Donnerstag, 31. Mai 2012

Was ist los beim KIT?

Beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) rumort es immer noch. Die Mitarbeiter sind nicht zufrieden mit den neuen Tarifverträgen; der Betriebsrat beklagt die (gegenüber früher) zurückgestutzte Beteiligung an den Gremien. Ein ehemaliger Betriebsratsvorsitzender  kritisiert in den Medien die Zulassung der "Militärforschung" an den Instituten des KIT. Der Karlsruher Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther fordert von Forschungsministerin Annette Schavan mehr Autonomie für KIT im Finanz- und Personalbereich. Und allenthalben wird bei den Mitarbeitern über die ausufernde und lähmende Bürokratie gejammert. In den letzten Wochen sind noch einige weitere Ereignisse hinzugekommen, welche die Öffentlichkeit mit Verwunderung zur Kenntnis genommen hat und die hier kurz dargestellt werden sollen.

Der Präsident ist entfleucht

Eine Überraschung allerersten Ranges war, dass der Präsident des KIT, Professor Horst Hippler, kürzlich die Kommandobrücke verliess. Er bewarb sich am 24. April 2012 um die Präsidentschaft der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), wurde in einer Kampfabstimmung gewählt und trat bereits eine Woche später seinen neuen Job in Hamburg an. Alleiniger Präsident der 8000-Personen-Organisation KIT ist ( mindestens bis zum 30. September nächsten Jahres!) der zurückgelassene Professor Eberhard Umbach. Wenn Hippler, wie er in einem Interview bekannte, unter einer 100-Stunden-Woche litt, was kommt dann auf seinen Nachfolger zu?

Dass Hippler, der "Vater des KIT", seinen bisherigen Posten - auf dem er fast ohne Limit operativ gestalten konnte - wegen einer vergleichsweise bürokratischen Verbandstätigkeit verlassen würde, leuchtet kaum jemanden ein.  Die HRK ist eine lose Vereinigung von 266 Hochschulen, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Die inneren Unterschiede des Verbands, insbesondere zwischen den Universitäten und Fachhochschulen sind beträchtlich und können auch von Hippler nicht eingeebnet werden. Vorallem deswegen, weil Hippler die Universitäten bisher stets in der ersten Liga, die Fachhochschulen jedoch nur in der zweiten Liga sah. (Und darüber stehen seit einigen Jahren die sogenannten Eliteuniversitäten, wovon das KIT die erste war).

Hippler, der bisher gerne - und oft mit Erfolg - provozierte, muss sich jetzt, als Verbandschef, in Harmonie üben. In Karlsruhe konnte er für seine Absolventen den Titel Diplomingenieur solange beibehalten, bis ihn die Wissenschaftsministerin des Landes, Frau Theresia Bauer, zur Aufgabe zwang. In Hamburg muss er sich Bologna-konform geben, insbesondere, weil die Fachhochschulen und die kleineren Universitäten Gefallen an den neuen System der Bachelor und Master gefunden haben. Aber wer kann schon vorhersagen was Hippler dort tun wird? Vielleicht krempelt er die HRK in mehrere verschiedenartige Klubs um - oder er schafft sie ganz ab. Zuzutrauen wäre ihm beides.

Beim KIT wird der Abgang Hipplers kaum thematisiert. Bezeichnend dafür ist, dass in dem Mitarbeitermagazin "KIT-Dialog" nur auf Seite 5 links unten eine winzige Mitteilung darüber steht, unter der Überschrift Hippler neuer HRK-Präsident. Sic transit gloria mundi.



Horst Hippler
(aus "KIT-Dialog")


Ein Minister wittert Panikmache

Hohe Wellen schlug eine 200-Seiten-Studie des KIT zur Entwicklung der Energiebranche nach dem Atomausstieg. Sie entstand im Auftrag der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) und wurde vom Vizepräsidenten des KIT, Dr. Peter Fritz, dort vorgetragen. Die Kernaussagen dieser Studie sind:  die Strompreise werden bis zum Jahr 2025 im Grosshandel um 70 Prozent     steigen, für Privathaushalte wahrscheinlich noch stärker. Und: die Energiewende wird ohne kräftige Stromeinsparungen nicht klappen.

