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Sonntag, 13. November 2011

Golfen Sie schon?

Zum ersten Mal kam ich in den USA mit Golf in Berührung. Unmittelbar nach meinem Studium in München, wurde mir eine Arbeitsstelle in Washington D.C. angeboten und dort forschte ich ein gutes Jahr auf dem Gebiet der Festkörperphysik. Noch Junggeselle, mietete ich mir ein Apartment direkt am Golfplatz meiner Firma. An den Abenden und insbesondere den Wochenenden war Golfspiel mit den Arbeitskollegen sozusagen Pflicht.

Meine Wohnung lag ganz in der Nähe des vertrackten Loches 4 und durch das Küchenfenster konnte ich immer wieder (schwächere) Spieler beobachten, welche dieses Loch offensichtlich mit dem falschen Schläger anspielten, wodurch der Ball entweder im vorgelagerten Sandbunker landete oder über das Grün hinausflog. Bevor es zu solchen Unglücken kam, gab ich manchem Spieler gelegentlich per Zuruf den Tipp: "iron seven". Landete der Ball dann auf dem "green", weil richtigerweise das 7er Eisen benutzt wurde, so mehrte das meinen Ruf als Golfkundiger.

Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, konnte ich hier das Aufblühen des Golfsports miterleben. Anfangs gab es nur ganz wenige Golfplätze und die Clubbeiträge waren erheblich. Deswegen sah man auch wenige Spieler auf den Parcours, stattdessen zumeist reifere, ältere Herrschaften. Ein bezeichnender Witz machte die Runde: "Haben Sie noch Sex - oder spielen Sie schon Golf"?  Mit der Zeit wurde der Golfsport erschwinglicher und auch populärer - insbesondere als Bernhard Langer seine spektakulären Erfolge hatte. Ich selbst kam vom Golf ab und wendete mich wieder dem Turnsport zu.

Ausgedehnte Wiesen, schweres Gerät

Ein normaler Golfplatz mit 18 Löchern, den Könner mit 72 Schlägen ("par 72") beherrschen, ist ungefähr sechs Kilometer lang. Und er ist beileibe keine Wiese, sondern ein von mehreren Platzwarten  ("greenkeepers") gepflegtes botanisches Juwel. Die Grünflächen in der Nähe des Lochs werden - zumindest in den USA - mit Unmengen von Kunstdünger und Pestiziden bestreut. Im Verlaufe einer 18-Loch-Runde ist der durchschnittliche Spieler 4 bis 5 Stunden unterwegs und legt dabei 12 bis 15 Kilometer zurück. Mark Twain, der alte Spötter, pflegte deshalb zu sagen: "Golf ist ein verdorbener Spaziergang". Zeitknappe Manager laufen heutzutage kaum mehr zu Fuss, sondern benutzen ein Elektrocart und werden von mobilen Erfrischungsständen am Rande der Fairways versorgt.



Golfplatz Castelfalfi (Toskana)

Eine normale Golftasche ("bag") sollte 12 bis 14 Schläger ("clubs") beinhalten. Die driver sind für die ganz langen Schläge um die 300 Meter. Früher waren sie aus Holz, nun sind es hochkomplexe Schlaggeräte aus verschiedenen Metalllegierungen und einem genau austarierten Schlagpunkt. Der runde Schwung ist hier besonders wichtig, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Leider führt er bei älteren Spielern nicht selten zu heftigen Rückenschmerzen, weil die Wirbelsäule beim Golfen der meistbelastete Körperteil ist.

Zur Annäherung an das jeweilige Loch benutzt man die Eisen ("iron, wedge"), deren  Schlagkopf so geneigt ist, dass die Flugbahn des Balles höher und zugleich kürzer wird. Kunstwerke der besonderen Art sind die sogenannten putter. Sie sollen auf dem Grün den Ball endlich ins Loch befördern, was wesentlich schwieriger ist, als es aussieht. Auch hier gibt es einen Witz vom Vater und seinem Kind: "Papi, warum versuchen denn die Spieler den ersten Putt immer vorbeizuschieben und dann erst den zweiten einzulochen"?

Natürlich ist, von den Profis abgesehen, kein Normalspieler in der Lage, eine Runde mit 72 Schlägen zu beenden. (Für viele bedeutet eine Runde unter 100 bereits ein stolzes Ergebnis). Deswegen hat man auch das "handicap", die Vorgabe, erfunden. Ein Spieler mit dem Handicap 40 darf sich nach 72+40=112 Schlägen so gut fühlen, wie der Platzkönig. Für die Mehrzahl der Amateurgolfer sind das grösste Handicap jedoch der Ball und die Schläger! Trotzdem gelingt  dem einen oder anderen auf einem kurzen 3er-Loch immer wieder mal den Ball mit einem einzigen Schlag ins Loch zu befördern. Das ist traditionsgemäss  der Anlass für eine Cocktailrunde im Clubhaus, dem 19. Loch.

