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Sonntag, 30. September 2018

Gerhard Heusener +

Dr. Gerhard (Gerd) Heusener ist am 9. September 2018 im Alter von 78 Jahren nach längerer, schwerer Krankheit verstorben.

Gerd wurde 1940 in Bochum geboren und studierte an der Technischen Hochschule Aachen Maschinenbau und Reaktortechnik. 1964 trat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter dem Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) bei, wo er bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 2002 verblieb.

Zu seinen ersten anspruchsvollen Aufgaben im KfK gehörte die erfolgreiche Analyse des Kernschmelzenstörfalls beim Brutreaktor SNR 300, wodurch 1973 dessen atomrechtliche Baugenehmigung erlangt werden konnte. Des weiteren leitete er die Blockadeexperimente an natriumgekühlten Brennelementen (Mol 7C) sowie als Projektführer die Transientenversuche an der französischen Reaktoranlage CABRI. Im Zuge dieser und weiterer komplexer Experimente und theoretischer Analysen stieg Dr. Heusener zum Projektbevollmächtigten und zum stellvertretenden Leiter des Großprojekts PSB auf. Auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit war Gerd ein international bekannter  und angesehener Wissenschaftler.

Am 20. September 2018 wurde Dr. Gerhard Heusener auf dem Friedhof Untergrombach im Kreise seiner Angehörigen und Bekannten verabschiedet und dort seine Urne beigesetzt.


Gerd Heusener (1940 – 2018)

Freitag, 13. Januar 2017

Professor Peter Komarek ✝

Professor Dr. Peter Komarek ist am 23. November 2016 im Alter von 75 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Peter Komarek war von 1985 bis 2006 Leiter des Instituts für Technische Physik im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe. Das ITEP erreichte unter ihm eine weltweit führende Stellung auf dem Gebiet der Supraleitung und der NMR Spektrometrie. Der Test der Toroidalfeldspulen war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Fusionsprojekt ITER.

Komarek war Honorarprofessor an den Universitäten Karlsruhe und Graz sowie außerdem Mitglied in vielen nationalen und internationalen Vereinigungen. Für seine Leistungen erhielt er u. a. den Mendelson Award der Kryogenic Konferenz.


Professor Peter Komarek
(bei seiner Verabschiedung 2006)

Innerhalb des Forschungszentrums war Komarek viele Jahre lang Vorsitzender des Wissenschaftlich-Technischen Rats (WTR). Dieses Gremium (in etwa vergleichbar mit dem Senat des KIT) hatte Organfunktion in der Leitung des Forschungszentrums. Das F+E-Programm sowie die Bestellung des Vorstands, der Instituts- und Projektleiter bedurften der Zustimmung des WTR. Professor Komarek leitete den Rat, der stets im Spannungsfeld von Vorstand, Zuwendungsgeber und Delegierten stand, mit Bravour.

RIP, lieber Peter
von Deinem Freund und Kollegen
Willy Marth
(ehemals Stellvertretender Vorstand des WTR)

Dienstag, 15. September 2015

In memoriam: Professor Lothar Köster

Kurz vor seinem 93. Geburtstag ist Professor Dr. Lothar Köster am 7. September 2015 in Garching verstorben. Er war 29 Jahre lang - von 1958 bis 1987 - Technischer Direktor des ersten deutschen Forschungsreaktors FRM in München-Garching. Unter Kösters Leitung entstand eine effektive Betriebs- und Organisationsform am FRM, die sowohl die hohen Sicherheitsanforderungen als auch die Wünsche der Forscher nach möglichst viel wissenschaftliche Freiheit erfüllte. Der Verfasser dieses Nachrufs hatte die Ehre und das Vergnügen unter Professor Köster die Anlagen zur Bestrahlungstechnik am FRM mit aufbauen zu dürfen.

Lothar Köster wurde am 9. Oktober 1922 in Essen geboren und studierte Physik an der Universität Heidelberg. Nach seiner Promotion 1953 bei Heinz-Maier-Leibnitz und Walter Bothe ging er für kurze Zeit als Abteilungsleiter zum Isotopenlabor der damaligen Farbenfabrik Bayer. Professor Maier-Leibnitz berief ihn später als Chef  für den Reaktor FRM. Köster gelang es mit einer kleinen, von ihm ausgewählten Mannschaft und mit geringen Kosten alle TÜV-Anforderungen zur Erhöhung der Reaktorleistung von 1 Megawatt auf 2,5 MW und schließlich auf 4 MW zu erfüllen.


Professor Dr. Lothar Köster (1922 - 2015)

Köster organisierte in Garching nicht nur den Betrieb, sondern baute auch selbst große Experimente auf. Zu nennen ist das Schwerkraftrefraktometer, das weltweit die genaueste Bestimmung der Wechselwirkungen zwischen Neutronen und Protonen erlaubte. Weitere Versuche waren die Präzisionsmessungen zu kohärenten Streulängen. Schließlich entstand in den 80er Jahren unter Kösters Leitung die Konverteranlage am FRM, welche die Strahlentherapie von oberflächennahen Tumoren mit schnellen Neutronen ermöglichte. Dazwischen habilitierte er und hielt Physik-Vorlesungen an der Technischen Universität München. Für seine vielfältigen technischen und wissenschaftlichen Leistungen erhielt Lothar Köster 1987 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Köster war ein typischer Vertreter der Kriegsgeneration. Noch während des Abiturs wurde er zum sogenannten Reichsarbeitsdienst einberufen und 1942, als 19-jähriger, musste er als Infanterist an die Ostfront. Bei einem Meldegang riss ihn 1943 eine Granate von den Füßen. Zahlreiche Granatsplitter drangen in beide Beine ein und verwundeten ihn lebensgefährlich. Sein ganzes weiteres Leben hatte Köster unter den Spätfolgen dieser Verwundung zu leiden; mit zunehmendem Alter war das Gehen schmerzhaft und eingeschränkt. Kurz vor Kriegsende, im April 1945 wurde er gefangen genommen. Die Bedingungen im Lager waren grausam: die Soldaten lagen wochenlang bei Kälte und Nässe (ohne Unterlage und Decke) auf dem blanken Erdboden.

Als größtes Glück seines Lebens bezeichnete Lothar Köster die Eheschließung mit Frau Dr. Hertha Müller, die er schon seit der Schulzeit kannte. Sie schenkte ihm drei wohlgeratene Kinder (Karin, Dora und Ludwig), die bis zu ihrem Tod im Oktober 2011 ein ständiger Quell der Freude und Kraft waren und fortan den Vater während seiner letzten vier Jahre rührend betreuten.

Professor Lothar Köster hat in seinem langen Leben viel geleistet und viel erlitten. Für seine Angehörigen, seine Freunde und Mitarbeiter wird er in steter Erinnerung bleiben.

Dr. Willy Marth, Karlsruhe

Donnerstag, 19. Februar 2015

Jacques Bouchard verstorben

Dr. Jacques Bouchard, ein international bekannter französischer Kernenergieexperte, ist am 30. Januar 2015 im Alter von 76 Jahren einem Krebsleiden erlegen. In einem Communiqué des Elysée wurden das "Andenken an diesen Ingenieur und seine großen Verdienste um Frankreich" gewürdigt.

Jacques Bouchard studierte an der Ecole Centrale Paris Kernphysik und trat 1964 der französischen Kernenergieorganisation CEA bei, wo er bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn blieb. Dort erledigte er anfangs Untersuchungen im Bereich der Druckwasserreaktoren und des Brennstoffkreislaufs.

