Sonntag, 22. November 2015

Nomen est Omen

"Gebt dem Kind einen schönen Namen", forderte die Erbtante Irmgard (und dachte dabei an den Ihrigen). Bei der Taufe entschieden sich die Eltern jedoch für Sarah, und die Tante war erkennbar sauer - für einige Wochen. Trotzdem: über Geschmäcker, insbesondere im familiären Bereich, lässt sich kaum streiten, wie das Beispiel der bayerischen Politikerfamilie Strauß zeigt. Die Ehefrau von Franz Josef, Marianne Zwicknagl, tauschte ihren Mädchennamen anstandslos gegen Strauß ein; die Tochter Monika war hingegen 31 Jahre lang mit dem Wirtschaftsprüfer Michael Hohlmeier verheiratet und behielt ihren Nachnamen Hohlmeier auch nach der Scheidung bei.

Auch bei Firmen ist die Namensgebung häufig eine kitzlige Sache. Früher, bei Beginn der Industrialisierung, war das hingegen ganz einfach. Das Unternehmen erhielt schlichtweg den Namen des Besitzers und firmierte einfach unter Krupp, Thyssen, Stinnes oder Ford. Zuweilen orientierte man sich auch am Produkt oder dem Arbeitsgebiet. Die "Badische Anilin- und Soda-Fabrik", abgekürzt BASF, gehört in diese Kategorie. Bemerkenswert ist, dass diese Firma jetzt noch reüssiert - obwohl sie sich weder im Badischen befindet, noch Anilin oder Soda fabriziert.

Anders war es bei "Evonik", ein Unternehmen, das die Trikots des Fußballvereins Borussia Dortmund ziert. Diese Firma entstand im Umfeld der Ruhrkohle und als man das Spezialchemie-Unternehmen "Degussa" einverleibte, wollte man damit die Kohlevergangenheit abstreifen und ersann den Kunstnamen Evonik. Eigentlich hätte der weltbekannte Namen Degussa näher gelegen, aber er war "braun" kontaminiert. Dort wurde nämlich in der Nazizeit, im Tochterunternehmen Degesch, der Giftstoff Zyklon B für die Vergasungsanlagen der KZ hergestellt.

Inzwischen wimmelt es auf den Aktienkurszetteln vor kunstvollen (oder gekünstelten) Firmennamen. Beispiele dafür sind Vonovia (ein Wohnungskonzern), Covestro und Lanxness (beide Chemie) und Targobank (ehemals Citibank). Der japanische Konzern Mitsubishi musste mit einem neuen Auto allerdings Lehrgeld bezahlen. Kein Wunder, wer hat schon Vertrauen in ein Produkt des Namens "i-Miev"? Besonders schlau stellte es der vormalige österreichische Manager Heinz Schimmelbusch an. Erst fuhr er - als damals jüngster Vorstandsvorsitzender Deutschlands -  den Weltkonzern "Metallgesellschaft" vor die Wand;  nach dem Fast-Bankrott sicherte er sich juristisch deren (immer noch guten) Namen und jetzt wartet er im Sächsischen auf betuchte Kaufinteressenten.

Ein Konzern spaltet sich auf

Beispielhaft für die Hürden der Namensgebung waren die Entwicklungen im Unternehmen E.on während der vergangenen zwei Jahre. Ende 2014 kündigte der E.on-Vorsitzende Johannes Teyssen an, das er den Konzern ab dem Jahr 2016 in zwei eigenständige Gesellschaften aufteilen werde. Das Geschäft mit dem Ökostrom, dem Netzbetrieb und den Kundenbeziehungen solle bei der Firma E.on bleiben; das "klassische" Geschäft mit Atom, Kohle und Gas werde in ein neues Unternehmen ausgegliedert. Der Name der neuen Gesellschaft sei "Uniper", was für "Unique Performance", also "einzigartige Leistungsfähigkeit" stehe. Angeblich habe ein langjähriger Mitarbeiter diesen Namen vorgeschlagen. Er sei aus 3000 ähnlichen Empfehlungen ausgewählt worden.