Unsere Supergolfer

International waren die deutschen Golfprofis lange Zeit nur zweite oder gar dritte Wahl - bis Bernhard Langer 1985 (als 28-jähriger) völlig überraschend das U.S. Masters-Turnier in Augusta, Georgia, gewann. Dies ist das prestigeträchtigste Golfturnier der Welt und in etwa vergleichbar mit Wimbledon im Tennis. Die übrigen drei Grand-Slam-Turniere (auch "Majors" genannt), sind das U.S. Open, das British Open und die PGA Championship. Acht Jahre später, 1993, gelang es Langer noch einmal das Masters-Turnier zu gewinnen, worauf er im Jahr 2002 in die "Hall of Fame" einziehen durfte.

Derzeit ist der beste deutsche Berufsgolfer der 27-jährige Martin Kaymer aus Düsseldorf. Er gewann 2010 die PGA Championship und stand im Februar 2011 sogar für einige Monate an der Spitze der Weltrangliste. Vor wenigen Wochen gewann Kaymer das internationale Golfturnier in Shanghai, China, mit einer Superplatzrunde von 63 Schlägen. Dabei lag er neun Schläge unter par und erspielte neun "birdies".


Martin Kaymer präsentiert den Siegerpokal beim Shanghai-Turnier




Tiger Woods beim Abschlag

So gut auch Langer und Kaymer sein mögen, an den derzeitigen Weltchampion Tiger Woods reichen sie nicht heran. Der 36-jährige "Tiger" hat im Verlaufe seiner Golfkarriere mehr als eine Milliarde US-Dollar mit seinem Spiel verdient und 14 Grand-Slam-Titel gewonnen. Bei letzteren wird er allerdings noch übertroffen von Jack Nicklaus, der 18 Majors gewann. Seit einiger Zeit befindet sich der Tiger in einem emotionalen und spielerischen Tief, ausgelöst durch selbstverschuldete Sexkapriolen und es ist deshalb fraglich, ob er den Rekord von Nicklaus noch wird brechen können.

Der scheinbar mechanische Ablauf des Golfspiels hat golfende Physiker immer wieder gereizt, sich mit der Biomechanik dieses Sports zu befassen. Einer von ihnen ist mein Freund Helmut Appel, weiland Professor und Dekan an der Universität Karlsruhe. Unter dem Titel "Physikalische Aspekte des Golfspiels" veröffentlichte er eine Darstellung der Strömungsphysik und des Designs von Bällen und Schlägern über sechs Seiten hinweg. (Siehe: Physikalische Blätter 56 (2000) Nr. 10). Der physikalische Laie wird seinem Darlegungen zum Magnuseffekt, den Bernoulli-Gleichungen und dem dynamischen und statischen Druck nicht immer folgen können, aber zum Schluss seiner Veröffentlichung kommt er zu ernüchternd-ehrlichen Erkenntnissen.

"Der praktizierende Golfer möge nicht erwarten, nach der Lektüre unmittelbar ein niedrigeres Handicap zu erspielen. Zur Warnung sei auf die Berichte der Konferenz "Golf and Science" verwiesen. Auf diesen, eine Woche währenden Konferenzen, wird jeweils der Mittwoch frei gehalten, um praktisches Golf zu üben. Von den Konferenzteilnehmern wird berichtet, dass sie dann das schlechteste Golf des ganzen Jahres spielen".

"Die Erklärung ist offenbar:  Paralyse durch Analyse".

Sonntag, 16. Oktober 2011

Ein Abstecher nach Budapest

Wenn man schon mal in Wien ist - um zwischen Grinzing und dem Burgtheater Kultur zu tanken - dann sollte man einen Abstecher nach Budapest nicht scheuen. Gesagt, getan und so fuhren Brigitte und ich in knapp drei Stunden mit der Bahn in die ungarische Hauptstadt.