Im Jahr 1988 wurde Bouchard zum Chef des Departements für Schnelle Reaktoren ernannt. Dort förderte er insbesondere die Untersuchungen heterogener Reaktorkerne und die Arbeiten zur Transmutation der Aktiniden. 1990 stieg er zum Direktor DRN für alle CEA-Reaktoren auf und hatte große Verdienste um das Zustandekommen der europäischen Brüterkooperation und des EFR.



Jacques Bouchard

Im Jahr 2004 wechselte er innerhalb des CEA zum Bereich DAM, wo er das Programm zur Simulation von Neutronentransport in Materialien via Großcomputer lancierte. Anschließend war er zuständig für Versuche im Pazifik und für den Aufbau des Hochleistungslaser LMJ.

Im Jahr 2000 kehrte er zum Kerntechnikbereich der CEA zurück, den er bis zu seinem Ruhestand und seiner Ernennung als Sonderberater der CEA-Generaldirektors betreute. Von 2006 bis 2009 war Bouchard Präsident des Forums GIF für die fortgeschrittenen Reaktoren der Generation IV.

Dr. Bouchard vertrat das CEA und sein Land bei einer Vielzahl ranghoher Positionen. Zu nennen ist die Präsidentschaft bei SFEN, sowie beim Beratungskomitee der IAEA sowie bei Kooperationsverträgen mit USA, Japan und den Emiraten. Daneben war der freundliche, Pfeife rauchende gebürtige Burgunder Professor bei der Ecole de Mine in Paris und dort bei seinen Studenten sehr beliebt. Als Anerkennung wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und zum Officier dans l´Ordre National du Mérite.

Jacques Bouchard ist auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beerdigt.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Helikopter-Eltern jetzt und einst

Die deutsche Sprache ist reich an Wörtern und jeden Tag gebärt sie weitere. Relativ neu ist das Wort "Helikoptereltern". Es charakterisiert die in Mode gekommene extreme Überbehütung der Schulkinder durch die Eltern. Wie Hubschrauber kreisen sie besorgt über ihren Nachwuchs. Pädagogen wie der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, differenzieren sogar in Transport-, Rettungs- und Kampfhubschrauber. Zur ersten Kategorie zählen die "Mami-Taxis", welche die Kinder im Auto bis vor das Schulgebäude fahren; die Rettungshubschrauber bringen die vergessenen Sportbeutel und die Kampfhubschrauber beschweren sich ständig über Noten, Lehrpläne und Disziplinärmaßnahmen.

Moderne Gluckeneltern

Auf meinen Autofahrten von der Waldstadt zur Karlsruher Innenstadt komme ich an einer Waldorfschule und einem Gymnasium vorbei. Dabei erlebe ich direkt, wie viele Eltern ihre Zöglinge im Auto zum Schuleingang bringen und dort zumeist verkehrsbehindernd parken, weil sie eigenhändig den Ranzen bis ins Klassenzimmer tragen, ja sogar dabei helfen, dem Sohn oder der Tochter die Hausschuhe anzuziehen. Es soll bereits Schulen geben, die "no-go-areas" eingerichtet haben, vor denen sich die Eltern  (per Kuss) von ihren Kindern verabschieden müssen.

Nach Schätzung von Psychologen tendieren ca. 20 Prozent der Eltern zu solcher Überbehütung. Sie wollen instinktiv ihr "Wertvollstes" nicht aus der Hand geben und den Lehrern überantworten. Und das in einer Zeit, in der junge Leute nicht selten Urlaub in den Backlands von Australien machen oder mit der sibirischen Eisenbahn bis nach Wladiwostok trampen. Der dänische Psychologe Bent Hougaard prägte für die überbesorgten Eltern den Begriff "Curling-Eltern". Wie beim Wischen im Curling würden die Eltern jegliches Hindernis und alle denkbaren Reibungsflächen  aus dem Weg des Kindes schaffen, so dass es nicht mehr lernt, Widerstände selbst zu überwinden. Andere Therapeuten sehen als Hintergrund der Überbehütung sogar den Narzissmus der Eltern. Sie wollen glückliche und erfolgreiche Kinder haben, um sich selbst als kompetent erleben zu können.

Als einstiger Fahrschüler

Das Gymnasium, in welches ich in den letzten Monaten des 2. Weltkriegs eingeschult wurde, war in der sieben Kilometer entfernten Kreisstadt Marktredwitz im bayerischen Fichtelgebirge gelegen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich mein Vater jemals dorthin gefahren hätte. Er besaß zwar zu allen Zeiten ein Auto, aber als vielbeschäftigter Geschäftsmann (Mühle, Sägewerk, Bäckerei, Landwirtschaft) hatte er dafür einfach keine Zeit. So verließ ich - auch als 10-jähriger Steppke bei winterlicher Dunkelheit - regelmäßig um 7 Uhr früh unser Haus, trabte mit vollgepacktem Schulranzen durch das hügelige Dorf und kam nach 15-minütigem Fußmarsch zumeist pünktlich am Seußener Bahnhof an. Manchmal, wenn es knapp wurde, musste ich allerdings die damals noch übliche Bahnsteigabsperrung (auch Perron genannt) durch eine schnelle Flanke überwinden, was mir aber als geübten Turner relativ leicht fiel.

Bahnfahren machte meinen Freunden und mir großen Spaß. Nicht selten wetteten wir darauf, welcher Lokomotiventyp heute den Zug ziehen würde, indem wir ihr Schnaufgeräusch aus der Ferne beurteilten. Es gab damals, in der Nachkriegszeit, ein Sammelsurium an alten Dampfloks und jeden Tag war eine andere vorgespannt. Die Experten unter uns errieten sogar die Stammnummer und konnten am Geräusch eine mickrige 28er Personenzuglok von einer 59er Güterzuglok und einer feschen 01er Schnellzuglok unterscheiden, von der wir uns besonders gerne kutschieren ließen.

Auch die Lokführer und ihre Heizergesellen kannten wir mit der Zeit. Einer der Heizer schien seinen Darm so trainiert zu haben, dass er immer auf dem Seußener Bahnhof die Toilette aufsuchen musste. Einmal hatte der Zug Verspätung und der Bahnhofsvorstand verkürzte, aus Pünktlichkeitswahn oder aus purer Bosheit, den Aufenthalt so, dass der Heizer, zum allgemeinen Hallo, vor dem Häuschen unerledigterweise wieder umkehren und zu seiner Lok zurückeilen musste. In Marktredwitz ging ich zu ihm vor und fragte ihn, wie er mit der Situation zurecht gekommen sei. Er grinste nur, deutete auf die riesige Kohlenschaufel, machte eine Bewegung zum Feuerloch hin und begründete damit ungewollt, weshalb die deutsche Eisenbahnverwaltung sich so lange die Toiletten auf den Lokomotiven sparen konnte.

Im Zug war erst mal Abschreiben angesagt. Etwa die Hälfte der Fahrschüler hatten ihre Hausaufgaben erledigt, die andere Hälfte schrieb ab. (Ich betätigte mich gelegentlich als "Donator" für Mathe und Latein). Die Waggons für die Fahrgäste waren ähnlich heterogen wie die Loks, aber sie glichen sich in einigen Merkmalen: alle hatten nur harte Holzbänke, sie waren nicht beheizt und es brannten keine Lampen. Wir Schüler fuhren besonders gerne in den leeren vorderen oder hinteren Wägen. Sobald wir die Schaffnerin kommen hörten  verhielten wir uns mucksmäuschenstill, kletterten in die Gepäcknetze und einer von uns zupfte ihr (von oben) das Käppi vom Lockenkopf. Die Reaktion war immer die Gleiche. Nach einem erschreckten "uih" verfiel sie in eine wenig damenhafte Schimpfkanonade und versuchte uns dabei im Schein ihrer Taschenlampe zu orten. Für uns war das der Anlass, zwischen den Gepäcknetzen wie wild herumzuturnen und - ähnlich den Affen im Zoo - einen Höllenlärm zu veranstalten. Gelegentlich fiel einer von uns zu Boden und wurde dann, stellvertretend für alle, von der Schaffnerin durchgewalkt. Die Frauen konnten zu jener Zeit ihre Männer, die im Krieg oder in der Gefangenschaft waren, in jeder Beziehung gut vertreten.

