Sonntag, 8. März 2009

Sehenswerte "art Karlsruhe"

Überall fallieren die Kunstmessen - nur die "art Karlsruhe" bleibt davon unberührt. Sie steht fest wie ein Fels in der Brandung! Die für April geplante Düsseldorfer Messe für Gegenwartskunst, die "düsseldorf contemporary" (dc), wurde kurzfristig abgesagt; gleiches gilt für die vor erst zwei Jahren gegründete Frankfurter "Fine Art Fair". Selbst die Mutter aller Kunstmessen, die berühmte "Art Cologne", dümpelt unter dem Streit des Kölschen Klüngels nur noch so dahin. Demgegenüber wird die art Karlsruhe nun schon zum 6. Mal in ununterbrochener Reihenfolge, veranstaltet. Aus einer vorher kaum wahrgenommenen regionalen Messe ist eine "deutsche" Kunstmesse geworden, die sogar ins benachbarte Ausland ausstrahlt. Was anfangs für Kunstfreunde und Sammler ein Geheimtipp war, ist nun zu einem Pflichttermin geworden.

Und der Erfolg hat einen Namen: Ewald Karl Schrade. Er begründete die art Karlsruhe im Jahr 2004, gerade als die Ausstellungshallen der Neuen Messe in Rheinstetten zur Verfügung standen. Er erkannte den Wert dieser grossen, lichtdurchfluteten Hallen - ohne störende Stützen - für die Platzierung von Kunstwerken, insbesondere bei raumgreifenden Skulpturen. Bis heute ist Schrade unangefochtener Chefkurator und Projektleiter der art. Er sorgt sich um das (stets steigende) künstlerische Niveau, aber auch um die so wichtige finanzielle Seite. Noch stets hat er bei seinen Veranstaltungen eine "schwarze Null" geschrieben - und das, ohne öffentliche Gelder zu beanspruchen. Seine Vertragspartner auf der ansonsten defizitären Neuen Messe waren Legion; hier sei nur die "Strecke" der städtischen Geschäftsführer genannt, mit denen Schrade bisher verhandelte: Pflaum, Hähnel, Wohlfart, Böse, Hoffmann - und dieses Jahr war es die sympathische Frau Dr. Britta Wirtz.

Schrade hat nicht zugelassen, dass die art Karlsruhe zu einem Experimentierfeld für Kuratoren wurde. Was gezeigt wird ist eine ausbalancierte Mischung aus klassischer Moderne und Gegenwartskunst. Picasso, Richter und HAP Grieshaber mischen sich mit jüngeren Künstlern der Gegenwart. Einer von ihnen ist Fabrizio Plessi, der eine aufgerichtete venezianische Gondel zeigt, auf deren Boden fliessendes (TV-) Wasser zu sehen ist; sein berühmtestes Objekt, das Mühlenrad, gehört zu den beliebtesten Schaustücken des Karlsruher Museums ZKM. Ein besonders skurriler Künstler der jungen Generation ist Stefan Strumbel aus dem badischen Offenburg. Er gestaltet überdimensionale Schwarzwälder Kuckucksuhren (in Plastik gegossen), bemalt sie mit leuchtenden Farben und gibt ihnen einen Appendix bei - zum Beispiel eine Handgranate! Strumbel war in seiner Jugend Graffitisprayer, weshalb man ihn der "Street Art" zurechnet, mit einem leichten Touch "Heimat".

Besonders gefördert werden in Karlsruhe seit eh und je die Skulpturen. Zwischen den klassischen Kojen gibt es etwa ein Dutzend offene, weiträumige Skulpturenplätze, wo Plastiken und Videoinstallationen gezeigt werden können. Eine weitere Karlsruher Spezialität sind die "One Artist"-Präsentationen, in der die Gallerien auf mindestens 25 Quadratmetern nur die Werke eines einzigen Künstlers ausstellen. Sehenswert war auch der "Berliner Block", eine Akkumulation von ca. 30 Berliner Gallerien, inmitten der Halle 4. Und, nicht unwichtig: in allen Hallen geschmackvolle, kuschelige Bistros für den kleinen Hunger zwischendurch.

Zur Eröffnung und Vernissage der diesjährigen art Karlsruhe kam sogar hoher Besuch aus der Bundeshauptstadt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann fand freundliche Worte und stellte den Ankauf verschiedener Werke in Aussicht. Wow! Das zahlreich erschienene Publikum - die Damen oft hip und chic gekleidet - schien das Ambiente und den Trubel zu geniessen. Bei einer Kunstmesse scheint sich das Heterogene zu homogenisieren; selbst krudeste Gegensätze sind plötzlich vereinbar.

Zwischendurch hörte man immer wieder Ausrufe, wie "...und das soll Kunst sein?", was uns daran erinnert, dass die berühmte Frage "Was ist Kunst?" immer noch nicht überzeugend beantwortet ist. Und das, obwohl sich viele daran versucht haben. Zum Beispiel der tiefsinnige deutsche Philosoph Theodor W. Adorno, der definierte: "Kunst ist Magie, befreit von der Lüge Wahrheit zu sein." Kapiert? Wenn nicht, dann empfehle ich Karl Valentin: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit". Schlitzohrig hat er sich an der wirklichen Frage vorbei gedrückt. Wie auch E. H. Gombrich, der Grandseigneur der Kunstgeschichte. Er behauptet sogar, dass es die Kunst gar nicht gäbe und fügt dann hinzu:

"Es gibt nur Künstler".

Kommentare:

  1. Lieber Willy,
    was ist Kunst. Fuhr nach Front Royal um Kunstdunger zu kaufen. Auf dem Parkplatz vor dem Kaufhaus hatte sich eine grosse Menge Neugieriger angesammelt und den Eingang blockiert, so wurde ich neugierig. Ein Maultier mit einem Pinsel im Maul malte auf eine grosse Leinwand. Das Tier war sehr geschickt. In wenigen Minuten war das Kunstwerk fertig und wurde sofort versteigert zu dem beachtlichen Betrag von $1000.00. Ja so etwas, ein Maultier Picasso.
    Ottmar

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  2. Hi Ottmar … zwar schon etwas älter Dein Kommentar, aber witzig und wahr ;-) Sehe ich auch so … vielleicht sollte ich meinen Hund mal öfter malen lassen ;-)
    Wobei es ja hin und wieder mal ganz gute Ansätze gibt. Ich habe z.B gerade von einer Ausstellung in Karlsruhe gelesen, von Stefan Strumbel. Ich habe mal was gegoogelt, und ein Interview gefunden … meine Frau hatte nämlich überlegt, da hin zu gehen. An seinem Ansatz ist auch was dran. Von wegen "Leute aufrütteln, damit sie mal über Dinge nachdenken". Das kann das Maultier nicht… .
    Grüße,
    Rolf

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