Hinreissender Anblick, verblichene Pracht

"Man muss Budapest von oben und zur Nacht gesehen haben", sagte Klaus Mann einmal und recht hat er. Der Hauptbahnhof, auf dem die Züge von Wien ankommen, sieht samt seiner Umgebung etwas ramponiert aus und so waren wir froh, als uns Freund Hess in seinem Auto sogleich auf die hochgelegene Zitadelle kutschierte. (Übrigens: ich spreche nicht von Rudolf Hess, weiland Stellvertreter des "Führers", sondern von Dr. Bernhard Hess, früher Wissenschaftler bei der Firma Interatom/Siemens, der in seiner Berufszeit die Welt mit Schnellen Brütern beglücken wollte.) Bernhard und seine charmante Frau Dagmar führten uns an die geografisch richtigen Stellen und Budapest lag buchstäblich zu unseren Füssen: im Westen der bergige Stadtteil Buda, im Osten weit hingestreckt der flache Stadtteil Pest. Beide zusammen bilden die Stadt Budapest. Und dazwischen der Donaustrom, den die Ungarn Duna nennen. Ein Fluss, der gleichermassen trennt und verbindet: vierhundert Meter breit und sechs Meter tief. Damit verglichen ist die vielbesungene Donau in Wien ein armseliges Gerinne.


Blick vom Stadtteil Buda auf Pest;
im Vordergrund die Donau und die Kettenbrücke

Neun Brücken überqueren die Donau im Bereich der Stadt Budapest. Die Kettenbrücke ist die imposanteste. Sie wurde vor hundertfünfzig Jahren, während der Habsburger Zeit, von dem Engländer Adam Clark gebaut. Er war auf sein Bauwerk so stolz, dass er öffentlich verkündete, sich in die Donau stürzen zu wollen, falls es jemand fertigbrächte, ihm einen Baufehler nachzuweisen. Das gelang schliesslich einem  Bäckerjungen, der darauf hinwies, dass die vier steinernen Löwen an Auf- und Abfahrt der Brücke in ihren aufgerissenen Mäulern keine Zungen hätten. (Es ist nicht bekannt, dass Mister Clark daraufhin den Freitod gesucht hätte.)

Budapest besitzt eine Vielzahl repräsentativer Gebäude, die zumeist aus der k u. k - Zeit stammen. Kaiser Franz-Joseph und vorallem seine ungarophile Gemahlin Elisabeth (genannt "Sisi") versorgten Budapest mit den erforderlichen finanziellen Ressourcen. So entstanden eine grosse Zahl von Bauten im Stil der Neo-Klassik, des Neo-Barocks und sogar des Jugendstils, welche Wien durchaus Konkurrenz machen konnten. Mit dem Ende des Habsburgerreiches nach dem verlorenen 1. Weltkrieg verfielen diese Bauten und der 2. Weltkrieg sowie die nachfolgende sowjetische Besatzung taten ihr Übriges. Heute ist teilweise eine verblichene Pracht sichtbar, der man gerne finanzkräftige Investoren wünschen möchte.

Wenn man als Tourist nach Budapest kommt, sollte man die Badehose im Gepäck haben. Die Stadt besitzt nämlich 120 heisse Quellen und nennt sich zu Recht "Spa Capital of Europe". Es gibt eine Unzahl prächtiger Thermalbäder, zumeist in türkischem Stil, wovon das Gellertbad mit seinen hohen Marmorsäulen und seine bunten Mosaiken wohl das bekannteste ist. Der grösste badetaugliche Thermalsee mit sage und schreibe 4,4 Hektar befindet sich am Plattensee (Balaton) und erneuert sein Wasser alle 48 Stunden. Selbst im Winter sinkt die Temperatur nie unter 23 Grad Celsius. Der Seegrund ist von radioaktivem Schlamm überzogen und dies wird offensichtlich hingenommen. (Wie die vier uralten Kernkraftwerke russischer Bauart, welche Ungarn 43 Prozent seines Strombedarfs liefern.)

"Ich denke oft an Piroschka"

Im Nachkriegsdeutschland wurde ein Film mit Liselotte Puver zum Renner. Als Piroschka und Tochter eines Stationsvorstehers lernt sie in der ungarischen Provinz den deutschen Austauchstudenten Andreas (Gunnar Möller) kennen und lieben. Die beiden kommen sich trotz der Sprachprobleme näher, aber der Name des winzigen Orts in der Puszta - den es wirklich auch heute noch gibt - war lange Zeit ein Lacherfolg für das Kinopublikum. Er hiess:  Hódmezövásárhelykutasipuszta.

Das Ungarische kennt keinen vorgeschriebenen Satzbau, stattdessen "klebt" man die Silben aneinander, was zu irritierender Länge der Ausdrücke führt. Hinzu kommt, dass die Akzente die Silben zuweilen ganz anders klingen lassen; Beispiel: Úngaarland. Mancher gebürtige Ungar, wie Franz Liszt hat darauf verzichtet ungarisch zu lernen und zeitlebens deutsch und französisch gesprochen. Andererseits konnte die schon genannte Kaiserin Sisi fliessend ungarisch sprechen, was wohl ein Grund ihrer Beliebtheit bei den Magyaren war.