Nach 20 Minuten Bahnfahrt kamen wir in Marktredwitz an und nach weiteren 10 Minuten Fußmarsch waren wir bei unserem Schulhaus. Es war ein Jahr als Notunterkunft für unzählige Flüchtlingsfamilien zweckententfremdet worden und sah entsprechend aus. Immer wieder fiel der Strom aus und mangels Brennmaterial war das Gebäude im Winter eisig kalt. Weil zu wenig Klassenzimmer vorhanden waren, mussten wir dauernd von einem Raum zum anderen "wandern". Unser Jahrgang umfasste anfangs 69 Schüler und wurde ganz praktisch in 38 "Einheimische" (A-Klasse) und in 31 "Auswärtige" (B-Klasse) aufgeteilt. Selbstredend gab es auch fast keine Schulbücher. Alles musste auf Schiefertafel, Zettel oder (schwer zu beschaffende) Hefte aufgeschrieben werden.  Die Deutschaufsätze in den höheren Klassen waren durchaus anspruchsvoll. Ich erinnere mich an zwei Themen:  "Gesetze, Zeiten und Völker überleben mit ihren Werken; nur die Sternbilder der Kunst schimmern in alter Unvergänglichkeit über den Kirchhöfen der Zeit" (Jean Paul) und an: "Handle so, dass die Maxime deines Wollens als Grundlage einer Gesetzgebung gelten kann" (Kant´scher Imperativ).

Im Jahr 1952 machten wir unser Abitur. Aus anfangs 69 Sextanern waren 23 Primaner übrig geblieben. Bei der daraufhin in der Aula veranstalteten Abiturfeier betraten meine Eltern zum ersten Mal das Gebäude des  Marktredwitzer Gymnasiums. Waren sie deshalb Helikopter-Eltern?




Beim Abiturball im Herbst 1952
(Blogautor, Klassenjüngster, untere Reihe links)

Montag, 14. Oktober 2013

In memoriam: Dr. Gerhard Brudermüller +

Heute wurde Dr. Gerhard ("Gerd") Brudermüller, Mitglied unseres Rotter Freundeskreises, auf dem Friedhof Karlsruhe-Hagsfeld zu Grabe getragen. Gerd liebte diesen Stammtisch auf der Rheininsel Rott, besuchte ihn regelmässig und genoss dort seinen Zander in Weinsosse bis kurz vor seinem Tode. Brudermüller hatte fast sein ganzes berufliches Leben der Kernenergie verschrieben und war dabei ausserordentlich erfolgreich. Da es heute nicht mehr en vogue ist, bei Trauerreden dieses Thema anzuschneiden, sei nachstehend kurz dargestellt, worauf die Verdienste des Verstorbenen um die Reaktortechnologie in Deutschland beruhen.

Zusammengefasst kann man folgendes feststellen: Dr. Brudermüller war im Verlaufe seiner ca. 40-jährigen beruflichen Karriere als technischer Chef für den  Betrieb von drei verschiedenen Kraftwerkstypen verantwortlich - nämlich für Kernkraftwerke, die mit Natrium, mit Schwerwasser und mit Leichtwasser gekühlt wurden. Ich kenne keine Person von seinem Rang, die sich in diesen drei sehr verschiedenen Feldern der Reaktortechnologie versucht hat und dabei ähnlich grosse Erfolge vorzuweisen hätte.

Gerd Brudermüller wurde im Schwäbischen als Jüngstes von drei Kindern geboren, studierte Physik und bekam seine erste Stelle im Kernforschungszentrum Karlsruhe, wo er bei Professor Beckurts Wirkungsquerschnitte an einem Beschleuniger zu messen hatte. Schon früh zog es ihn zur Reaktorphysik und er avancierte zum Projektleiter des Kernkraftwerks KNK I, welches mit Natrium gekühlt wurde. Dort legte er auch die Basis für die KNK II, einem Schnellen Brüter als Vorstufe für das grosse Brüterkraftwerk Kalkar SNR 300. Bald darauf wurde er zum technischen Geschäftsführer für die KNK-Kernkraftwerke berufen, wobei er grosse Verdienste um den sicheren Betrieb dieser heiklen Prototypanlagen hatte.

Der zweite Karriereschritt führte Brudermüller zum Mehrzweckforschungsreaktor MZFR, einem 50 MWe-Kernkraftwerk, das mit Schwerwasser gekühlt wurde. Auch hier war Gerd als technischer Betriebsdirektor sehr erfolgreich. Während des 20-jährigen Betriebs hatte der MZFR - als einziger deutscher Druckwasserreaktor! - keinen Dampferzeugerschaden und acht Jahre lang auch keinen einzigen Brennelementdefekt. Unter seiner Leitung wurde erstmals an einem Kernkraftwerk die nukleare Wärmeauskopplung zur Beheizung eines Forschungszentrums demonstriert.

Der dritte Schritt war seine Ernennung zum Chef des  Kernkraftwerks Obrigheim, einer 300 MWe-Anlage, die mit Leichtwasser gekühlt wurde. Daneben war Brudermüller auch für den Aufbau des Kerntechnischen Hilfszug verantwortlich, der grosse Erfolge beim Einsatz im zerstörten Kraftwerk Tschernobyl vorzuweisen hatte. In Summe hat Gerhard Brudermüller bei all diesen Stationen eine berufliche Lebensleistung vollbracht, die verschiedenartigste Anforderungen mit sich brachten und denen er immer gerecht wurde.

Gerd wurde 83 Jahre alt. Wir, seine Rotter Freunde, bedauern seinen unerwartet schnellen Tod und sind traurig, ihn nicht mehr unter uns zu haben.

Sterben heisst losslassen,
aber die Erinnerung an Dich, lieber Gerd, wird bleiben.


Willy Marth





Sonntag, 18. November 2012

Dr. Helmut Schmieder †

Liebe Angehörige,
verehrte Trauergemeinde.

Helmut Schmieder gehörte zu unserem Freundeskreis auf der Insel Rott. Regelmässig konnte man ihn am Donnerstag mittag inmitten seiner Freunde dort antreffen. Er war einer der Mitbegründer dieses Kreises; er hielt ihn zusammen, mit der Kraft seiner Persönlichkeit.

In Rott werden seit jeher Dinge besprochen, die sich im 20 Kilometer entfernten Kernforschungszentrum ereignen. Als Ruheständler hat man den zeitlichen Abstand und die Gelassenheit um Vorfälle und Forschungsprogramme des FZK einzuordnen - sine ira et studio.