Als der Umweltminister des Landes, Franz Untersteller von dieser Studie erfuhr, war er stocksauer. Er warf den Autoren (Fritz, Ziegahn) "Panikmache" vor, bezeichnete die Zahlen in der Studie als "hochspekulativ" und verstieg sich zu dem Satz: das Orakel von Delphi ist im Vergleich zu diesem Papier eine hochseriöse Veranstaltung. Gleichzeitig drohte er an, dass er die KIT-Studie von anderen Instituten überprüfen lassen wolle. Vermutlich meint der Grünen-Politiker damit die ihm ohnehin näher stehenden Öko-Institute. Für das KIT ist die Verstimmung des Ministers durchaus ernst zu nehmen, ist er doch für die Genehmigungen zuständig und (mittelbar) auch für die Finanzierung dieser Grossorganisation.

Von aussen betrachtet kann man die Verärgerung Unterstellers durchaus nachvollziehen. Was hat das KIT-Management veranlasst für einen Industrieverband eine Studie zur Energiesituation anzufertigen - und das in der gegenwärtig hoch aufgeheizten Diskussion um die Folgen des Atomausstiegs? Man darf bezweifeln, ob das KIT als Forschungsorganisation die richtige Adresse für Studien zur Stromwirtschaft ist. Dieses Thema ist bei den Energieversorgungsunternehmen sicherlich besser aufgehoben. Ganz daneben ist schliesslich das Bemühen um die Evaluierung des zukünftigen Strompreises; da wird man an die (allesamt falschen) Strompreisprognosen zu den frühen Zeiten des Schnellen Brüters erinnert.

Mässige Platzierungen beim CHE-Ranking

Mit Spannung werden von den Hochschulen immer wieder die Ergebnisse des sogenannten CHE-Rankings erwartet. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) testet im Dreijahresrhythmus die beliebtesten Studienfächer nach einem bestimmten Prinzip. Die fünf Kriterien sind: Forschungsgelder, Zitationen, Ausstattung Praktikumslabore, Betreuung sowie Studiensituation insgesamt. Die Bewertung erfolgt durch Befragung von Studenten und Professoren und orientiert sich bei der Finanzierung an Budgetzahlen. Das CHE-Ranking vergibt jedoch keine Rangplätze; stattdessen sind die Hochschulen pro Fach und Kriterium einer Spitzengruppe (grüner Punkt), einer Mittelgruppe (gelber Punkt) oder nur der Schlussgruppe (blauer Punkt) zugeordnet. Genaueres findet man im Internet unter der Adresse www.che-ranking.de

Erstaunlich sind die durchweg nur mässigen Bewertungen des KIT in den Kernfächern Mathematik, Physik und Chemie. Im Fach Mathematik ist das KIT bei den Kriterien vier Mal in der Mittelgruppe und einmal sogar (bei den Zitationen) nur in der Schlussgruppe vertreten. Es liegt damit weit abgeschlagen hinter den Universitäten Kaiserslautern, Darmstadt und Göttingen. Im Fach Physik rangiert das KIT sogar durchweg nur in der Mittelgruppe, in grossem Abstand hinter Göttingen und Bochum. Auch in der Chemie reicht es nur zu einem Mittelplatz; vorweg marschieren die Universitäten von Bayreuth, Jena und LM München. Absoluter Spitzenreiter in diesem Fach ist die holländische TU Eindhoven mit fünf grünen Punkten!

Diese mittelmässige Bewertung des KIT in den genannten Kernfächern ist umso erstaunlicher, als die Fusion mit dem Forschungszentrum eigentlich zusätzliche Ressourcen bei den naturwissenschaftlichen Instituten gebracht haben sollte. Hinzu kommen die 200 Millionen Euro aus der Hector II Stiftung, welche zur Anwerbung hochrangiger ausländischer Wissenschaftler verwandt werden können. Nun, warten wir das Ergebnis der dritten Exzellenzinitiative ab. Im Juni sind wir schlauer.

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