslesern und den Informationsgebern. Kein Wunder, dass dieser Ortswechsel einhellig begrüßt wird, vom Oberbürgermeister Frank Mentrup bis zum Eventmanager Martin Wacker.


Die wechselvolle Geschichte der BNN

Die Geschichte der BNN ist typisch für viele Zeitungsgründungen nach dem 2. Weltkrieg, weist aber einige Besonderheiten auf, die durchaus berichtenswert sind. Im März 1946 erhielt das CDU-Mitglied Wilhelm Baur von der amerikanischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Herausgabe der BNN. Damals wurde auch das Verlagsgebäude in die Lammstraße verlegt. Nach dem Tod seines Onkels Wilhelm (1973) wurde Hans Wilhelm Baur (1926 - 2015) Verleger des Blattes. In diese Zeit fiel auch die Entscheidung zum Umzug nach Neureut. Ursächlich war der Platzbedarf für die riesige, kurz vorher beschaffte Rotationspresse. Der Umzug der gesamten Redaktion wurde zusätzlich getroffen.

Seit Mai 2005 ist der bisherige Chefredakteur Klaus Michael Willimek auch Herausgeber und Geschäftsführer der BNN. Willimek wurde kurz vorher von seinem Onkel, dem Verleger Hans Wilhelm Baur adoptiert. Gegenwärtig figuriert Klaus Michael Baur im Impressum der BNN als Verleger, Herausgeber und Chefredakteur. Mehr geht kaum!

Die BNN gehört einer Stiftung, die nach dem Zeitungsgründer Wilhelm Baur benannt ist. Sie soll die Unabhängigkeit des Blattes garantieren. Die Ausschüttungsbeträge dieser Stiftung fließen unter anderem einem Mehrgenerationenhaus zu, das den Namen der 2004 verstorbenen Verlegersgattin Brunhild Baur trägt. Das Haus ist Teil des Verlagsgebäude in Neureut und wird gut geführt.




Zeitung machen und verkaufen: ein mühsames Geschäft

Die BNN ist die einzige Tageszeitung im Stadt- und Landkreis Karlsruhe, weswegen sie manchmal, leicht ironisch, als Monopolzeitung bezeichnet wird. Die verkaufte Auflage beträgt rd. 100.000 Exemplare, die Redaktion besteht aus ca. 90 Mitarbeitern. Während der vergangenen 20 Jahren ist die Auflage um ca. 30 Prozent abgesunken. (Immer wenn ein älterer Leser stirbt, reduziert sich die Zahl der Abonnenten sozusagen um die gleiche Einheit.). Die Jugend bezieht ihre Informationen fast ausschließlich über Smartphone aus dem Internet. Am Impressum der BNN erkennt man, dass auch die Anzahl der Redakteure schwindet; Ruheständler werden kaum adäquat ersetzt. In den letzten Jahren ist das Blatt, dem Zeitgeist entsprechend, erkennbar nach links gerückt. Möglicherweise hat man dadurch einige (grün-rote) Leser hinzugewonnen, vermutlich aber auch fast eben so viele konservative verloren.

Die BNN betreibt neun Lokalausgaben. Der Mantel (und damit der überregionale politische Teil) ist identisch. Die Lokalausgaben erscheinen unter anderem in Baden-Baden, Pforzheim, Bühl und Bruchsal. Die Jagd nach exklusiven Geschichten, den sogenannten "Scoops", hat die BNN weitgehend aufgegeben. Früher berichtete sie (als Erste) über angeblich schlechte Arbeitsbedingungen beim Discounter "Lidl" und musste durch kostspielige Prozesse und rückgehende Werbeeinnahmen teures Lehrgeld bezahlen. Ein weiterer Scoop war zweifelsohne die Exklusivmeldung über eine "Steuerfahndung im Hause Steffi Graf". Leider geschah dies im zeitlichen Umfeld des French Open Tennisturniers, was der BNN wenig Sympathie bei den badischen  Tennisfreunden einbrachte. Inzwischen konzentriert sich die Redaktion auf Sondermeldungen bei den diversen Karlsruher Bauprojekten. Allerdings gehören dort Termin- und Kostenüberschreitungen zum Alltag und beunruhigen die Leserschaft kaum sonderlich.

Beim Promi-Empfang anlässlich der Rückkehr der Lokalredaktion schlug der Leiter des ZKM-Museums, Peter Weibel, vor, dass die Abkürzung BNN künftig für BürgerNahe Nachrichten stehen solle. Ein kleiner Gag, der beim Zeitungschef Klaus Michael Baur indes gut ankam.


Dienstag, 14. Mai 2019

Die EnBW: arm, aber grün

Die "Energie Baden Württemberg AG" - abgekürzt: EnBW - gehört zu den fünf größten deutschen Energieversorgungsunternehmen (EVU), nach den traditionellen Riesen RWE und Eon, sowie den Newcomern Uniper und Innogy. Die genaue Reihenfolge ist schwer festzulegen, da die thematische Auslegung dieser Unternehmen häufig wechselt. Was die EnBW von ihren Konkurrenten jedoch klar unterscheidet ist, dass dieses EVU praktisch in Gänze dem Land Baden-Württemberg und seinen Kommunen gehört - ausgenommen die 0,39 Prozent "freier Aktionäre", wozu sich der Schreiber dieses Blogs rechnen darf. Dies ist eine kleine und elitäre Schar, welche auf die Geschäftspolitik der AG indes nur marginalen Einfluss hat.