Bemerkenswert an Helmut war seine starke Bindung an das Institut für Heisse Chemie. Zu den Institutsleitern Baumgärtner, Ebert und Dinjus pflegte er vertrauensvolle Kontakte; für Franz Baumgärtner schien er das alter ego zu sein. Die Mitglieder und Kollegen des Instituts konnten sich in allen fachlichen, aber auch persönlichen, Fragen an Helmut wenden. Er war ihnen stets ein hilfsbereiter Kollege und Freund.
Dr. Helmut Schmieder (1935 - 2012)

Aus meiner Zeit als Projektleiter für den Schnellen Brüter weiss ich, dass Helmut technische und terminliche  Abmachungen punktgenau einhielt - auch wenn es ihm gelegentlich schwerfallen mochte. Wegen dieser Verlässlichkeit stand er auch bei Industriefirmen wie der DWK, der KEWA oder der Firma Alkem in Hanau, in grossem Ansehen. Bei internationalen Konferenzen konnte man beobachten, wie sich prominente Fachkollegen aus Russland, Japan und den USA um Helmut scharten, um seinen fachlichen Rat zu teilen.

Als Ruheständler auf der Insel Rott mussten wir miterleben, wie unsere jahrelangen Bemühungen um die von uns favorisierte Energietechnik durch politische Entscheidungen zunichte gemacht wurden. Helmut stemmte sich dagegen, unter anderem durch eine Vielzahl öffentlicher Vorträge, bei denen sein umfassendes Wissen auf dem Gebiet der Kernenergie zum Ausdruck kam.

Die allwöchentlichen Treffen auf Rott erlauben uns, bei entspannten Gesprächen zur Mittagsstunde, die vielfältigen Ereignisse im eigenen, abgelaufenen Berufsleben neu zu sortieren und einzuordnen. Bei mancher Wegmarke hatten wir die Möglichkeit so oder anders abzubiegen; aber viele Entscheidungen wurden uns von aussen, gewissermassen vom Schicksal, unabweisbar aufgeprägt. Helmut hat dies in seinem eigenen Fachgebiet - Stichwort Wiederaufarbeitung - zur Genüge erfahren müssen.


Letzter Gruss

Dann kam die Krankheit. Sie traf Helmut mit Wucht und hat ihn von Anbeginn sichtbar gehandicappt. Seinen geliebten Tennissport musste er von heute auf morgen aufgeben; schifahren, worin er ein Meister gewesen, war nicht mehr möglich. Bei unseren Besuchen in seiner Wohnung mussten wir mitansehen, wie sich sein körperlicher Zustand von mal zu mal verschlimmerte. Der Tod kam ihm schliesslich als Freund.

Wir werden die Erinnerung an Dich, lieber Helmut, in unserem Herzen bewahren.

(Willy Marth)

Sonntag, 18. Juli 2010

Ein Hauch von Scientology?

Wieviele Freunde hat beziehungsweise braucht der Mensch? Viele Soziologen haben sich mit dieser Frage befasst und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es im Schnitt nicht mehr als 2 bis 5 sind, wovon nur einer der sogenannte "beste Freund" ist. Das hat sich geändert, seit vor sechs Jahren das Online Netzwerk "Facebook" erschien und seinen weltweiten Siegeszug antrat. Jeder Nutzer dieser sozialen Website hat (angeblich) im Schnitt 150 "Freunde"; manche bringen es gar auf etliche Millionen, wie der US-Präsident Barack Obama.


Logo von Facebook Inc.

Die Menschheit scheint Facebook-süchtig geworden zu sein; anders ist es kaum erklären, dass sich bereits mehr als 400 Millionen Nutzer in diese Plattform eingeloggt haben. Jeder Teilnehmer verfügt über eine Profilseite, auf der er sich vorstellen und Fotos oder Videos hochladen kann. An einer Pinnwand können öffentlich sichtbare Nachrichten hinterlassen werden und "Freunde" schicken sich persönliche Infos zu und laden zu allerhand Events ein. Daneben gibt es noch eine Unzahl von Applikationen, wie das beliebte Onlinespiel "FarmVille". Und die superlieben 150 Freunde rufen ständig einander an, sodass der durchschnittliche Facebook-Nutzer täglich durchaus einige Stunden vor seinem Bildschirm verbringen kann. Neuerdings verabreden sich die Freunde über Internet gar zu Trinkgelagen. In Strassburg fand kürzlich ein Riesenumtrunk - apéro geánt - statt und in Westfrankreich fiel bei einem ähnlichen Event ein Teilnehmer sturzbetrunken von einer Brücke in den Tod.

Kein Wunder, dass sich die kritischen Stimmen mehren. Der Münchener Psychologieprofessor Ernst Pöppel sieht in solchen Netzwerken weniger Kommunikation als Selbstinszenierung. Die Offenlegung von persönlichen Daten grenze an Selbstprostitution und die Informationsgier führe letztlich zu Stress und verhindere jedwede Kreativität. Andere gehen so weit, in Facebook einen Religionsersatz oder gar eine "Sekte" zu sehen. Nutzniesser dieser Offenlegung von zuweilen intimen Daten sind zunehmend die Scheidungsanwälte und die Personalreferenten, welche vor der Einstellung gerne die Facebookeintragungen der Stellenbewerber abchecken. Selbst die Einbrecher nutzen die Internetmanie: schon manches Haus wurde ausgeraubt, weil der Besitzer seine urlaubsbedingte Abwesenheit freimütig im Voraus angekündigt hat.

Im realen Leben kann man sich unerwünschte Freunde leicht vom Leibe halten; bei Facebook ist dies schwerer. Offen ablehnen sollte man derartige Avancen nicht, aber man kann sie ignorieren. (So, als würde jemand an der Haustür klingeln). Der Abgewiesene erfährt zwar nicht, dass er unwillkommen ist, aber er ahnt es. Schonender, aber ziemlich "link" ist es, ihn als Freund zu bestätigen, dann aber von allen privaten Informationen auszuschliessen. Oder gar, ihn nur zum Schein als Freund zu bestätigen und die Freundschaft schnell wieder zu löschen. Ganz abgezockt ist es , ihn schon im Voraus zu blockieren, sodass er gar nicht erst mit einem in Kontakt treten kann.

Trotzdem, mir scheint als habe der Facebook-Hype seinen Höhepunkt bereits überschritten. Eine gewisse Müdigkeit setzt ein. Ende Mai proklamierten einige unzufriedene User sogar den "Quit Facebook Day" , an dem mehr als 30.000 Nutzer das Portal verliessen. Die langfristige Bindung ihrer Kunden ist auch anderen Netzwerken schon misslungen - siehe Second Life. Hinzu kommt ein zunehmender Druck aus der Politik. Die umtriebige Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat Facebook kürzlich sogar mit Bussgeld bedroht, falls es weiterhin gegen die deutschen Datenschutzrichtlinien verstosse. Anlass dafür ist das Hochladen kompletter iPhone-Telefonbücher, wenn man auf "Synchronisieren" klickt. Es gibt für den normalen User keine Option, um diese Daten wieder zu löschen. Der Mensch irrlichtert als Datensatz im Internet!


Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg (Foto:AFP)

Und was macht Mark Zuckerberg, der Erfinder und Gründer von Facebook, mit all unseren Bits und Bytes? Er behält sie und lagert sie in seinen hochgeheimen Servern - vermutlich auch dann noch, wenn Facebook längst Geschichte geworden ist. "Die Zeit der Privatsphäre ist vorbei", soll Zuckerberg einmal gesagt haben. Das stimmt sehr bedenklich. Facebook profitiert mit 150 Millionen Jahreseinkommen weil seine Kunden offen sind und Informationen persönlicher Art verbreiten. Selbst ist das Netzwerk aber ganz und gar nicht offen. Im Zweifelsfall werden die Nutzerdaten an irgendwelche Firmen oder gar dubiose Privatleute verscherbelt, die uns dann ungefragt mit kommerziellen mails belästigen. So als würde nachts jemand herumlaufen und die Haustüren der Leute öffnen, während diese schlafen.