In den Medien wurde diese Ankündigung mit großer Skepsis aufgenommen. Dass das größte deutsche Energieversorgungsunternehmen seine Kernkompetenz so einfach auslagert, erschien wenig glaubhaft. Man vermutete allseits, dass E.on aus Frust den Bettel hingeworfen habe. Unter den politischen Einschränkungen der Energiewende war das Unternehmen wohl nicht mehr in der Lage, den Strom kostengerecht und rentabel zu produzieren. Man mutmaßte, dass E.on seine klassischen Bereiche, insbesondere die Kernkraftwerke, in eine Art "Bad Bank" einbringen wollte. Geradezu verheerend war die Reaktion der Politik. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel schickte eine Expertenkommission zur E.on- Zentrale nach Düsseldorf um festzustellen, ob dort noch genügend Reserven für den Rückbau der Kernkraftwerke vorhanden sind. "Die Eltern haften für ihre Kinder", war ein gängiges Schlagwort zu jener Zeit.

Im Herbst 2015 knickte E.on schließlich ein; der politische und mediale Druck war zu groß geworden. Die Firma gab bekannt, dass die Kernkraftwerke nicht an Uniper ausgelagert würden, sondern bei E.on verbleiben - allerdings unter dem Label "PreußenElektra". Dieser Name war in den 1920er Jahren vom Land Preußen eingeführt worden und ist seit nunmehr 15 Jahren vom Markt verschwunden. Die Rechte dieses Firmenmantels liegen jedoch immer noch bei E.on. "Ein toter Name für ein totgesagtes Geschäft" titelte das Handelsblatt sarkastisch.

Das Portfolio der neuen PreußenElektra umfasst die drei Kernkraftwerke Brokdorf, Grohnde und Isar 2, sowie drei weitere Blöcke, an denen die neue Gesellschaft minderheitlich beteiligt ist. Von den insgesamt fünf bereits stillgelegten Blöcken befinden sich die Atomkraftwerke Würgassen und Stade im Rückbau. Für Abriss und Entsorgung aller Nuklearanlagen hat E.on 16,6 Milliarden Euro zurückgelegt.  Rund 2.300 Mitarbeiter, die eigentlich zu Uniper wechseln sollten, bleiben dafür im Konzern.

Revirement im Management

Aus dem Geschäftsbereich E.on Kernkraft wird also in Zukunft PreußenElektra. Dies führt auch zu neuen Namen und Personen im Bereich des Managements. Der Aufsichtsrat berief bereits die wesentlichen Mitglieder des neuen Vorstands. Ab 15. November 2015 trat Guido Knott dem Vorstand der PreußenElektra bei; ab 1. Januar 2016 wird er deren Vorstandsvorsitzender sein.

In dieser Eigenschaft ersetzt er Ralf Güldner , der im Laufe des nächsten Jahres auf eigenem Wunsch aus dem Vorstand ausscheiden und in den Ruhestand treten wird. Güldner, ein promovierter Radiochemiker, der bei der Firma Alkem grundlegende Arbeiten am Pu-238 leistete, war seit 2010 Vorstandsvorsitzender der E.on Kernkraft sowie Präsident des Deutschen Atomforums. Er hat sich bereit erklärt, den neuen CEO in einer Übergangsphase zu unterstützen.

Guido Knott ist seit 2010 Bereichsleiter für Politik und Komunikation bei E.on SE. Zuvor war er Finanzvorstand bei E.on Hanse AG. Knott wird bei PreußenElektra unterstützt durch den gleichfalls berufenen Jan Homan, der das neugeschaffene Ressort Stilllegung und Rückbau verantworten wird.

"Guido Knott verfügt über breite Managementerfahrungen und ist wie kein anderer mit dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld unseres Geschäfts vertraut", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Fischer zur Bestellung des Public Affairs-Experten.

Neue Leute braucht das Land. Politiker! Keine Kerntechniker.

Kommentare:

  1. Frau Doktor Merkel hat ja die Planwirtschaft mit der Energiewende eingeführt und macht unsere Energieversorger kaputt. Eine Schande. Gruss Drazen

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  2. Trotzdem läuft alles immer schneller. Speed is cool.Auch wenns kracht

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