Denn die EnBW geriert sich gern als "grünes EVU", seit der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann als Ministerpräsident im "Ländle" das Sagen hat. Das sind immerhin (seit Mai 2011) schon acht Jahre, die sich bei der nächsten Landeswahl nochmals verlängern könnten. Kretschmann und seine Mannen (wie der Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux) sorgen schon dafür, dass nichts anbrennt und der eingeschlagene grüne Energiekurs beibehalten bleibt. Dies gilt insbesondere für die Fokussierung der Stromerzeugung auf Wind und Sonne - egal zu welchem Preis!


Dr. Frank Mastiaux (55), CEO bei EnBW seit 2012


Fragile Finanzsituation

Die Finanzzahlen, welche im EnBW-Geschäftsbericht 2018 und bei der kürzlichen Hauptversammlung präsentiert wurden, waren nicht berauschend. Der Außenumsatz des Konzerns  ging zwischen 2018 und dem Vorjahr um 6,2 Prozent zurück. Das beeinträchtigte den betrieblichen Rohgewinn EBIT (englisch: Earnings bevor Interest and Taxes), der um satte 65 Prozent im Berichtsjahr 2018 absackte. Auch der Cashflow, die Geldmenge, welche dem Unternehmen für Dividenden und zur Tilgung von Fremdkapital zur Verfügung steht, schrumpfte in Jahresfrist um 67 Prozent. Entsprechend erhöhten sich die Nettoschulden um 28 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss ging um 83 Prozent auf 334 Millionen Euro zurück;  daraus wurde noch eine Mager- Dividende von 65 Cent bezahlt.

Kein Wunder, dass der Finanzchef Thomas Kusterer (pardon, heißt bei EnBW: Chief Financial Officer) frisches Geld beschaffen musste. Dank der guten Finanzlage des Großaktionärs Baden-Württemberg war dies kein großes Problem. Kusterer platzierte die Anleihe als sogenannte "Grüne Anleihe" und versprach, sie fast ausschließlich zur Finanzierung von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien zu verwenden. Der Landesvater war (vermutlich) zufrieden.

Kritischer wird die Situation wohl werden, wenn alle Kernkraftwerke der EnBW aus (politischen Gründen) abgeschaltet sein werden. Für KWO, KKP 1 und GKN I ist dies bereits der Fall; die großen "Gelddruckmaschinen" KKP 2 und GKN II mit einer Gesamtleistung von fast 3.000 Megawatt müssen Ende 2019 beziehungsweise 2022 stillgelegt werden. Das wird den Stromerzeugungsmix der EnBW stark negativ beeinflussen, insbesondere, weil dann auch noch die Braunkohle und Steinkohle (mit 4.366 MW) partiell zur Abschaltung anstehen. Denn: Wind und Sonne trägt bislang erst mit knapp 1.200 MW zum Erzeugungsportfolio bei.


Ladestationen für Elektroautos

Die EnBW beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Bau von Ladestationen für die E-Mobile. Im Berichtsjahr 2018 beschleunigte sich diese Tätigkeit, weil das Unternehmen zum Konsortialführer für das Landesförderprogramm SAFE ausgewählt wurde. SAFE ist ein Verbund von 74 Stadtwerken und drei Kommunen, die dem Elektroauto durch Verbesserung der Infrastruktur zum Durchbruch verhelfen soll. Bis September 2019 sollen "flächendeckend" 154 moderne Ladestationen entstehen, wobei in einem Raster von 10 mal 10 Kilometer mindestens eine Tankstelle mit einer Leistung von 22 Kilowatt zu finden sein soll. Und in einem Raster von 20 mal 20 Kilometern soll mindestens eine "Schnelladesäule" gebaut werden. Das Nachladen für 100 Kilometer soll dort nur sieben Minuten dauern. Gleichzeitig will man das immer noch chaotische Steckersystem vereinfachen, welches derzeit unter so eingängigen Namen wie Combo (CCS), Menekes (Typ 2) oder CHAdeMO anzutreffen ist. Schließlich will man sich um die Vereinheitlichung der Bezahlungssysteme bemühen, von denen fast jeder Ladesäulenbetreiber sein eigenes hat.

Das größte Problem ist die Standortsuche für die geplanten Schnellladesäulen. Momentan bevorzugt man zentrale Orte, die man ohnehin ein Mal pro Woche aufsucht. Das sind unter anderem Fitnesstudios und Supermärkte. Wegen der großen Zahl der Bauaufträge kommt es immer wieder zu Engpässen bei den Tiefbauunternehmen und den Handwerkern. Ein weiteres Problem stellen die Miethäuser dar, welche nicht auf hohe Stromentnahmen eingerichtet sind. Derzeit gibt es in ganz Deutschland 17.400 E-Tankstellen aller Art, davon befinden sich 2.560 in Baden-Württemberg. Fast zu viele für die 83.000 Elektroautos in Deutschland und den 16.400 im Land B-W. Befragungen ergaben allerdings immer wieder, dass die "Angst liegen zu bleiben", also die sogenannte "Reichweitenangst"das Hauptargument der Menschen gegen den Kauf von E.Mobilen ist. Nicht problematisch wäre der von der Bundesregierung geplante Betrieb von einer Million Elektroautos im Jahr 2022. Der zusätzliche Strombedarf läge nur bei 0,5 Prozent und wäre von den EVU locker zu bewerkstelligen.


Die Beschaffung der Kohle.