All das berührt die Popdiva Lady Gaga nicht im mindesten. Sie hat, nach eigener Angabe, derzeit 10 Millionen Freunde im Facebook - womit sie sogar Obama übertrifft.

Nomen est omen.

Samstag, 4. Oktober 2008

In memoriam: Friedrich Arendt

Trauerrede beim Begräbnis unseres Freundes Friedrich Arendt

Sehr verehrte Frau Arendt
und Familie,
liebe Trauergäste.

Mein Name ist Willy Marth;
ich spreche für den Freundeskreis der Insel Rott.
Friedrich Arendt gehörte diesem Kreis
seit seiner Pensionierung vor 2 Jahren an.

Sein plötzlicher Tod macht uns sehr traurig.
Vorige Woche noch trafen wir uns alle
zur Geburtstagsfeier in meinem Haus.
Friedrich war munter, charmant und witzig - wie immer.
Dass er 4 Tage später schon tot sein sollte
war nicht vorstellbar
und hat meine Freunde und mich tief getroffen.

"Mors certa, hora incerta",
diese uralte Menschheitserfahrung,
wonach wir alle sterblich sind,
aber das Schicksal allein unsere Stunde bestimmt,
ist uns wieder einmal grausam bewusst geworden.

Ich kannte Friedrich schon seit langer Zeit.
Beide waren wir viele Jahre lang
im ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe tätig,
in vergleichbaren Positionen.
Friedrich als Projektleiter für die Umwelt,
ich für ein Gebiet der Kernforschung.

Trotz der Gegensätzlichkeit der Themenfelder
war unser persönliches Verhalten
nie von Antagonismus bestimmt.
Im Gegenteil!
Immer wieder besuchten wir uns wechselseitig
in unseren Büros,
tauschten unsere Erfahrungen aus
und tasteten argumentativ die Stärken und Schwächen
unserer so unterschiedlichen Projekte ab.

Als er im Ruhestand zu unserem Freundeskreis stiess,
war Friedrich von Beginn an ein begehrter Gesprächspartner.
Er war intelligent, wusste über so vieles Bescheid
und war bereit
seinen grossen Erfahrungsschatz mit uns zu teilen.

Wir werden nun ohne ihn auskommen müssen.
Aber seine Todesanzeige drückt es treffend aus:
Weiterhin sind wir über eine Brücke mit Friedrich verbunden.
Es ist die Brücke der Erinnerung
an einen grossartigen Freund und Menschen.
Sie wird bleiben,
denn nur sie allein ist unvergänglich.

Ihnen, sehr verehrte Frau Arendt,
mit Ihrer Familie,
möchte ich unsere tief empfundene Anteilnahme aussprechen.
Wir vermögen den Verlust abzuschätzen,
der Sie getroffen hat.

Dienstag, 9. September 2008

Älterwerden

Demnächst werde ich - Rätselfreunde aufgepasst! - einen dreiviertel runden Geburtstag feiern. In Anbetracht der vielen (und wertvollen) Geschenke, auf die ich mich jetzt schon freue, werden meine Gäste von mir wohl eine kleine Rede erwarten. Es wird deshalb Zeit, dass ich mir ein paar Gedanken darüber mache.

Rein numerisch lässt sich nicht verleugnen, dass ich langsam älter werde. Dieser Zeitpunkt kommt dann heran, wenn verdächtig viele Leute, ohne besonderen Anlass, plötzlich behaupten, dass man doch noch sooo jung aussehen würde. Ich lasse mich da nicht täuschen; der morgendliche Blick in den Spiegel bewahrt mich vor Illusionen. Im allgemeinen beginnt das Älterwerden mit dem Eintritt in den Ruhestand, also zwischen 60 und 65 Jahren - Frührentner und Münteferings 67er einmal ausgeklammert. Auf alle Fälle gehört man dann zur älteren Garde, wenn man beim Anziehen der Schuhe fragt: "Da ich schon mal unten bin, kann ich gleich noch etwas miterledigen?"

Der Übergang von dem Berufsstand in den Rentenstand fällt vielen nicht leicht, insbesondere die machtbewussten Politiker leiden darunter. Ich versuchte meine "Verlustängste" dadurch zu minimieren, dass ich jeweils am Ende einer grösseren Aufgabe - nennen wir es Projekt - ein Buch oder einen persönlich gehaltenen Bericht im Umfang von 150-200 Seiten geschrieben habe. Dabei rekapitulierte ich den gesamten Ablauf des Projekts, mit allen Hoch- und Tiefpunkten, sodass ich es fürderhin "geistig ablegen" konnte. So ist mittlerweile eine kleine Bibliothek für die Projekte FRM, KNKI, KNKII, SNR 300, EFR, und WAK entstanden, zuzüglich einem mehr persönlich gehaltenen Erinnerungsband "70 Jahre lang". Der "Blick zurück im Zorn" ist mir deshalb fremd. Hinter den genannten Abkürzungen verstecken sich übrigens die Namen für Kernreaktoren, Schnellbrüterkraftwerke sowie Wiederaufarbeitungsanlagen und seit die Kernenergie weltweit - ausser in Deutschland - eine Renaissance erfährt, erhalte ich immer wieder Anfragen früherer Kollegen aus Japan, USA, China etc. wie wir dieses oder jenes Problem, z.B. beim Schnellen Brüter in Kalkar gelöst haben. Dafür sind diese Bücher eine grosse Hilfe, denn im Gedächtnis habe ich die Details natürlich auch nicht mehr.

Ein Stammtisch ist eine praktische Einrichtung um mit der früheren Arbeitswelt in Verbindung zu bleiben - und trotzdem Abstand von ihr zu gewinnen. Wir haben einen solchen auf der Rheininsel Rott beim Fischrestaurant "Waldfrieden" eingerichtet. Hier treffen sich donnerstags jede Woche ehemalige FZK´ler und deren Freunde zu einer zwanglosen Mittagsrunde. Bei Zander und Riesling werden alle Probleme dieser Welt besprochen - und gelöst. Ein besonderes Auge richten wir immer wieder auf die aktuellen Vorgänge im Forschungszentrum, unserer früheren Arbeitsstätte. Die Entscheidungen unserer Nachfolger und deren Chefs werden kritisch durchleuchtet und mit äusserlichem Bedauern (und innerlicher Befriedigung) stellen wir immer wieder fest, dass "die Jungen" eben doch schwach sind und wir früher alles viel, viel besser gemacht haben. Wir waren eben die Grössten! Diese bescheidene Feststellung fördert das Wohlbefinden und die Verdauung, was für uns alte Knaben nicht das Schlechteste ist.

Mit der Entlassung in den Ruhestand wuchs auch mein Interesse am öffentlichen Leben in der Stadt Karlsruhe. So versäume ich kaum eine Stadtratssitzung und die Grossinvestitionen, wie Neue Messe, Hallenbad, Stadion und U-Strab sind mir mit all ihren finanziellen Schwachstellen durchaus geläufig. Das kommt auch in manchem meiner Leserbriefe in der BNN zum Ausdruck, die OB Fenrich und seine Bürgermeisterkollegen nicht immer erfreuen.

Interessante Gerichtsverhandlungen sehe ich mir vom Amtsgericht bis zum Bundesverfassungsgericht an und bin immer wieder fasziniert, zu welch überraschenden Urteilen die Richter kommen. Meine Devise ist deshalb: Gerichtsverfahren möglichst vermeiden! Denn der Spruch "Bei Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand" stimmt wirklich.

