Sonntag, 1. Mai 2016

Der Abstieg der Internetfirmen Twitter und Yahoo

Es ist bekannt, dass die Technologieaktien aus dem amerikanischen Silicon Valley die Weltbörsen dominieren. An der Spitze liegt das Unternehmen Apple, dessen aktueller Börsenwert derzeit 471 Milliarden Euro beträgt, gefolgt von Google (434) und Microsoft (350). Im erweiterten Feld der Top Ten befinden sich noch Facebook (302) und Amazon (260). Der in früheren Jahren unangefochtene Spitzenreiter Exon Mobil ist wegen der Ölkrise auf Rang 4 abgerutscht, hat aber immer noch einen Wert von 323 Mrd. Euro. Zum Vergleich: das wertvollste deutsche Unternehmen SAP rangiert mit 87 Mrd. weltweit auf Rang 73. Keine chinesische Firma - die sich einst anschickten, die wirtschaftliche Vormachtsstellung der Amerikaner zu durchbrechen - ist noch unter den ersten zehn!

Auch wenn die Internetfirmen auf einer Welle des Erfolgs zu schwimmen scheinen, so darf eines nicht übersehen werden: der Wettbewerb untereinander ist beinhart. Nicht jede "Computerfirma" in San Franzisco und Sunnyvale ist automatisch eine finanzielle Bonanza. Es gibt auch Unternehmen - die weltberühmt sind - welche aber hart gegen den wirtschaftlichen Abstieg kämpfen müssen. Sie werden möglicherweise demnächst von erfolgreicheren Konkurrenten aufgekauft um den Zusammenbruch zu vermeiden. Beispielhaft dafür ist der Kurztextdienst "Twitter" und das Webportal "Yahoo". Beide Unternehmen ringen um ihren Bestand, was im folgenden kurz beschrieben werden soll.

Twitter: die Taube im Sinkflug

Twitter ist eine Kommunikationsplattform zur Verbreitung von kurzen Textnachrichten im Internet. Sie werden Tweets genannt und umfassen maximal 140 Zeichen. Twitter wurde im Jahr 2006 unter dem Namen von "twttr" gegründet und gewann weltweit rasch an Popularität. Den ersten Tweet ("zwitschern") versandte Twitter-Mitgründer Jack Dorsey am 21. März 2006 mit dem Satz: "just getting up my twttr". Seit Juni 2012 gibt es das blaue Twitter-Logo "Larry the bird". Im November 2013 ging die Twitter Inc. an die Börse. Derzeit gibt es ca. 300 Millionen aktive Accounts. Die Jahreseinnahmen betrugen in 2013 (bescheidene) 665 Millionen Dollar.


Das Twitter-Logo:  Larry the bird

Das Unternehmen Twitter gibt Rätsel auf, weil es seit dem Börsengang nicht mehr wächst, sondern allenfalls stagniert. Der miese Ausblick auf das zweite diesjährige Quartal hat die Anleger offensichtlich so verschreckt, dass sie den Aktienkurs prozentual zweistellig fallen ließen. Zeitweise gab es Überlegungen das Textlimit auf 140 Zeichen zu kippen und bis zu 10.000 zu erlauben. Diese Idee hat Firmenchef Dorsey jedoch dementiert. Die Obergrenze von 140 Zeichen pro Tweet geht darauf zurück, dass Twitter bei der Entwicklung vor zehn Jahren zunächst auf SMS-Basis lief. Dieses Fomat hatte sich bei den Onlinekurznachrichtendiensten bereits eingebürgert.

Inzwischen wird die finanzielle Situation bei Twitter dramatisch. Von 2011 bis 2016 verwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von satten 2 Milliarden Dollar. Die Acquisition von Neukunden ist schwierig. Potentielle Nutzer verstehen vielfach nicht, wofür das Angebot von Twitter überhaupt gut sein soll. Menschen, die den Dienst schon einmal ausprobiert haben, wissen oft nicht, wie sie sich inhaltlich einbringen können und wandern wieder ab. Das Management des Unternehmens hat bislang keine zündende Idee, wie sich diese Nachteile beheben lassen. Das führt letztlich dazu, dass die Firma nicht mehr schnell genug wächst, um bei den Börsianern Phantasien zu wecken. Twitter tritt auf der Stelle. Man wird sehen, wo diese Stagnation enden wird.

Yahoo:  akut gefährdet

Eigentlich müsste das global auftretende Webportal Yahoo dort sein, wo sich heute der Konkurrent Google befindet:  nämlich zusammen mit Apple an der Spitze der größten Unternehmen weltweit. Stattdessen ringt Yahoo ums Überleben und steht möglicherweise vor der Zusammenschlagung. Was lief falsch in der nur 22-jährigen Geschichte dieses Unternehmens und was machte Google besser als Yahoo?