Die Kohle für ihre Steinkohlekraftwerke (insgesamt ca. 4,5 Millionen Tonnen) bezog die EnBW im wesentlichen aus Russland (2,7 Mio t), USA (0,76) und Kolumbien (0,92). Im vergangenen Jahr 2018 verzichtete die EnBW auf den Lieferanten Kolumbien. Damit gab es auch keinen Anlass mehr zum Auftritt von farbenfroh gekleideten Angehörigen der indigenen Völker ("Südamerika-Indianer"), die in den Vorjahren oft bewegte Klage über die miserablen Arbeitsbedingungen in den Bergbauminen führten. Allerdings hörte man bei der Hauptversammlung in den Gängen, dass diese Bergleute nun zum Teil ihren Job verloren haben, weil die Minenbesitzer ihre schmutzige Kohle jetzt zu den Chinesen liefern, die bezüglich Umweltschutz viel weniger nerven als die Deutschen.

Die US-amerikanische Kohle stammt fast ausschließlich aus Untertagebauen im Illinois Basin und den nördlichen Appelachen. "Mountaintop Removal Mining" heißt diese brutalste Technik zum Kohleabbau. In den Appelachen roden die Grubenbesitzer ganze Berggipfel. Dabei sprengen sie die Kuppen ab, bis sie an die darunter liegenden Flöze gelangen. Diese Methode ist billiger, als der aufwendigere Abbau unter Tage; 500 Berggipfel sind in den Appelachen bereits weggesprengt. Dafür werden intakte Ökosysteme in Mondlandschaften verwandelt.

Die meiste Kohle, die russische Bergbauunternehmen nach Deutschland liefern, hat einen sehr weiten Weg hinter sich. Sie stammt zumeist aus dem sibirischen Kusnezkow Becken und wird mit Güterzügen mehr als 4.000 Kilometer weit bis in die Nähe von Sankt Petersburg gefahren. Von dort gelangt sie per Schiff in den Hamburger Hafen. Berücksichtigt man die langen Transportwege von Sibirien zu den deutschen Kohlekraftwerken, so ist die (integrierte) CO2-Emission für die Russenkohle wohl kaum geringer als bei einem deutschen Braunkohlekraftwerk dessen Tagebau direkt in der Nähe liegt.


Die Managergehälter

Die Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder werden bei der EnBW zwar nicht direkt zu Millionären, müssen aber auch nicht hungern. So löhnt der Vorsitzende des elitären Aufsichtsgremiums, der Unternehmensberater Lutz Feldmann, für seine Teilzeitbetätigung immerhin noch 110.750 Euro pro anno; seine ihm zuarbeitende Rätin Gunda Röstel 64.000. Für Frau Röstel aus Flöhe ist dies gewissermaßen ein Zubrot, denn in ihrem Hauptberuf ist sie noch Kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH und Prokuristin der Gelsenwasser AG. Außerdem versieht Gunda noch vier weitere Aufsichtsmandate, hoffentlich nicht gratis. Das alles schafft ein gewisses Grundeinkommen für die frühere Vorsitzende der Partei der Grünen, als sie sich für die Segnungen des Kapitalismus kaum erkennbar eingesetzt hat.

Der Hauptverdiener im Vorstand ist - wie es richtigerweise sein soll - der Vorsitzende Frank Mastiaux. Er verdiente im Jahr 2018 insgesamt 3.008.608 Euro,  seine (derzeit noch) vier Vorstandsmitglieder Beck, Kusterer und Zimmer zwischen ca. 1,6 und 1,8 Mio Euro. Es fällt auf, dass dem CEO Mastiaux im Vergleich zu 2017 das Gehalt um fast 300.000 Euro gekürzt wurde, während die genannten Kollegen im Schnitt einen Zuschlag von 200.000 Euro erhielten. Da stellt sich doch die Frage, was der Chef im vergangenen Jahr "verbockt" hat. Aus dem Geschäftsbericht ist dies für den Laien nicht erkennbar. Es gibt dort zwar eine Grafik für die Zielvergütung der Vorstände, aber diese ist hochkomplex, da sie aus nicht weniger als 11 Parametern besteht. Welche Einflussgrößen dem Chef zum Verhängnis wurde, ist nicht erkennbar.

Nun, Dr. Frank Mastiaux wird, bei einiger Einschränkung, auch mit 3 Millionen auskommen. Er steht damit in einer Reihe mit seinem Kollegen , dem RWE-Vorstandsvorsitzenden Rolf Martin Schmitz, den die Gesellschafter (vermutlich) für das ungeschickte Management um die Tumulte beim Hambacher Forst abstraften.

Da hat es der Chef-Kollege von E.ON, Johannes Teyssen, schon besser getroffen. Er dirigierte 2018  sein Unternehmen sorgsam durch alle Untiefen und wurde dafür mit einem Salär von 6,7 Millionen Euro belohnt.

Montag, 13. Mai 2019

Das Ende der Kaderschmiede ENA

Wer in Frankreich eine Karriere anstrebt, die ihm eine ranghohe Position in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft (nahezu) garantiert, für den (oder: die) gibt es einen Ausbildungskanon. Idealerweise besucht man die Gymnasien Louis le Grand oder Henri IV in Paris, studiert anschließend Sciences Po oder an der Ecole Polytechnique und qualifiziert sich dann im Wettbewerb für die Aufnahme an der Verwaltungshochschule École National d´Administration, bekannt unter dem Akronym ENA. Zwar schaffen nur zwei Prozent der ENA-Absolventen eine politische Karriere, aber:
darunter ist die Hälfte der französischen Präsidenten der V. Republik.