Auch die Hauptversammlungen der lokalen Aktiengesellschaften besuche ich häufig, denn dort kann man in 4 Stunden mehr über die Wirtschaft lernen als beim 4-wöchentlichen Lesen des "Handelsblatt". Ausserdem: wo sonst darf man ungestraft (als Kleinaktionär) mächtige Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsräte coram publico "beschimpfen", ohne, dass man unterbrochen oder sanktioniert wird?

Bevor ich ganz in diese öffentlichen Sphären entfleuche, konfrontiert mich meine liebe Frau Brigitte immer wieder mit den realen Problemen unserer kleinen häuslichen Welt. Es fing vor einigen Jahren ganz unschuldig damit an, dass bei unserem Wohnhaus in der Waldstadt und dem (ererbten) Haus im Fichtelgebirge ein paar durchkorrodierte Wasserrohre im Bereich der Bäder zu erneuern waren. Das war aber nur der Beginn. Was folgte war eine 2-jährige Sanierungs- und Renovierungsorgie, bei der beide Häuser vom Keller bis zum Dach umgekrempelt wurden. Nun gefallen sie uns weitaus besser und mein Bankkonto ist entsprechend geleichtert.

Beim Blick in die Tageszeitung - Reihenfolge: Todesanzeigen, Wetter, Sport, Politik - merkt man, dass die "Einschläge" immer näher kommen. Bekannte sterben, frühere Arbeitskollegen und immer wieder mal auch ein Freund. Das ist ein besonders schmerzhafter Verlust, denn ein alter Freund ist, wie das Sprichwort sagt, selbst durch zwei neue nicht zu ersetzen. Und auch die eigene Gesundheit lässt fühlbar nach. Immer wieder zwickt und zwackt es an allen möglichen Körperstellen und die Beschwerden gehen meist, trotz ärztlicher Bemühungen, nicht mehr ganz zurück.

Nun, nach dem Älterwerden kommt wohl unvermeidbar das Altwerden. Ich habe darüber noch keine einschlägige Erfahrung. Aber an einen Spruch der schwedischen Filmschauspielerin Liv Ullmann erinnere ich mich:

"Altwerden ist die einzige bekannte Methode,
um lange zu leben."

Sonntag, 27. Juli 2008

Über die Gräber

Kürzlich erreichte mich ein Brief aus dem Fichtelgebirge. Meine ehemalige Pfarrgemeinde hatte mich zur "Diamantenen Konfirmation" eingeladen. Sie wird 60 Jahre nach der Erstkonfirmation gefeiert. Der Schreck fuhr mir durch die Glieder ob dieser langen Zeitspanne, aber ich entschloss mich dann doch hinzufahren.

Ein kleines Häufchen ehemaliger Mitschüler und Mitschülerinnen hatte sich auf dem Kirchhof eingefunden. Nicht jeden konnte ich sofort namentlich identifizieren, aber durch geschicktes Fragen gelang es mir, sie in mein Gedächtnis zurückzurufen. Wie sehr hatten sie sich verändert. Insgeheim wollte ich nicht glauben, dass dies auch auf mich zutreffen könnte. Die Gespräche mündeten sehr bald in die gegenseitige Beschreibung des gesundheitlichen Zustands ein. Der eine hatte Herzbeschwerden, die andere erhielt kürzlich eine neue Hüfte und der Dritte sorgte sich um sein künstliches Kniegelenk. Welch ein Unterschied zu der Zeit vor 60 Jahren, als noch das Äpfelstehlen und Mädchenjagen unsere Sinne bewegte.

Die kleine Dorfkirche hatte sich ebenfalls verändert. Der schöne Steinaltar musste vor Jahren einem (ökologischen?) Holzaltar weichen. Während des Gottesdienstes wanderten meine Gedanken zurück ins Jahr 1948. Damals wurde nur konfirmiert, wer vorher die sogenannte Konfirmandenprüfung bestanden hatte. Sie fand eine Woche vor der eigentlichen Konfirmation statt und war öffentlich. In der rappelvollen Kirche fragte uns der Pfarrer eine Stunde lang über den Inhalt des Kathechismus aus. Aber man musste nicht nur die 10 Gebote und die 3 Glaubensartikel auswendig wissen, sondern auch noch deren (lutherische) Auslegung sowie eine Unzahl von Gebeten und Kirchenliedern. Ich war der einzige Gymnasiast und stand unter besonderer Beobachtung der Kirchenbesucher. Zum Glück hatte ich zu jener Zeit ein sehr gutes Gedächtnis, sodass ich praktisch den ganzen Kathechismus auswendig kannte und - wie alle anderen - dieses Examen natürlich gut bestand.

Der "Diamantene Gottesdienst" verlief nach der altbekannten Liturgie und war nach einer guten Stunde beendet. Schnell wurde noch ein Photo aller Beteiligten auf der Kirchtreppe gemacht - das tags darauf in der Lokalzeitung erschien - und schon fanden wir uns auf dem Vorplatz der Kirche wieder. Aber nicht zum Heimgehen oder zum festlichen Essen, nein, der Herr Pfarrer schlug uns noch den Besuch des nahen Friedhofs vor, zu einem "Gang über die Gräber", wie er es nannte. Wir waren alle etwas überrascht; als erster fing sich der Schorsch wieder, welcher dann trocken anmerkte: "Nun ja, wir sind im sterbepflichtigem Alter."

Am Eingang des "Gottesacker" (wie die älteren Leute noch sagen) empfing uns bereits der Friedhofswärter. Er fühlte wohl unsere Verspannung und glaubte etwas zur Auflockerung beitragen zu können, indem er frotzelte: "Ich bin der Friedhofswärter Max und habe eine Menge Leute unter mir - aber keiner hört mehr auf mich."

Die Begräbniskultur meiner Heimatgemeinde ist noch vergleichsweise konservativ. Niemand lässt sich auf einem Friedwald oder gar anonym bestatten. Niemand lässt die Asche seiner Lieben zu Diamanten verpressen, um sie als Ring oder Anhänger mitzuführen. Und schon gar niemand beauftragt die NASA mit der Beförderung der Urne in den Weltraum, wo sie nach dreimaliger Umrundung der Erde in der Atmosphäre verglühen soll.

Nein, da gibt es nur die klassische Erdbestattung oder das Urnengrab. Die Gebühren liegen zwischen 500 und 1.000 Euro für 20 Jahre. Nicht gespart wird an den Grabsteinen, denn das Fichtelgebirge ist mit Steinen gesegnet und so manches Grabmal ist so "opulent" gestaltet, dass man es als nachträgliche Steinigung des Toten ansehen möchte. Interessant sind auch die Inschriften auf den Grabsteinen. Sie zeugen von lauter edlen Menschen und man fragt sich unwillkürlich, wo eigentlich die nicht so guten (vielleicht gar die Gauner) geblieben sind. Aber Tote sind eben beliebt, vielleicht schon deswegen, weil sie sich nicht mehr ändern und - vorderhand - nicht mehr auferstehen.

Es war eine andachtsvolle Stunde, die wir mit Max auf dem Friedhof verbrachten. Besonders berührend, wenn man an den Gräbern Jungverstorbener vorbeiging, etwa kleiner Kinder, die durch einen Unglücksfall zu Tode kamen oder bei 20-jährigen gefallenen Soldaten des 2. Weltkriegs. Aber auch mancher, der sich für unabkömmlich, vielleicht sogar "unsterblich" hielt, lag hier bergraben. Wahre Unsterblichkeit besitzen wir Menschen eben nur solange wie wir leben.

Am Ausgang gaben wir Max ein angemessenes Trinkgeld und wiederun war es Schorsch, der die richtigen Worte fand, als er sagte:

"Man sollte ab und zu auf den Friedhof gehen, dann ist der Übergang nicht so abrupt."