Das Ungarische hat keine Verwandschaft mit den den germanischen, romanischen oder slawischen Sprachen, sondern ist in Mitteleuropa vollkommen isoliert. Angeblich ging es aus der finno-ugrischen Sprachfamilie hervor. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Finnen Ungarisch verstehen oder die Ungarn Finnisch. Für einen Ausländer ist es schlechterdings unmöglich die ungarische Sprache ratend zu verstehen oder sie korrekt auszusprechen. Schon ein einfacher Akzent kann zu einer totalen Bedeutungsveränderung führen. Bekannt ist folgendes Beispiel: ein ungarisches Wort, lang ausgesprochen, hat die Bedeutung von "Zeug"; bei kurzer Aussprache aber - Pardon - von "Arsch".
Zum Glück verstehen noch viele Ungarn deutsch (oder englisch), sodass man als Tourist selten in Verlegenheit kommt.

Vom Gulasch zum Tokayer

 Wer sich auf Diät befindet, beziehungsweise Vegetarier (oder gar Veganer) ist, sollte Ungarn tunlichst meiden. Die Küche der Magyaren ist ländlich und fleischlastig. Man kocht schwer, mit viel Schweineschmalz und saurer Sahne. Bei meiner Ankunft in Budapest und mit kräftigen Hunger ausgestattet, bestellte ich nach Durchsicht der Speisekarte Gulyás - worauf ich enttäuschenderweise nur eine dünne Gulaschsuppe erhielt. Noch wusste ich nicht, dass unser deutsches Gulasch im Ungarischen Pörkölt und so als Schmorgericht überall erhältlich ist. Das kleine grüne Gemüseschnitzchen (aufgestellt am Rand der Suppenschale) ass ich so nebenbei - und fiel fast vom Stuhl. Es war eine Paprikaschote und zwar von der ganz scharfen Sorte, welche man so in Deutschland nie bekommt.

Zum Repertoire der Magyarenküche gehörte in unserem Hotel auch die Gänsestopfleber (Libamáy). Sie wurde in grossen Stücken serviert und ein kundiger Hotelgast erzählte mir, dass Ungarn der grösste Gänsestopfleberproduzent der Welt sei. Der bedeutendste Abnehmer sei Frankreich und insbesondere das Departement Elsass. Ein Hoch der Grande Nation für ihre ausgezeichnete Foie Gras! Ein Beitrag der Ungarn zum weltweiten "Fast Food" ist der Lángos, ein Hefegebäck in Schmalz herausgebacken. Beim Karlsruher Weihnachtsmarkt schmeckt er mir immer ausgezeichnet, sodass ich ihn einmal im Ursprungsland geniessen wollte. Dazu begab ich mich zu den Markthallen, einem 150 Meter langen luftigen Bau aus Glas und Stahl an der Donau. Der Lángos war nicht länglich sondern kreisrund und hatte die Grösse einer mittleren Pizza. Er triefte vor Fett und war bedeckt mit einem Zentimeter intensiv gezuckertem Pfirsichmus. Nach der Hälfte musste ich aufgeben.

Kommen wir zu den Weinen. Ganz Ungarn könnte ein einziger Weinberg sein, zumindest was die klimatischen Voraussetzungen anlangt. Am bekanntesten ist die Region um Tokay im Nordosten des Landes. Der Tokayer war früher jener edelsüsse Dessertwein, den sich nur Fürsten und Könige leisten konnten. Inzwischen haben die Winzer dort ihr Sortiment verbreitert, sie bieten ihn auch sehr trocken an  - ohne an Qualität zu verlieren.
Das "Erlauer Stierblut" war früher ein ordinärer Rotwein, bei dem der anschliessende Kater gesichert war. Die ungarischen Soldaten tranken ihn vor ihren üblichen Scharmützeln mit den Türken, worauf diese regelmässig die Flucht ergriffen. Heute ist auch er in der Klasse so gestiegen, dass ihn sogar der britische Weinpapst Hugh Johnson als "Bulls Blood" der Domaine Szekszárdi Bikavér in seinem Handbuch lobend erwähnt.

Ein Erlebnis der besonderen Art war eine Weinprobe tief im "Faust-Keller" des Hilton-Hotels auf dem Burgberg. Dort konnten wir, bei anregenden Gesprächen, acht verschiedene Weiss-und Rotweine der ungarischen Provenienz geniessen. Der Keller liegt so tief, dass elektromagnetische Geräte, wie Mobiltelefon oder Kasse, nicht funktionieren. Wir mussten also bar bezahlen!