Die ENA - ein Fahrstuhl nach oben

Die École National d´Administration (deutsch: Nationale Hochschule für Verwaltung) ist eine Grande École, die traditionell die Elite der französischen Verwaltungsbeamten ausbildet. Sie wurde am 9. Oktober 1945 von Charles de Gaulle ins Leben gerufen, um den Aufbau einer von der Vichy-Vergangenheit unbelasteten Verwaltung zu ermöglichen. Der Standort der Hochschule war zunächst Paris; 1992 wurde sie teilweise, 2005 in Gänze nach Straßburg in das ehemalige Kloster Sainte Marguerite verlegt. In einem strengen Auswahlverfahren werden jährlich ca. 100 bis 120 Kandidaten zum zweijährigen Studium an der ENA zugelassen, wovon allerdings nur 6 Prozent der Arbeiterklasse entstammen. Im Verlaufe des gut 70-jährigen Bestehens der Schule hat die ENA ca. 7.000 Absolventen hervorgebracht. Das Curriculum sieht unter anderem Vorlesungen in Recht und Wirtschaft vor, sowie die Vermittlung von Verwaltungs- und Verhandlungstechniken.


Prominente ENA-Absolventen

Die besten ENA-Absolventen werden anschließend Inspecteur des Finances bevor sie in Spitzenpositionen der Wirtschaft oder der öffentlichen Verwaltung wechseln. An der Spitze der großen französischen Wirtschaftsunternehmen stehen fast ausschließlich ENA-Absolventen. Das unterscheidet sie von deutschen Unternehmen, wo die Unterschiede zwischen dem Vorstandssprecher meist ähnlich gering sind, wie die zur nächsten oder übernächsten Führungsebene. Der wesentliche Auswahlprozess findet bei diesem "Fahrstuhl in die oberste Führungsetage" schon bei der oben genannten Zulassung statt. Wer einmal diesen Numerus Clausus geschafft hat und innerhalb seines Jahrgangs nicht allzu schlecht abschneidet, dessen berufliche Zukunft ist für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Unter den Enarchen, (ein Spottwort für die ENA-Absolventen im Anklang an die Monarchen früherer Zeiten)) ist "Netzwerken", also das gegenseitige Hochhieven in Führungspositionen, angesagt und wird auch mit Inbrunst betrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist der aktuelle französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Er war ENA-Absolvent des Jahrgangs 2004, nach der ENA-Klassifikation in der "Promotion Léopold Senghor". Nach seiner Ernennung hat er umgehend die beiden Enarchen Éduard Philippe und Bruno le Maire zum Premierminister bzw. zum Finanzminister befördert.  Weitere einflussreiche Enarchen im Umfeld von Macron sind der Gouverneur der Banque de France, die Direktorin des Radiosenders Radio France, der Präsident des Verfassungsrats und der Chef der Großbank Société Generale. In keinem anderen europäischen Land lässt sich die Führungselite in Politik, Wirtschaft und Verwaltung so einfach mit drei Buchstaben beschreiben.

Historisch interessant ist, dass fast zeitgleich mit der Gründung  der ENA in Paris, im Sommer 1946 die französische Militärregierung in ihren Besatzungsgebiet die Entscheidung zu Gründung einer "École Supérieure d ´Administration" in Speyer traf. Die Besatzungsmacht betrachteten dies als Teil eines "Umerziehungsprozesses", der vor allem gegen das Land "Preußen" gerichtet war. Ostelbische Beamte, besonders die Juristen, galten als Hauptstützen von Hitlers Nationalsozialismus. Die 1:1-Übernahme der ENA-Kriterien gestaltete sich jedoch schwierig bis unmöglich, sodass es erst am 11. Januar 1947 zur offiziellen Gründung die Hochschule kam - unter der (jetzigen) Bezeichnung "Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer". Auch im Lehrplan gingen die Speyerer ihren eigenen Weg. Sie wollten keine "kleine ENA" sein, sondern in der Tradition der deutschen Universitäten stehen. Typisch dafür waren Vorlesungen im öffentlichen Rechnungswesen, wo der spätere Rektor Klaus Lüder innovative Wege zu ihrer Reform auf kommunaler Ebene aufzeigte.


Die Abschaffung der "Enarchie"

Die ENA sollte ehedem den Filz und die Seilschaften in der Staatselite beenden. Denn zuvor entschied jedes Ministerium selbst, wen es einstellen wollte. Das führte dazu, dass Franzosen ohne "Beziehungen" fast chancenlos waren, einen hohen Verwaltungsposten zu besetzen. Mit dem - formal - allen zugänglichen Auswahlverfahren der ENA sollte eine Art demokratisch legitimierter "Staatsadel" herangebildet werden. Damit war man in den Wirtschaftswunderjahren nach dem Krieg ziemlich erfolgreich. Später jedoch degenerierte die ENA zur Brutstätte einer abgehobenen politischen Führungskaste. Ihre Vertreter mussten Schmähungen wie "Mandarine der Republik" hinnehmen.

Und das keineswegs zu Unrecht. Denn die Enarchen benahmen sich - insbesondere in der Provinz - oftmals wie kleine Könige, um nicht zu sagen wie "Sonnenkönige". So stand nicht selten schon beim offiziellen Besuch eines bloßen Staatssekretärs der Präfekt der Region in Uniform am Flughafen oder Bahnhof stramm zur Abholung des "hohen Gastes" bereit und begleitete diesen mit einer laut lärmenden Motorradkavalkade zur Provinzkapitale. Alle Straßenkreuzungen waren gesperrt und die "Normalsterblichen" mussten in ihren Autos warten.