Sonntag, 13. April 2008

Rotter Stammtisch Gespräche 2

Hallo Freunde,

heute ist der 12. April und Joschka Fischer feiert seinen 60. Geburtstag... schade, dass er nicht Mitglied unseres Stammtischs ist, müsste bös blechen... mit seiner Rente als Aussenminister würden wir ihn nicht in Verlegenheit bringen... schon toll, wie sich dieser Bursche hochgearbeitet hat... als Sohn eines ungarisches Metzgers... mit Migrationshintergrund, gewissermassen...
aber im Schwabenland geboren... wer weiss das schon... ja im hohenlohischen Gerabronn... und dort viele Jahre braver Ministrant... Weihrauch war seine Einstiegsdroge... Haschisch und Marihuana kamen später hinzu... auf die Penne ist er auch gegangen... im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Gymnasium... allerdings nur bis zur Untersekunda... die Sechser in Physik und Mathematik konnte er nicht ausgleichen... behinderten aber nicht seine Karriere als späterer Umweltminister... erklären aber seine technischen Äusserungen zur Sicherheit der Kernkraftwerke Biblis und Kalkar... soweit sind wir noch nicht, Kollegen... vorher versuchte sich Klein-Joschka noch als Azubi bei einem Fotografen... gewissermassen in der Medienbranche... und heiratete seine 17jährige Edeltraut, ganz romantisch, im schottischen Gretna Green... sinnigerweise war sie die Tochter eines Stuttgarter Polizisten... aber dann wurde ihm Stuttgart doch zu eng und er ging nach Frankfurt... in eine WG mit Daniel Cohn-Bendit... Dany le Rouge, dem Ober-Sponti... spontifex maximus... und hörte Gastvorlesungen bei Adorno und Habermas... es geht eben nichts über eine gediegene Halbbildung... zum Broterwerb übersetzte er auch Edelpornos... und demonstrierte mit den 68ern... und prügelte sich mit Polizisten... gelegentlich nur, wie er später einräumte...aber schliesslich brachte er es doch zu einem ehrbaren Beruf...als geprüfter Taxifahrer... kurvte 5 Jahre lang durch alle Frankfurter Ecken... zumeist als Nachtfahrer... bis 1980 die Grünen aufkamen... und in der Karlsruher Stadthalle ihre Partei gründeten... und Joschka bei den vorgezogenen Bundestagswahlen 1983 als Abgeordneter ins Bonner Parlament einziehen durfte... wo er gleich einige bedeutsame Reden hielt... zum Beispiel gegen den NATO-Doppelbeschluss...und dabei den Bundestagspräsidenten Richard Stücklen mit dem später gefügelten Wort attackierte: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch"... aber schon nach 2 Jahren war die spannende Zeit in Bonn zu Ende und Joschka musste einem unbekannten Nachrücker weichen... denn damals galt bei den Grünen noch das strikte Rotationsprinzip!



Joszef Fischer war frustriert... aber nicht lange... denn in Hessen... seinem eigentlichen Heimatland... regierte seit 18 Monaten... geschäftsführend nur... der Ministerpräsident Holger Börner... auch bekannt als Dachlatten-Börner... ja, und der entschloss sich endlich die Grünen als Koalitionspartner in die Regierung zu nehmen... wo man unter anderem einen Umweltminister brauchte... und das wurde eben Joschka Fischer... der auch gleich republikweit Aufsehen erregte als er bei der Vereidigung in neuen, weissen Turnschuhen erschien... womit die Medien ihren "Turnschuhminister" hatten... für den aber auch sonst alles neu war... denn das Umweltministerium war eben erst gegründet worden... ohne personellen Unterbau... und ohne juristisch geschulte Referenten... das heisst, es ging dort ziemlich chaotisch zu... und 5 Monate später explodierte auch noch der russische Reaktor in Tschernobyl... wozu von den Grünen wenig Substanzielles kam... ausser eben "Atomkraft, nein danke"... zumeist operierte man in der Umweltpolitik mit der kollektiven Angst der Menschen... Angst vor dem Waldsterben, vor der Volkszählung, vor dem BSE... und später vor der Vogelgrippe und den Mobilfunkstrahlen... weshalb die Amerikaner und Briten kopfschüttelnd von der "German angst" sprachen... und die Franzosen süffisant von "l ángst"... und Joschka hielt nach Kräften gegen all diese wirklichen und vermeintlichen Umweltgefahren... gegen die Umweltgifte des Chemiekonzerns Hoechst... mit der Folge, dass dieser nach Frankreich umsiedelte... und gegen die Plutoniumfertigung bei der Hanauer Firma Nukem/Alkem... denen wollte er keinesfalls die atomrechtliche Genehmigung zur Produktion von Mischoxidbrennstäben, sprich MOX, erteilen... und kam dabei übers Kreuz mit seinem Chef Holger Börner, der für diese Genehmigung war... was die beiden so aneinander geraten liess... dass Joschka aus dem Kabinett gefeuert wurde... nach kaum eineinviertel Jahren als Minister... denn der Ober sticht eben den Unter... womit aber auch die hessische Koalition zwischen der SPD und den Grünen geplatzt war.



Und so kam es im April 1987 zu Neuwahlen... aber die Hessen hatten Nase voll von der rotgrünen Chaostruppe... und wählten diesmal die CDU mit absoluter Mehrheit... womit Wallmann Ministerpräsident wurde... der Weimar als Umweltminister bestellte... und Dr. Manfred Popp als Staatssekretär, insbesondere für nukleare Fragen... Popp, den späteren Chef des Karlsruher Kernforschungszentrums?... Richtig, er wurde aus dem Bonner Forschungsministerium geholt und sollte Weimar zur Hand gehen, denn Wallmann hatte wenig Ahnung von kerntechnischen Dingen... obwohl er doch der Erfinder des sogenannten Wallmann-Ventils war... ja, damit wollte man bei Störfällen den Reaktorkessel entlasten... was aber eine ziemliche Kateridee war... aber die neue Regierung stand der MOX-Technologie in Hanau natürlich positiv gegenüber... war ja auch sinnvoll, das in Leichtwasserreaktoren zwangsweise erzeugte Plutonium nicht teuer zu lagern... sondern nach Beimischung von Uran zu Mischoxidbrennstäben zu verarbeiten... und in LWR und Brütern abzubrennen... so machte sich eben Popp zügig ans Werk... mit seinem personell aufgestockten Ministerium... und siehe da, im Laufe der nächsten 4 Jahre war die atomrechtliche Genehmigung für die MOX-Stäbe ausgearbeitet und erteilt... und der Alkem-Chef Stoll hätte mit der Produktion seiner Brennstäbe beginnen können.



Hätte! Aber dazu kam es nicht... denn bei der Landtagswahl 1991 wechselte wieder mal die Regierung in Hessen... denn es kam zu einer Neuauflage der rotgrünen Koalition... diesmal aber mit Hans Eichel als Ministerpräsidenten... und wieder mit Joschka Fischer als Umweltminister... und der hatte mächtig aus seinen früheren Fehlern gelernt... denn die Feinheiten des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens waren ihm nicht mehr fremd... weshalb er sich gleich Popp´s Mox-Genehmigung vornahm... und sie nach allen Regeln der Kunst zerpflückte... denn Popp waren offensichtlich eine Reihe verfahrenstechnischer Fehler unterlaufen, insbesondere im Bereich der Dokumentation... und das war dann schon das Ende vom Lied... die MOX-Genehmigung war nicht gerichtsfest und musste aufgehoben werden... womit das Ende der Plutoniumtechnologie bei Alkem gekommen war... denn die Hanauer Firma musste die bereits fertig gestellte Anlage stilllegen... und durfte sie bis heute nicht mehr in Betrieb nehmen... obwohl der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder sie nach China verscherbeln wollte... was aber sein Vizekanzler Fischer zu verhindern wusste.