Bernhard und Dagmar wollen sich diesen Umstand nicht immer antun und haben deshalb ihren eigenen Weinberg am Balaton. Besucher sind willkommen. Stossen wir schon mal mit den beiden an:

Egészségedre!

Sonntag, 17. Juli 2011

Die Freiheit der Lüfte

Mensch, Willy, was waren das noch für Zeiten, als uns die Firma nach USA und Japan auf Dienstreise schickte...mit Lufthansa, zumindest aber mit Air France oder Suisse Air...als Projektleiter immer  Business-Class...manchmal auch Erste  Klasse, wenn sich ein Upgrade ergab...und vorher ein, zwei angenehme Stunden in der Airport-Lounge für Vielflieger...häufig unter irgendwelchen Promis aus Politik oder Fernsehen...ja, und die Flieger waren meist zur Hälfte leer...bei Langstreckenflügen konnte man sich quer auf drei Sitze legen...gut versorgt mit Kissen und Decken...und die Stewardessen...knapp berockt...waren noch attraktiv anzusehen...versorgten uns mit Cocktails und guten Weinen bis zum Abwinken...und diese kostenlosen Stoppover in Bangkok und Honolulu...meist drei Tage übers Wochenende...ging eben nicht anders, wenn die Sitzung in Kioto am Freitag vormittag zu Ende war...und die internationale Konferenz in San Francisco erst am Montag abend begann...mit einem kleinen Umtrunk...nun,ja, durfte man aus Respekt gegenüber dem Gastgeber nicht versäumen...


...welch ein Unterschied zu heute...nun sind wir Rentner...alte Deppen... und unsere Gattinnen...auch schon leicht angejahrt...wollen mit uns zum Urlaub nach Mallorca oder Antalya fliegen...und das auch noch auf eigenes Geld...vorbei die Zeiten der Lufthansa...jetzt heisst´s  Billigflieger buchen per Internet...und Anfahrt mit dem Baden-Württemberg-Ticket der Regionalbahn...und die Flugzeuge sind proppenvoll...ausbucht bis auf den letzten Platz...in Russland soll Airflot sogar schon Stehplätze anbieten...soweit sind wir noch nicht...aber auch hier sind die Sitze verdammt eng...und die Dreierreihen knapp hintereinander aufgestellt...wundere mich immer wie so ein Burgerfresser mit einem Gewicht von hundert Kilo plus sich da reinzwängen kann...ist aber auch für uns schwierig...



...fängt schon damit an, dass man sich als Passagier auf dem mittleren Sitz meist endlos und subtil um die Armlehnen streiten muss...wieso, der Fluggast rechts von dir soll sich gegen das Fenster lehnen und der Linke gegen den Gang...du meinst, beiden genügt eine einzige Armlehne?...klar, und du darfst beide benutzen, weil du in der Mitte ohnehin benachteiligt bist...gewissermassen der Trostpreis...funktioniert aber nicht immer...manchmal sitzt man neben einen Rüpel, der sich einfach maximal ausbreitet und seine Pratzen auf  beide Lehnen legt...fürwahr, dann hilft nur ein kleiner Guerillakrieg...was?...du legst deine Hand auf den hinteren Teil der Armlehne...und ?...wenn der Rüpel unaufmerksam wird...schiebst du sie langsam vor... und lässt sie dort eisern liegen...



...ein Problem ist auch die Rückenlehne...manche klappen sie sofort zurück, sobald der Flieger in der Luft ist...deren gutes Recht...ja, und ich bin dann eingequetscht wie ein Sandwich...mach das Gleiche!...hab aber Hemmungen, wenn ich aus den Augenwinkeln bemerke, dass mein Hintermann seinen Laptop auf dem Tablett aufgestellt hat...sicher, dafür ist in heutigen Flugzeugen kein Platz.mehr...manchmal halte ich auch mit meinen Knien dagegen, wenn mich der Vordermann mit seiner Lehne zerdrücken will...aber wohl nicht lange...ja, ermüdet sehr und man erntet böse Blicke...Schlimmes kann passieren, wenn der Vordermann nicht langsam, sondern ruckartig die Lehne zurückstellt... und man einen Pappbecher heissen Kaffees auf dem Tablett hat...passiert heute nur noch selten...ja, weil die Fluggesellschaften rücksichtsvollerweise kein Essen mehr anbieten...und wenn, dann nur gegen happige Bezahlung...