Es war deshalb kein Wunder, dass man in den "Beschwerdebüchern", die Macron zur Vorbereitung seiner Rede an die Nation in allen Rathäusern auslegen ließ,  überall die Forderung "ENA abschaffen" lesen konnte. Insbesondere die "Gelbwesten" hatten sich auf dieses Thema kapriziert und der Präsident konnte nicht umhin, eine harte Entscheidung zu treffen. In dieser Zwangslage entschloss er sich, die Elitehochschule in Straßburg zu schließen - gegen den heftigen Widerstand fast aller Betroffenen.
Ob die Abschaffung der ENA die französische Verwaltung und Wirtschaft stärken oder schwächen wird, bleibt abzuwarten. Verändern wird sie sie auf jedem Fall. 

Montag, 22. April 2019

Deutschlands Spitzenmanager - oh Jammer!


Mit der deutschen Wirtschaft geht es derzeit steil bergab. Vor einem Jahr lag unser Wirtschaftswachstum noch bei 2,5 Prozent, nun ist es auf 0,5 Prozent abgesackt - mit Tendenz nach unten, vielleicht sogar in die Rezession. Demgegenüber liegt der gleiche Koeffizient in den USA bei nahezu 3 Prozent. Einer der Gründe dafür ist, dass in Amerika in den letzten zehn Jahren eine neue technologiegetriebene Industriebranche entstanden ist, die Arbeitsplätze, Umsatz und Gewinne in reichem Maße generiert. Dafür stehen die Namen Apple, Amazon, Google, Facebook, Microsoft, Tesla, Uber, Airbnb,  Netflix und viele weitere. Allein die Unternehmen Apple und Amazon produzieren jährlich einen Umsatz von je ca. 250 Milliarden Dollar, bei mindestens 10 Prozent Gewinn, der dank weltweiter Steueroasen weitgehend in die USA zurückfließt.

Demgegenüber hat Deutschland auf diesem modernem Technologiebereich wenig vorzuweisen. Die Zeiten von Zuse, Nixdorf und Steinbuch sind lange her. Diese Vorkämpfer der Informationstechnologie haben kaum Nachfolger gefunden. Stattdessen verharrt Deutschland noch weitgehend in der Tonnentechnologie (Chemie!), im Sparkassendenken (Banken) und im klassischen Maschinenbau (Autos). Leider kommen unsere Spitzenmanager auch damit oft nicht zurecht, wie im folgenden Blog beschrieben wird.


Am Beispiel Bayer AG


Werner Baumann, (56), gebürtiger Krefelder und studierter Betriebswirt, wurde am 1. Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der deutschen Vorzeigefirma Bayer AG. Sein Ziehvater, der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning, beförderte diese Karriere, weil Baumann als Finanzchef des Bayer-Konzerns zu erkennen gab, dass er den Kauf des US-Unternehmens und Herbizidherstellers Monsanto auf die Hörner nehmen würde. (Dafür musste Baumanns Vorgänger, der Holländer Marijn Deckers (61) zwei Jahre früher in Rente gehen.). Baumann lieferte prompt im Sinn seines Chefs indem er die Monsanto-Akquisition am 7, Juni 2016 zum Preis von 56 Milliarden Euro vollzog. Nur fünf Wochen später verurteilten zwei US-Gerichte in Kalifornien die Firma Bayer und ihre neue Tochter Monsanto zur Zahlung von 289 Millionen Dollar. Zwei Kläger, die an Krebs erkrankt waren - angeblich weil sie jahrelang das Unkrautvernichtungsmittel "Glyphosat" (in den USA vertrieben unter dem Namen "Roundup") nutzten - erstritten diese gigantische Summe. Mehr als weitere 11.000 ähnliche Fälle, oft angetrieben von klagegierigen Anwaltskanzleien, liegen derzeit noch bei US-Gerichten. Im Gefolge dieser Gerichtsprozesse fiel der Börsenkurs der Bayer-Aktie von 99 Euro (am 7. Juni 2016) auf 61 Euro (21. März 2919), also um fast 40 Prozent.

Hat sich Bayer mit Monsanto den Tod ins Haus geholt? Vernichtet das Glyphosat am Ende die eigentlich kerngesunde Bayer AG? Mit jedem weiteren finanziellen Rückschlag wächst die Gefahr, dass agile Aktienfonds Unternehmensteile von Bayer aufkaufen und damit den Traditionskonzern zerschlagen, um seine Einzelteile mit Gewinn zu verkaufen. Bei der turnusmäßigen Aktionärsversammlung am 26. April 2019 ist viel Turbulenz zu erwarten. Sogenannte kritische Aktionäre werfen Baumann vor, dass er die Risiken des Monsanto-Deals nicht richtig eingeschätzt habe und auch zu geringe Prozessrückstellungen getroffen habe. Deshalb müssten in einer plötzlichen "Sparaktion" in Deutschland 4.500 Personalstellen gestrichen werden, global sogar 12.000. Auch habe Baumann die negativen Gutachten der Weltgesundheitsorganisation weitgehend ignoriert. Und - ganz wichtig - habe er übersehen, dass die "Gesellschaft" in der großen Mehrheit dem Herbizit Glyphosat/Roundup sehr negativ gegenüberstehe. Man denke nur an das kürzliche Volksbegehren in Bayern, wo 1,7 Millionen Menschen den Aufruf "Rettet die Bienen" unterschrieben hätten.


