Sonntag, 9. August 2009

Blitze im Weltall

Seit einigen Jahrzehnten registrieren die Astronomen Blitze im Weltall. Sie sind für das menschliche Auge nicht sichtbar, da sie aus Gammastrahlen bestehen. Dies sind hochenergetische elektromagnetische Wellen, deren Energie die des ultravioletten Lichts und der Röntgenstrahlen noch weit übertrifft. Das besondere an diesen Gammastrahlenausbrüchen ist, dass sie nur Sekunden bis allenfalls Minuten dauern, aber extrem energiereich sind. Ein einziger Gammablitz kann für Sekunden das ganze Weltall überstrahlen. Unfassbar! Die Energiemengen, welche diese Blitze verursachen, müssen gigantisch sein.

Schwierig war die Ortung der Quellen für diese Energieausbrüche, denn letztlich sehen die Astronomen nur eine Art "kosmisches Wetterleuchten". Für das Ausrichten der Teleskope auf verdächtige Positionen im Weltall stand viel zu wenig Zeit zur Verfügung. Das änderte sich, als 1996 die Holländer und Italiener den Spezialsatelliten "BeppoSAX" ins All schossen. Er konnte die Gammastrahlenausbrüche nicht nur registrieren, sondern auch genau lokalisieren, sodass sie unverzüglich mit erdgestützten Teleskopen verfolgt werden konnten. Mittlerweile hat man mehr als 3.000 solcher Ausbrüche registriert. Als die Gammablitze erstmals entdeckt wurden,
hat man noch vermutet, dass sie innerhalb unserer Milchstrasse entspringen würden. Die Satellitenergebnisse belegen jedoch, dass die Blitze aus allen Richtungen des Universums kommen und einen kosmischen Ursprung haben, der weit jenseits unserer Heimatgalaxie liegt.

Wenn Gammastrahlenausbrüche trotz gewaltiger Entfernung so hell leuchten, dann müssen riesige Energiemengen im Spiele sein. Obwohl der einzelne Blitz meist nur Sekunden dauert, ist die freigesetzte Energiemenge hunderte Male grösser als bei einer Supernova-Explosion. Diese ereignen sich bekanntlich, wenn ein Stern seinen Brennstoff aufgebraucht hat, die Gashülle dann auf den verbleibenden Eisenkern kracht und dadurch eine gewaltige Stosswelle verursacht. Diese besitzt mehr Energie als die Sonne während ihrer ganzen Lebenszeit von zehn Milliarden Jahren produziert!

Aber auch eine solche Supernova reicht für einen Gammablitz nicht aus. Die Astrophysiker postulieren deshalb, mit einiger Veranlassung, die Existenz von "Hypernovae". Eine Hypernova kann dann entstehen, wenn ein enorm massereicher Stern seinen Brennstoff aufgebraucht und dann direkt - in Sekundenbruchteilen - zu einem "Schwarze Loch" kollabiert. Dabei werden an den Polen des Sterns zwei extrem energiereiche Plasma-Jets ausgestossen: die Gammablitze. Eine Art galaktisches Leuchtfeuer.

Manche Wissenschaftler glauben, dass Gammablitze auch bei der Kollision zweier Neutronensterne entstehen könnten. Solche Doppelsterne umkreisen einander in Millisekunden, bis sie mit rasender Geschwindigkeit ineinander stürzen. Durch noch nicht verstandene Mechanismen wird die immense Aufprallwucht in einen Gammablitz verwandelt. Der stärkste bisher beobachtet Gammablitz wurde im März 2008 entdeckt. Das Objekt war 7,5 Milliarden Lichtjahre entfernt, leuchtete 2,5 Millionen mal heller als die lichtstärkste bisher beobachtete Supernova und konnte (indirekt) mit dem blossen Auge beobachtet werden.

Interessant (und furchterregend zugleich) ist die Frage, was passieren würde, wenn ein solcher Gammablitz die Erde träfe. Nun, die gute Nachricht der damit befassten Wissenschaftler ist, dass der Blitz den Schutzschild unserer Erdatmosphäre nicht durchdringen könnte. Er käme also auf der Erdoberfläche nicht an. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass er die Ozonschicht der Erde schlagartig verbrennen würde, wodurch alle Lebewesen und Pflanzen der gefährlichen Ultraviolettstrahlung der Sonne ausgesetzt wären. Vermutlich würde die Nahrungsmittelversorgung auf der Erde zusammenbrechen und das Klima würde sich langandauernd verändern. Das könnte ein Massensterben bewirken und man schätzt, dass die Population auf der Erde wohl auf zehn Prozent schrumpfen würde. Biologen haben festgestellt, dass vor 440 Millionen Jahren, im Erdzeitalter des Ordoviziums, ganz plötzlich 80 Prozent der Meerestiere ausgestorben sind. Dieses Ereignis wird mit einem Gammablitz in Verbindung gebracht.

Da nur wenige Sterne existieren, die genügend Masse besitzen um direkt zu einem Schwarzen Loch zu kollabieren, sind Hypernovae - die vermutlichen Auslöser der Gammablitze - gottseidank sehr selten. Etwas beunruhigend ist indes, dass Astronomen mit dem Stern "Eta Carinae" in unserer eigenen Milchstrasse ein Kandidaten gefunden haben, der innerhalb der nächsten 20.000 Jahre als Hypernova enden könnte.

Bilanziert man das irdische Leben von Anbeginn, so kommt man zu der Vermutung, dass von den Milliarden Tier- und Pflanzenarten heute 99,9 Prozent ausgestorben sind. Die Paläontologen veranlasst dies zu der makaber-scherzhaften Fetstellung:

"In erster Näherung ist alles Leben auf der Erde ausgestorben."

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Impressum

Angaben gemäß § 5 TMG:

Dr. Willy Marth
Im Eichbäumle 19
76139 Karlsruhe

Telefon: +49 (0) 721 683234

E-Mail: willy.marth -at- t-online.de