...aber manchmal muss man eben doch, trotz mieser Bewirtung, die Bordtoilette aufsuchen...häufig, wenn der Passagier auf dem Gangsitz eingeschlafen ist...ich warte dann immer bis es nicht mehr geht...und dann kriechst du über seine Beine hinweg?..nein dafür bin ich zu klein, würde ihn vielleicht auch erschrecken, wenn er dabei aufwacht...ich tippe ihn leicht an und sage: Entschuldigung, Toilette...manche Fluggäste sind sehr berührungsempfindlich...ja, man sollte weder Hand noch Bein noch Kopf berühren...Amerikaner rufen in solchen Fällen schon mal ihren Anwalt...mir noch nicht passiert, ich tippe nur leicht seine Schulter an...aber am liebsten sind mir Mitreisende, die alle 2 Stunden von sich aus aufstehen und laut verkünden, dass sie sich etwas die Beine vertreten wollen...ja, das sind die echten Profis.


Postscriptum:  Meinen treuen Bloglesern sage ich an, dass ich ab jetzt eine Sommerpause             einlege.


Ich wünsche allen schöne Ferien.


Sonntag, 16. Januar 2011

"Schwarzgeld" - Transfer aus der Schweiz

Es war in der schönen Schweiz. Wir wollten, mit einigen Anverwandten, in der nahen Grenzstadt Basel den Geburtstag meiner Frau Brigitte feiern. Geplant war ein Abendessen in dem renommierten Hotel "Drei Könige", Übernachtung inclusive und Rückfahrt am folgenden Montag nach Karlsruhe.

Gesagt, getan. Das Dîner im Restaurant, mit Blick auf den Rhein und die Stadtsilhouette, war superb, die Übernachtung in der Suite dem Preis angemessen. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, zückte ich an der Rezeption meine Kreditkarte und bezahlte die Rechnung, welche für einen Rentner durchaus substantiell war. Man wollte mein Auto aus der Tiefgarage holen lassen, es aber vorher noch waschen, was im Hotelservice wohl inbegriffen ist. Somit ergab sich vor der Abreise noch eine kleine Zeitspanne, während der Brigitte und ich noch etwas durch die Altstadt schlendern wollten.

Die Geschäfte der Basler Innenstadt unterscheiden sich von jenen in Karlsruhe sehr vorteilhaft, was die Ladenausstattung und das Angebot anlangt. So kauften wir da und dort eine Kleinigkeit, zum Beispiel in einem Schreibwarengeschäft einige Bogen edlen Briefpapiers, welches zudem noch in eine attraktive Tragtasche verpackt wurde. Auf dem Rückweg konnte ich es mir nicht verkneifen, den Schalterraum einer berühmten Schweizer Bank aufzusuchen und nach einigen Informationsmaterial zur wirtschaftlichen Entwicklung Ausschau zu halten.

In der Zwischenzeit war unser Auto, wohlbepackt und blitzsauber vor der Hoteleinfahrt geparkt. Ich versenkte meine Tragtasche im Kofferraum, gab dem Hotelbediensteten den erwarteten Obolus und fuhr los.

Verfolgt und angehalten

Meiner Veranlagung entsprechend wollte ich mein Auto mit billigerem Schweizer Benzin auftanken, um die Gesamtaufwendungen dieses Kurzurlaubs - relativ - etwas zu drücken. Auf der Suche nach einer Tankstelle fuhren wir kreuz und quer durch die Stadt und dabei hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass mir ein weisses Sportauto folgen würde. Als wir bei der Rheinbrücke ankamen und auf die Zollgrenzstation einmündeten, war das weisse Auto immer noch hinter uns, ja es wechselte sogar - genauso wie wir - öfters die Fahrspur. Kurz vor der Einfahrt in den Zollbereich bog es jedoch in eine unauffällige Sonderspur ab, welche nur für LKWs zugelassen war und die wieder nach Basel zurück führte. Brigitte, welche das ebenfalls beobachtete, konnte noch erkennen, dass der Fahrer bei dieser Gelegenheit sein Handy am Ohr hielt, also offensichtlich (unerlaubterweise) ein Telefonat führte.