Am Beispiel Deutsche Bank AG

Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank (DB) von 2002 bis 2012 war ein Charmeur und Blender gleichermaßen. Unter dem Victory-Zeichen verkündete er ein Renditeziel von 25 Prozent, fuhr aber meist nur Milliardenverluste ein. Die Investmentabteilung residierte nicht in Frankfurt, sondern in der weitaus kostspieligeren  Londoner City, wo die Manager gerne Hotels für mehrere Tausend Euro pro Nacht buchten. Eine einzige Abteilung verprasste dort in einem Jahr 22 Millionen Euro an Spesen! Ein angestellter Banker (Christian Bittar) manipulierte sogar den Referenzzinssatz "Libor". Zusammen mit windigen Hypothekengeschäften in den USA verschob die Deutsche Bank illegalerweise hohe Summen in allerlei Steueroasen. Die amerikanischen Aufsichtsbehörden sanktionierten diese "Geschäfte" mit milliardenhohen Strafzahlungen. Ackermanns Vorgänger, Rolf Breuer, äußerte sich sogar öffentlich kritisch zur Kreditwürdigkeit des Bankkunden und Medienzar Leo Kirch. Der Unternehmer klagte und die Deutsche Bank musste 975 Millionen Strafe zahlen für eine Untat, die keinem Banklehrling hätte unterlaufen dürfen.

Am 8. April 2018 wurde der in Bünde (NRW) geborene Christian Sewing für ein Jahresgehalt von 7 Millionen Euro zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Sewing absolvierte nach dem Abitur 1989 eine duale Berufsausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank, die er 1991 mit einem Abschluss bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) beendete. Auch er konnte den Niedergang der einstigen deutschen Vorzeigebank nicht aufhalten. Unter ihm und seinen Vorgängern fiel der Aktienkurs der DB von 100 auf (derzeit) 7,5 Euro. Der Börsenwert reduzierte sich analog. Aus einem globalen Player ist die Deutsche Bank zu einem  Regionalinstitut geworden, das zu den Kleineren in Europa zählt und mit dem Aufkauf rechnen müsste, wenn sie nicht zur Abschreckung noch einige kostenträchtige Leichen im Keller hätte. Diese triste Lage bringt einige deutsche Politiker auf die Idee, die Deutsche Bank mit der ähnlich finanzschwachen Commerzbank zu fusionieren. Ein Lahmer soll also einen Blinden stützen. Allerdings: selten war das Verhältnis der Börsenwerte so günstig für einen Zusammenschluss. Die DB bringt 15 Milliarden Euro auf die Waage, die Commerzbank 9 Milliarden. Momentan wird - unter strenger Geheimhaltung - über eine Fusion verhandelt. Alles ist noch im Fluss, allerdings würde es wohl zur Entlassung mehrerer zehntausend Beschäftigter kommen. Wait and see!


Am Beispiel VW AG

Martin Winterkorn, promovierter Metallphysiker, Ehrenprofessor und vielfacher Ehrendoktor war vom Januar 2007 bis zum September 2015 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG - wusste aber von nix. Vor allem war ihm die in seine Amtszeit fallende Dieselaffäre völlig unbekannt geblieben. Kein Wunder, beschäftigte er sich doch vorwiegend mit der Überprüfung der Spaltmaße an seinen VW-Modellen. Das Sollmaß von 3,5 Millimeter zwischen Karosserie und Autotür war gewissermaßen ein Gesetz, dessen Einhaltung er eisern verfolgte. Was tief unten, in der Motorenentwicklung geschah, interessierte ihn wenig bis gar nicht. Insbesondere, dass dort irgendwelche verantwortungslose Gesellen eine Schummel-Software entwickelten und einbauten, welche die Abgaswerte auf den TÜV-Prüfständen verminderten, kam ihm nie zu Ohren. Trotzdem trat Winterkorn, Ehrenmann der er war, am 23. September - als die cleveren Amerikaner diesen Abgasschwindel längst entdeckt hatten -  "freiwillig" als CEO der Volkswagen  AG zurück und schaut seitdem in seiner Villa in München-Bogenhausen den Bäumen beim Wachsen zu. Als Topmanager, der früher in einer Woche drei Kontinente abflog, fürchtet er nun bei Auslandsreisen
den längst ergangenen US-Haftbefehl. Nicht einmal nach Österreich getraut er sich zu fahren, denn man weiß ja nie was diese Austro-Schlawiner... Freilich die dreißig Millionen Euro Abfindung bei seinem Ausscheiden nahm er noch mit.



Martin Winterkorn: bald im Knast?

In Wolfsburg ging das Leben weiter, wenn auch in anderer Weise und mit anderem Personal. Winterkorns Nachfolger wurde der Maschinenbauer Dr. Herbert Diess, der bis dato den Einkauf bei BMW verwaltete. Diess merkte bald, dass er gegen die rigiden Schadensersatzforderungen der amerikanischen Justiz- und Umweltbehörden nicht ankam und erklärte sich zwischen 2015 und 2017 bereit, die gigantische Summe von 28 Milliarden Euro (nicht: Millionen!) als Schadensersatz an die dortigen Dieselbesitzer und Behörden zu zahlen. Aber das war noch nicht alles. VW musste auch einen "Aufpasser" akzeptieren, der als sogenannter Monitor ein Ethik- und Compliance-Programm
beim Konzern einrichtet, das in Zukunft Betrug und Verstöße gegen die Umweltgesetze verhindern soll. Chef ist der ranghohe ehemalige US-Vizejustizminister Larry Thompson, der für (mindestens) drei Jahre bei VW ein- und ausgehen darf und das Recht hat alle Unterlagen einzusehen. In einem Autoreich mit 600.000 Beschäftigten und zwölf Marken, die in 153 Ländern verkauft werden!

