Samstag, 9. Juli 2016

Der "arme" Brexiteer Nigel Farage

Nigel Farage ist kein Mäuschen - auch wenn er sich jetzt klein macht und sogar ganz verschwinden will. Im Gegenteil: er ist ein politischer Zündler, der sich nun vom Acker schleicht, wie tags zuvor Boris Johnson, sein Bruder im Geiste. Im Alter von 52 Jahren überlässt Farage, der Populist und Opportunist, Großbritannien "in seiner schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg" (sic Financial Times) einem unbestimmten Schicksal. Führende EU-Politiker rügen seinen Rücktritt als "feige, zynisch und verantwortungslos".


Nigel Farage, wohl beim Schwur (linkshändig)

Dabei hat Nigel seit mehr als drei Jahrzehnte nur um ein einziges Ziel gekämpft: den Austritt des Königsreichs Großbritannien aus der Europäischen Union. Er war der Mitbegründer der rechtspopulistischen Partei UKIP, deren einziges Bestreben es war, sein Land aus der EU herauszulösen. Seit 1999 war er Mitglied dieser Partei im EU-Parlament, wo er als scharfzüngiger - und nicht selten - als rüpelhafter Debattenredner galt. Den ehemaligen EU-Ratspräsidenten Hermann van Rompuy bezeichnete er einmal als einen Mann " mit der Ausstrahlung eines nassen Lappens". Die EU-Parlamentarier provozierte er mit der Feststellung: "Keiner von euch hat jemals einen vernünftigen Job gehabt oder überhaupt einen Job geschaffen. Ihr unterstützt die EU nur, weil sie euch ein sicheres Einkommen gewährt".

Im Glashaus

Mit diesen Bemerkungen begibt sich Nigel Farage aber selbst ins Glashaus. Nach einem abgebrochenem Studium und einer zeitweiligen Tätigkeit als Börsenhändler für Rohstoffe wandte er sich schon in jungen Jahren der Politik zu. Bei den konservativen Tories konnte er wenig werden, wohl aber bei der radikalen Kleinpartei UKIP, deren langjähriger Vorsitzender er bald war. Seit er im EU-Parlament sitzt, hat er ausgesorgt. Er steckt ein Monatsgehalt von über 9.000 Euro ein, wozu noch einmal 4.300 Euro für Büroauslagen kommen. Seine Mitarbeiter darf er bis zu einer Gesamtsumme von 23.000 Euro selbst anheuern. Aus diesem Budget entlohnt er unter anderem seine (deutsche) Ehefrau Kirsten Mehr, die damit als Sekretärin immerhin zusätzliche 33.000 Euro zu jährlichen Familieneinkommen beiträgt. Nepotismus zu Lasten der Steuerzahler!

Selbstredend fährt Nigel bei der Eisenbahn 1. Klasse und im Flugzeug steht ihm die Business-Class zu. Schon nach einer einzigen Wahlperiode hatte er einen Rentenanspruch von 1.400 Euro monatlich erreicht; inzwischen ist es ein Mehrfaches geworden. Clever, wie Nigel so ist, beteiligte er sich an einem (eigentlich illegalen) Pensionsfond des EU-Parlaments. Der europäische Rechnungshof hat dieses Konstrukt zwar für rechtswidrig erklärt, was einige Abgeordneten (wie ihn) aber offensichtlich nicht bekümmert. Immerhin erhalten sie dadurch - zusätzlich - 50.000 Euro Rente, wenn sie in den "verdienten" Ruhestand gehen.

Nigel Farage, der bis (mindestens)  2019 noch dem EU-Parlament angehören wird, hat also ausgesorgt. Egal, ob die EU durch ihn zugrunde gehen wird, oder nicht.

Kommentare:

  1. Komische Meinung....

    Da ist ein Politiker, der gegen die EU, in ihrer jetzigen halbdiktatorischen Form, agiert.
    Er nimmt aber alle Forteile mit, die diese System EU bietet. Deshalb ist er ein feiger, zynischer und verantwortungsloser Politiker (zwar unmittelbar auf Brexit bezogen, konnotativ aber auf den Menschen/Politiker Farage bezogen).

    Sind alle EU Politiker jetzt "feige, zynisch und verantwortungslos", weil sie die Annehmlichkeiten ihres EU Jobs mitnehmen? Oder sind sie nur halb so schlimm, weil sie zwar die Annehmlichkeiten mitnehmen, aber nicht gegen das System, das ihnen die Annehmlichkeiten ermöglicht, opponieren?

    Beides kein Ruhmesblatt!

    Bezüglich Farage, Brexit, Rücktritt......Rapper Lunar C (googeln) drohte seinen 9 und 15 Jahre alten Töchter mit Vergewaltigung, was u. a. Farage auch zum Rücktritt veranlasste...(hmmm...Schutzbehauptung?)

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  2. Großbritannien befand sich in den 70er Jahren in der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351829.html

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351830.html

    Rückblickend war genau diese Zeit der glücklichste Moment, sich zu damaligen Ausverkaufspreisen in den Immobilienmarkt dort einzukaufen (und im letzten Jahr Kasse zu machen).

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