Hotel Drei Könige

Wie wir erkennen konnten, winkten die deutschen Grenzbeamten die Autos zügig und ohne Kontrolle durch. Gleiches erwarteten wir bei uns - aber weit gefehlt. Zwei Zöllner nahmen uns von weitem schon ins Visier, es schien, als hätten sie geradezu auf uns gewartet. Man stoppte uns uns sehr bestimmt und dirigierte uns in eine Wartebucht. Dort kontrollierten sie, relativ oberflächlich, unsere Personalausweise, denn Brigittes Ausweis war bereits seit einigen Tagen abgelaufen, ohne dass dies moniert wurde. Stattdessen fragte der (von den Achselklappen her erkennbare) Oberzöllner ganz dediziert und im ernsten Ton: "Führen Sie mehr als 1o.000 Euro Bargeld mit sich?" Mich überraschte und amüsierte dies, denn Bargeld in diesem Umfang habe ich praktisch nie bei mir. Deshalb gab ich etwas flapsig zurück: " Meine Herren, ich habe all mein Geld im Hotel "Drei Könige" abgeliefert". Der Zollbeamte ging auf diesen müden Scherz nicht ein, setzte eine noch ernstere Miene auf und wiederholte: "Ich frage Sie jetzt noch einmal ganz offiziell: haben Sie Bargeld im Wert von über 10.000 Euro bei sich"? Im vollen Bewusstsein meiner Unschuld replizierte ich: "Das würde mich freuen, aber ich glaube nein."



Deutsche Zöllner

Daraufhin befahl uns der sichtlich verschnupfte Oberzöllner auszusteigen und seinen Unterzöllner wies er an, unser Fahrzeug zu durchsuchen. Das geschah nicht nach der üblichen bekannten Methode, wie Kofferöffnen und so, sondern offensichtlich hatte man es auf unsere Tragtaschen abgesehen. Zuerst stürzten sich die Staatsdiener auf meine weisse Tasche mit der ich aus der Bank kam. Als sie dort nur Briefpapier und volkswirtschaftliche Prospekte vorfanden, waren sie sichtlich enttäuscht. Sie liessen noch den Koffer öffnen, in der Brigitte zwei ähnliche Tragtaschen mit ähnlich unverdächtigen Inhalt verstaut hatte. Nun, um die Story kurz zu machen, die Herren Beamten fanden nichts, was zu verzollen war, insbesondere kein Bargeld in grösserem Umfang. Sie winkten mich aus der Bucht und ich konnte mich bei der Abfahrt nicht zurückhalten, sie mit der süffisanten Bemerkung zu trösten: "Meine Herren, nehmen Sie es nicht tragisch, man kann nicht immer fündig werden."

Eine Vermutung

Auf der Rückfahrt nach Karlsruhe besprachen Brigitte und ich diesen Vorfall und wir kamen zu folgender Vermutung: offensichtlich hatte ein "Spitzel" mich bei meinem Abstecher in die Bank beobachtet. Als meine Tragtasche - wegen des Prospektmaterials - beim Verlassen der Bank reichlicher gefüllt war, als beim Eintritt, hatte er wohl vermutet, dass ich dort Geld abgehoben und es (unauffälligerweise) in der weissen Tasche mit dem Aufdruck des Schreibwarengeschäfts verborgen hätte. Vermutlich wird er bereits beim Hotel die Grenzbeamten informiert haben, mich aber noch bis zur Zollstation begleitet haben um mich dort "sicher" zu übergeben. Der Rest ist bekannt.

Die deutschen Zollbeamten konnten eines nicht wissen: noch nie hatte ich - obwohl ich schon sehr oft die schöne Schweiz besucht habe - das Bedürfnis gefühlt, dort ein Bankkonto zu eröffnen. Bekanntermassen sind die Zinsen (und damit die Rendite) in der Schweiz noch geringer als in Deutschland. Lohnen würde sich eine derartige Transaktion also nur mit unversteuertem Schwarzgeld, am Finanzamt vorbei.

Aber das überlasse ich Zumwinkel & Co.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Trüffel satt

Der Mai ist der Hauptmonat für den Spargel; der Oktober gehört den Trüffeln. Zur Spargelsammelstelle in Bruchsal fährt man blosse 20 Kilometer; zu den Fundstellen des italienischen Trüffels, z. B. in der Region Marken, muss man sich 2.000 km (hin und zurück) bewegen.


Trüffel sind also schweineteuer, was mich elegant auf das wichtigste Tier in diesem Nahrungsmittelbereich bringt: das Trüffelschwein . Da der Trüffelpilz etwa einen viertel Meter unter der Erde wächst, ist er auch von einem scharfäugigen Pilzsammler nicht ausfindig zu machen. Das (weibliche) Schwein jedoch, mit seinem hochempfindlichen Sensorium im Rüssel, nimmt durch winzige Bodenspalten den intensiven Duftstoff der Trüffel auf, die dem Sexualreizstoff des Ebers ähneln. Leider wird es sofort nach der Entdeckung dieses Aphrodisiakums sehr wild, stösst mit dem Rüssel in kürzester Zeit ein tiefes Loch in den Boden und versucht den wertvollen Trüffel selbst zu fressen. Der Schweineführer muss also höllisch aufpassen, sonst landet seine Delikatesse im Magen der Sau. Wegen dieser Bodenzerstörung ist in Italien seit einiger Zeit die Trüffelsuche mit den Schweinen verboten. Man behilft sich stattdessen mit abgerichteten Húnden, die beim Fündigwerden nur leicht mit den Pfoten an der Bodenoberfäche scharren.