Inzwischen wachten auch die deutschen Justizbehörden auf, denen lange Zeit Saumseligkeit vorgeworfen worden war. Nach mehr als dreijährigen Ermittlungen im Dieselskandal muss sich Martin Winterkorn demnächst vor Gericht verantworten. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft legte dem Landgericht Braunschweig neben einer fast 700-seitigen Klageschrift rund 300 Aktenordner mit weiteren 75.000 Seiten vor, die jetzt durch die 6. Wirtschaftskammer zu prüfen sind. Mit einem Prozess ist frühestens im Jahr 2020 zu rechnen. Für Winterkorn kann dieses Verfahren hochgefährlich werden. Denn in Unterlagen aus dem Jahr 2014 - als er noch im Amt war - geht eindeutig hervor, dass ihn seine Mitarbeiter auf den Abgasschwindel aufmerksam gemacht haben. Sollte das Gericht diesen Nachweis anerkennen, dann drohen dem ehemaligen Topmanager (maximal) 11 Millionen Euro Geldstrafe und 10 Jahre Haft. Was das Unternehmen VW betrifft, so ist eine Äußerung des Aufpassers Larry Thompson interessant. In einen Spiegel-Interview sagte er ungeschminkt:
Einen weiteren Dieselskandal wird Volkswagen nicht überleben".


Nachschlag

In den letzten Wochen kommen besorgniserregende Meldungen aus Stuttgart. Der Premiumhersteller Daimler AG steht im Verdacht, bei seinem Geländewagen GLK 220 eine verbotene Abschalteinrichtung eingebaut zu haben, die für saubere Werte auf dem Prüfstand, aber dreckige Luft in der Stadt sorgt. Daimler hat auf diesem Gebiet immer eine "weiße Weste" reklamiert, aber wer von den Außenstehenden will das heute noch beschwören? Schönreden gehört in der Automobilbranche seit langem zum Geschäftsmodell. Angaben zum Spritverbrauch, beispielsweise, glaubt schon lange niemand mehr.


Auch bei Bosch, weltweit der größte Zulieferer für Autoelektronik, rumort es. Volkmar Denner, der Geschäftsführer der Bosch GmbH, vermeidet es seit Jahren in die USA zu fahren, obwohl dort, im Silicon Valley, eine seiner größten Fabriken platziert ist. Hat er Angst, mit dem Dieselskandal in Verbindung gebracht und dort eingelocht zu werden?---Nach Medienberichten (ZEIT 15/2019) hat einer der Boschingenieure im Abgasbereich, namens Karsten von Bruch, bereits 2015 hausintern vor dem Schwindel in der Dieselabgasreinigung gewarnt. Und damit gegen ein ehernes Gesetz bei Bosch verstoßen, das da heißt:
"Halt dei Gosch, i schaff bei Bosch"
Der Mitarbeiter wurde für sein Verhalten sanktioniert und erhielt die Kündigung seiner Firma.
Heute arbeitet er als Rettungssanitäter beim Malteser Hilfsdienst. Womit sich die Gültigkeit des zweiten Bosch-Gesetzes erwies, das lautet:
"Hädsch dei Gosch ghalda,
hädd di dr Bosch bhalda"

Sonntag, 14. April 2019

Die Neue Chinesische Seidenstraße - ein Trojanisches Pferd ?

Es ist noch keine vier Wochen her, da präsentierte sich die Stadt Rom in ungewohnter Weise aufgeräumt und proper wie seit Jahren nicht mehr. Keine Abfallberge waren in den Straßen zu sehen und um die weltberühmten Bauten floss der Verkehr ungehemmt und zügig, da er von den Behörden entsprechend ausgedünnt war. Der Grund:  Xi Jinping, der mächtige Präsident von China (samt seiner liebreizenden Gattin Peng Liyuan) hatten sich zum Staatsbesuch in der römischen Hauptstadt angesagt, um weitreichende Wirtschaftsverträge zu unterzeichnen, welche das EU-Mitglied Italien auch zum Mitglied der sogenannten Neuen Chinesischen Seidenstraße machen sollte.

"Elegantissima" war auch im römischen Quirinalspalast angesagt, dem Amtssitz des italienischen Präsidenten. Der Hausherr Matarella empfing die weitgereisten Gäste mit vollem protokollarischem Zeremoniell, einschließlich der Ehrengarde zu Pferd, die gewöhnlich nur zu Königsbesuchen und zuletzt 2010 aus Anlass des Besuchs des damaligen Papstes Benedikt XVI zum Einsatz kam. (Der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde diese Ehre nie zuteil). Beim abendlichen Empfang der mitgereisten 300 Wirtschaftsgrößen trat der Startenor Andrea Bocelli auf und unterhielt die Gäste mit Bravourarien wie Schuberts "Ave Maria" und Puccinis "Nessun Dorma". Unter ihnen befand sich der 27-jährige Milliardär Zhang Kangyang, seit drei Jahren Eigentümer des traditionsreichen italienischen Fußballclubs Inter Mailand.