Nun, am Anfang war eine knitze Idee und alles lief bestens. Die beiden Doktoranden David Filo und Jerry Yang der amerikanischen Eliteuniversität Stanford machten sich 1994 darüber Gedanken, wie man den Computerlaien dabei helfen könnte, sich im Internet besser zurecht zu finden, welches damals gerade im Aufbau war. Sie legten eine Art Katalog der wichtigsten Webseiten an, den sie zunächst "Jerry and David´s Guide to the World Wide Web" und später dann "Yahoo" nannten. Nur zwei Jahre später ging Yahoo an die Börse und war gleich mehrere hundert Millionen Dollar wert. Das Unternehmen und seine beiden Gründer zählten damit zu den ersten Stars des beginnenden Internetzeitalters.


Das Firmenlogo "Yahoo"

Weitere zwei Jahre später, 1998, machte das Gründer-Duo jedoch einen entscheidenden Fehler, als zwei talentierte junge Männer bei Yahoo vorstellig wurden, erstaunlicherweise ebenfalls Doktoranden der Stanford Universität. Diese beiden, Larry Page und Sergey Brin, wollten Yahoo für ihre neu entwickelte Suchmaschine begeistern. Sie kam - anders als der Yahoo Katalog - beim Durchsuchen des Netzes ohne menschliche Mithilfe aus, sondern nutzte einen Software-Algorithmus. Doch Yahoo lehnte ab und ließ sich damit das Geschäft des Jahrhunderts entgehen.

Kurz darauf gründeten Page und Brin ihre eigene Firma, die sie "Google" nannten. Seit dem Börsengang von Google im Jahr 2004 hat die Google-Aktie mehr als 1.300 Prozent an Wert gewonnen, Yahoo kommt im gleichen Zeitraum zum Zugewinn Null. Während Yahoo, ähnlich wie die Medienkonzerne, eigene Webseiten zu Themen wie Finanzen und Sport kreierten ("Content") geht es bei Google bis heute zuallererst um die Verbesserung der Suchmaschine. Dabei spielte die Relevanz eine entscheidende Rolle: was wichtig ist, muss oben stehen!  Das hat sich bei den Nutzern bald herumgesprochen und führte letztlich zu hohen Werbeeinnahmen.

Yahoo kümmerte sich um diese strategischen Fragen viel zu spät. Stattdessen kaufte die Firma für teures Geld "Tumblr", eine Plattform für Blogs, die weltweit bedeutungslos ist. Demgegenüber erwarb Google schon 2006 Youtube, das beliebteste Videoportal der Welt. Außerdem erkannte Google die neue digitale Welt um das Smartphone viel deutlicher als sein Konkurrent. So überließ Google kostenlos das Handy-Betriebssystem "Android" den Smartphone-Herstellern wie Samsung und sicherte sich damit den Zugang zu den wertvollen Daten von Millionen Handybesitzern.

Inzwischen ist die Situation bei Yahoo so trostlos geworden, dass man einen Ausverkauf (sprich Auktion) der verbliebenen Firmenteile noch in diesem Sommer erwartet. Die Interessenten stehen nicht Schlange. Microsoft, Google, AT&T und andere Giganten haben bereits öffentlich abgewunken. Wahrscheinlich werden die Reste aus dem Webgeschäft und der Mediensparte vom Telekommunikationsunternehmen Verizon übernommen. Man spricht von einem Kaufpreis zwischen vier und acht Milliarden Dollar.

Die Bühne verlassen muss dann auch die derzeitige Firmenchefin Marissa Mayer, die einst von Google abgeworben worden war, die aber in ihrer vierjährigen Arbeit bei Yahoo kein Fortüne hatte. Im wichtigen Anzeigengeschäft konnte sie die Erlöse nicht steigern. Trotzdem: sie fällt nicht ins namenlose Elend. Im Silicon Valley spekuliert man, dass Marissa für ihre angesammelten Aktienoptionen (und vergebliche Bemühungen) die stattliche Abfindungssumme von 55 Millionen Dollar erwarten kann.

1 Kommentar:

  1. Heute wurde Yahoo verkauft. Die Timeline:

    1998: Yahoo refuses to buy Google for $1 million dollars

    2002: Yahoo realizes its mistake and tries to buy google for $3 billion, Google says "Give us $5 billion", Yahoo says no

    2008: Yahoo refuses to be sold to Microsoft for $40 billion dollars

    2016: Yahoo sold for $4.6 billion to verizon

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