Der Pilzkundler unterscheidet etwa ein gutes Dutzend verschiedener Trüffelarten, der Gourmet im Grunde nur zwei: den weissen Trüffel (italienisch: tartufo bianco) und den schwarzen Trüffel (tartufo nero). Die Trüffel wachsen bevorzugt in Italien unter ausgedehnten Eichenwäldern. Berühmt sind die Plätze im piemontesischen Alba und in den Marken, einer Region, die sich von der Toskana bis zur Adria hin erstreckt. (Schwarze Trüffel guter Qualität gibt es auch im französischen Perigord). Zumeist werden die Trüffel im Herbst und Winter geerntet; Sommertrüffel sind geschmacklich weniger intensiv.


Das Mekka der Trüffelfreunde ist der kleine unscheinbare Ort Acqualagna in den Marken. Dorthin zog es uns für eine Woche in diesem Oktober. Denn Trüffelkauf ist Vertrauenssache; als Laie kann man dabei schwer über den Tisch gezogen werden. Die Pilzknollen sehen äusserlich sehr unscheinbar aus; ihr Wert bemisst sich in erster Linie nach ihrem Gewicht. Es soll schon vorgekommen sein, dass der Käufer zuhause (schwere) Schrotkugeln in seinen Trüffeln fand, was vorher den Kaufpreis natürlich entsprechend in die Höhe getrieben hat.


In einem typischen Trüffelladen in Acqualagna kommt man sich ein bisschen vor wie in der Diamantengasse von Amsterdam. Der Verkäufer entnimmt ein sorgfältig zusammen geschlagenes Tuch aus einer gekühlten Vitrine, öffnet es andachtsvoll vor dem Kunden und sofort strömt diesem ein betörender Schwall des moschusartigen Trüffelaromas entgegen. Weisse Trüffel duften besonders intensiv und sind deshalb auch ein Mehrfaches teurer als die schwarze Sorte. Derzeit liegt der Preis für tartufi bianci bei 2 bis 3 Euro pro Gramm. Eine mittelgrosse Knolle von 20 g kostet also um die 50 Euro. Abgewogen werden die Trüffel in einer speziellen Feinwaage, die genauestens justiert werden kann. Man wickelt sie in saugendes Papier ein und zuhause sollte sie unbedingt im Kühlschrank gelagert werden. Noch besser ist es, wenn sie sofort verarbeitet und genossen werden. Denn insbesondere der weisse Trüffel verliert sein Aroma schon nach einer Woche, schwarze halten etwas länger vor.


Geruch und Geschmack der Trüffel entfalten sich besonders gut, wenn man einen Geschmacksträger einsetzt. Am besten dafür eignen sich Butter und Eigelb. Der Feinschmecker bevorzugt die einfache Art der Trüffelzubereitung: Omelett, Rührei oder Eiernudeln mit Butter. Dabei wird der Trüffel nach der Zubereitung der Nudeln in hauchdünne Scheiben geschnitten und auf die Pasta gestreut. In Italien verwendet man bevorzugt Tagliatelle, also die bekannten Bandnudeln. Um Eier zu aromatisieren, kann man frische Eier zusammen mit Trüffel in einem verschlossenen Glas etwa zwei Tage lagern. Anschliessend wird Rührei bereitet, das fantastisch nach Trüffeln schmeckt.


Schliesslich gibt es mittlerweile eine Menge Produkte, die es gestatten, den Trüffelgeschmack über längere Zeit zu konservieren. In erster Linie zu nennen ist das Trüffelöl, auf der Basis von Olivenöl, das in kleinen, attraktiven Flaschen abgefüllt wird. Darüberhinaus werden auch alerlei Cremes und Pasten angeboten, die sich hervorragend für Aufstriche von gerösteten Weissbrotscheiben eignen - genossen mit Champagner, beispielsweise. Das ausgefallenste Produkt ist der Schokoladentrüffel, dem echter schwarzer Trüffel beigemengt ist und der überraschend gut schmeckt.


Einen grossen Bogen sollte man um Liköre machen, bei denen ein Stück Trüffel in der Flasche herumschwimmt. Brr!

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Dr. Willy Marth
Im Eichbäumle 19
76139 Karlsruhe

Telefon: +49 (0) 721 683234

E-Mail: willy.marth -at- t-online.de