Italien und China spalten die Europäische Union

Derzeit findet die sogenannte 16+1 - Wirtschaftskonferenz in Dubrovnik statt. Für das kleine Land Kroatien ist dies ein herausragendes Ereignis. Über 1.000 Unternehmer aus China und 16 weiteren mittel- und osteuropäischen Staaten sind unter der Führung des chinesischen Ministerpräsidenten Li Kepiang zusammengekommen, um vor allem Infrastrukturprojekte, wie Straßen, Brücken und Häfen, zu besprechen. In Kroatien geht es beispielsweise um die Peljesac-Brücke im Süden des Landes, ein Vorhaben, das insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro kostet und zum Teil von den Chinesen finanziert werden soll. Aber nicht umsonst: diese Kredite müssen ( nicht wie zumeist aus Brüssel) haarklein zurückbezahlt werden.  Außerdem werden die Bauarbeiter zu Tausenden aus China eingeflogen und schaffen dadurch keine regionalen Arbeitsplätze. Beschäftigt werden fast nur chinesische Firmen mit eigenen Arbeitern. Die Schuldenfalle ist vorprogrammiert. Ohnehin verschuldete Staaten geraten so in noch größere Abhängigkeit. Die vorherige Erkundigung bei einigen asiatischen und afrikanischen Staaten wäre lohnend.
Fazit:  der 16+1 - Prozess ist ein Spalterformat nach dem Motto:  teile und herrsche.

Noch kritischer ist der Beitritt Italiens zur Seidenstraße zu bewerten. Hier handelt es sich erstmals um ein G7- Mitglied, also um ein (vormals!) wirtschaftsstarkes Land. Inzwischen haben teure Wahlgeschenke, wie Bürgergeld, Frührente und Einheitssteuersatz (ohne jegliche Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen) das Land Italien an den Rand der Pleite gebracht. Beim oben beschriebenen Besuch bot Italien den Chinesen nicht nur wirtschaftliche Gelegenheiten im eigenen Land, sondern sogar (indirekt) in ganz Europa. Nur mit italienischen Offerten für Investitionen und Exporte nach China wäre Peking sicherlich nicht zufrieden gewesen. Stattdessen will China in Italien eine logistische Plattform schaffen, um von dort aus günstig gelegene Häfen in ganz Europa mit chinesischen Produkten zu versorgen. Gemessen an diesem strategischen Interesse haben die Italiener allerdings sich selbst und damit auch Europa viel zu billig verkauft.
Aber:  die beiden maßgeblichen Parteichefs Di Maio (Fünfsterne) und Salvini (Lega) wünschen sich ohnehin ein anderes Europa. Nämlich: mit Freibrief für unbegrenzte Defizite und bedingungslose Schulden.


Konfuzius-Institute und Universitäten

Im Jahr 2004 begann die chinesische Regierung mit einer weltweiten Propaganda-Offensive. Sprache und Kultur sollten der Bevölkerung in anderen Ländern nahe gebracht werden. Für die Sprachkurse wurden vereinfachte Kurzzeichen kreiert; auf dem Lehrplan standen anfangs Literatur, Philosophie, Kalligraphie, Medizin und chinesische Küche. Organisiert wurde dies über die sogenannten Konfuzius-Institute, benannt nach dem auch im Westen bekannten Philosophen Konfuzius (551 - 479 v. Chr.). Interessant ist, dass der Namensgeber Konfuzius während des gesamten 20. Jahrhunderts von der damaligen chinesischen kommunistischen Partei als Vertreter des "feudalen Chinas" diskreditiert worden war. Aber offensichtlich fanden politisch passendere Persönlichkeiten, wie Mao Zedong, außerhalb Chinas keinen Anklang.

In Deutschland gibt es derzeit 19 Konfuzius-Institute. Sie sind fast ausschließlich bei Universitäten, wie der Freien Universität Berlin oder der Universität Bonn, angegliedert. Die jüngste Gründung erfolgte im Mai 2017 an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Nicht im Einklang mit der akademischen Freiheit hierzulande ist die Tatsache, dass an den Konfuzius-Instituten Themen, wie Tibet, Uiguren, Taiwan etc. weitgehend ausgeblendet werden. Auch die Finanzierung der Institute ist alles andere als transparent. In den USA wird deshalb vermutet, dass sie über die kommunistische Partei in China erfolgt. Deshalb werden diese Institute dort als ein Versuch der Volksrepublik China angesehen, politisch "Soft Power" - Ziele weltweit zu verbreiten.


Ausländische Studierende nach Ländern (Top 20 von 117)

Bemerkenswert ist der große Zulauf chinesischer Studenten an deutschen Universitäten. Beispielhaft genannt sei die frühere Technische Hochschule Karlsruhe (TH), seit ca. zehn Jahren bekannt unter ihren offiziellen Namen "Karlsruher Institut für Technologie" (KIT). Am KIT, einer mit ca. 25.000 Studierenden allenfalls mittelgroßen Universität, waren im Jahr 2017 nicht weniger als 2065 Studenten der VR China eingeschrieben. Unter den Top 20 Studierenden befand sich kein einziger Student aus den USA oder Großbritannien. Dies erstaunt vor allen deswegen, weil die frühere TH bei ihrer Umgründung zum KIT eine Namensanleihe bei dem berühmten "Massachussetts Institute of Technology" machte - abgekürzt MIT.

Man möchte das Präsidium des KIT fragen, worauf dieser Andrang chinesischer Studenten beruht und ob der know how-Austausch noch einigermaßen balanciert ist.


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