Aber zurück ins Jahr 1991 und zu ex-Staatssekretär Dr. Popp... dieser aus dem Amt Gedrängte brauchte nun einen neuen Job... in Bonn wollte man ihn wohl nicht mehr... und so wurde er nach Karlsruhe abgeschoben... auf den einträglichen Posten eines Vorstandsvorsitzenden des Kernforschungszentrums... obwohl die Medien skeptisch waren... denn Popp hatte sich durch die fehlgeschlagene Alkem-Genehmigung ja keineswegs mit Ruhm bekleckert... was auch die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ in einem vielbeachteten Artikel monierte... wonach Popp nicht die hinreichende Qualifikation für diese Position habe... und in die Alkem-Nukem-Affäre verstrickt sei... aber egal, die Bonner drückten seine Ernennung eben durch... und Popp gerierte sich in Karlsruhe bald wie ein Grüner... indem er die Kerntechnikprogramme scharf reduzierte... und sogar den Namen Kernforschungszentrum abschaffte... unter dem die KfK international bekannt war... zugunsten der sterilen Bezeichnung Forschungszentrum... und beim Fest zum 50jährigen Jubiläum erwähnte er die Grossprojekte Wiederaufarbeitung, Brüter und Entsorgung überhaupt nicht mehr... und kaum einen seiner Vorgänger im Vorstand... stattdessen fing er die Schäkerei mit KIT an, dem Karlsruhe Institute of Technology... nach dem Motto "wir wollen heiraten"... denn die Karlsruher Uni, diese passable, aber eher mittelmässige Institution, hatte sich im Rahmen der Exzellenzinitiative um Höhergruppierung beworben... konnte aber nur eine mickrige Graduiertenschule in Photonik und ein Nano-Cluster mit der FZK vorweisen... aber das Forschungszentrum, pardon Popp, war grosszügig genug, der Uni die Fusion mit der FZK anzubieten... was dann schliesslich aus der simplen Uni eine Elite-Uni machte... und das Forschungszentrum degeneriert immer mehr zum Campus-Nord... von Hipplers Gnaden... seitdem meinen einige Profs ihre aufs Doppelte geschwollene Institution sei das Massachusett Institute of Technology... aber vermutlich gilt auch hier Goethes Wort "Getretener Quarck wird breit nicht stark"... und Popp, bald nach dem oben genannten Jubiläum in die Rente geschickt... und nicht mit dem ersehnten Beratervertrag verlängert... und auch nicht mit dem Bundesverdienstkreuz behängt... ist endlich verdienterweise Privatmann.



Zurück zum Jubilar Joschka Fischer... der war bekanntlich ab 1991 zum 2. Mal Umweltminister in Hessen... aber er hielt es dort nicht lange aus... denn 1994, nach der Bundestagswahl, liess er sich in Berlin zum Fraktionsvorsitzenden der Grünen wählen... und löste sofort eine heftige innerparteiliche Debatte aus, als er sich zu militärischen Massnahmen in Bosnien bekannte... was ihm die Ökopaxe seiner Partei bis heute nicht verziehen haben... und sogar mit Farbbeutel gegen sein Ohr revanchierten... doch wer hätte damals gedacht, dass Joschkas eigentliche Karriere noch bevorstehen würde... in der er 1998 zum Aussenminister und Vizekanzler in der rotgrünen Regierung Schröder berufen wurde... und es blieb bis zum Rücktritt Schröders 1995... nach der Wahlsieg von Angela Merkel... wobei wir nicht verhehlen wollen, dass er mit der sogenannten Visa-Affäre nochmal eine schwierige Sitaution zu überstehen hatte, die ihm einige Beliebtheitspunkte kostete... aber egal, im September 2006 legte er auch sein Bundestagsmandat nieder... und übergab es an seinen allseits bekannten Nachrücker Omid Nouripour... immerhin brachte es der Privatmann Fischer bislang auf 5 Ehen... nach eigenem Eingeständnis ist er eifersüchtig wie ein Sizilianer... und ist immer noch Mitglied der katholischen Kirche... die er als älteste Machtinstitution respektiert... und von der er sagt: "da bin ich nicht eingetreten, da trete ich auch nicht aus"... nun tourt Joschka seit 2 Jahren um den Globus als vielgefragter Gastredner... hat sogar die Beraterfirma "Joschka Fischer Consulting" gegründet... was sicherlich gut ist für seine Steuererklärung... und sammelt in aller Welt Ehrendoktorate und Professorentitel... aber als besonderen Dank für seinen Einsatz als hessischer Umweltminister haben die Biologen eine fossile Schlange nach ihm benannt:

"Palaeopython Fischeri"

Montag, 24. Dezember 2007

Weihnachtspost

Jeder freut sich auf die Weihnachtspost, in der einem gute Wünsche für Weihnachten und das bevorstehende Neue Jahr 2008 ausgesprochen werden. Oder auch nur, amerikanisch kurz, "Saison Greetings". Ich freue mich darüber sehr. Mangels Sekretärin (und immer kürzer werdender Lebenszeit) bin ich allerdings gezwungen, etwas zu optimieren.

Deswegen freue ich mich dezent auch über jeden, der mir nicht schreibt. Dem schreibe ich dann auch nicht. Macht die wenigste Arbeit.

Ab Anfang Dezember warte ich auf die eingehende Post. Zuerst melden sich die Japaner. Immer noch in großer Zahl, weil ich während meiner Dienstzeit im KfK wohl reichlich Visitenkarten gestreut habe. Manche der Suzukis und Kawasakis sind mir noch in Erinnerung. Diesen antworte ich; die übrigen lege ich behutsam zur Seite. Karten (beziehungsweise Weinflaschen) deutscher Firmen und ehemaliger Geschäftspartner erreichen mich nur noch ungemein selten. Spricht für das finanzielle Optimierungsvermögen der deutschen Manager.

Dann kommen die Emails. Eigentlich sind das die faulen Hunde. Aber ich liebe sie, denn ihnen kann ich Gleiches mit Gleichem vergelten.

Immer mehr bürgert sich die angelsächsische Sitte ein, wo den simplen "Saisons Greetings"eine oder auch zwei eng beschriebene Seiten beigegeben sind, auf denen der Sender beschreibt, was in seinem familiären oder beruflichen Leben im abgelaufenen Jahr so alles passiert ist. Da werde ich ganz klein; denn bei mir ist fast nichts passiert - außer dass ich wöchentlich zum Stammtisch zur Insel Rott gehe, wo ich eine Gruppe älterer Langweiler treffe, die ebenfalls andauernd nicht Bedeutsames erleben. In der Antwort fasse ich mich da kurz und schreibe nur, dass bei mir nicht Wichtiges passiert ist, was dem Adressaten vielleicht sogar Freude bereitet.

Schlussendlich gibt es noch diejenigen, welchen ich auch etwas längeres, persönliches schreibe.
Ihr Leser meines allerersten Blogs gehört dazu. Was? Nichts erhalten? Ich bedauere das sehr,
aber leider habe ich diese Schreiben aus Kostengründen über die Konkurrenzpost "Pin"
abgeschickt. Und die ist bekanntlich dieser Tage bankrott gegangen.

Too bad! Aber nächstes Jahr gibt es ja eine nächste Chance. Wait and see!

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Dr. Willy Marth
Im Eichbäumle 19
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