Sonntag, 17. Februar 2013

Ramschtitel Dr. med

Es ist bekannt, dass die Universität Düsseldorf den angeblichen Verfehlungen von Frau Schavan mit geradezu jacobinischer Strenge nachgegangen ist und diese mit der Maximalstrafe - Entzug des Doktortitels - sanktioniert hat. Nach etwaigen Fehlern im eigenen Universitätsbereich, worauf die grossen Wissenschaftsorganisationen mehrfach hingewiesen hatten, haben Fakultät und Verwaltung nicht gesucht. Wie schwer die Hochschulen sich damit tun, eigenes Fehlverhalten aufzuarbeiten und entsprechend zu bestrafen, zeigt sich an einem besonders grotesken Beispiel bei der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.


Die Würzburger Doktorfabrik

Es handelt sich um den Fall des Professors Dr. Dr. Dr. h.c. Gundolf Keil. Er wirkte von 1973 bis 2003 als Ordinarius für die Geschichte der Medizin an der medizinischen Fakultät der Würzburger Universität. Seine Spezialität waren mittelalterliche Schriften über Heilpflanzen und Kräuter, wofür er unter anderem das Bundesverdienstkreuz erhielt und Mitglied im päpstlichen Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem wurde. Als er 2003 mit grossem Pomp verabschiedet wurde, hatte er 250 Dissertationen, fast alle auf dem Gebiet der Medizinhistorie und Kräuterkunde betreut.


Universität Würzburg (Hauptgebäude)

Seinem Nachfolger, Professor Michael Stolberg, kamen die letzten 25 Doktorarbeiten sehr merkwürdig vor. Sie hatten weitgehend den gleichen Wortlaut und entsprachen in der Diktion dem Schreibstil von Doktorvater Gundolf Keil. Auf die Urheberschaft des erzkatholischen Professors Keil deuteten auch die seltsamen Datumsangaben in den Dissertationen hin. So hiess es dort "Würzburg, am Tag des Heiligen Abtes Romanus 2002" oder "Würzburg, am Tag vor Lichtmess 2003". Die Doktoranden waren vielfach Ärzte und Zahnärzte aus Norddeutschland, die gar nicht in Würzburg studiert hatten und schon lange im Berufsleben standen.

Nach und nach wurde bekannt, dass ein sogenannter Promotionsberater im Spiel war. Er besorgte Professor Keil diese Doktoranden, welche wohl mit dem Titel Dr. med. ihre Visitenkarte verschönern wollten. Darüberhinaus wurde bekannt, dass dabei Geld geflossen ist. Sowohl der Promotionsberater M. als auch die Doktoranden "spendeten" Beträge zwischen 8.000 und 15.000 Mark an die "Würzburger medizinhistorische Gesellschaft", die allein von Keil verwaltet wurde.

Weil die aushäusigen Doktoranden wenig Zeit hatten, verfertigte Keil mindestens vier Doktorarbeiten praktisch allein. Diese beschäftigten sich thematisch mit einem mittelalterlichen Arzneihandbuch und sind im Aufbau und Text nahezu identisch. Vom Umfang her umfassten sie 30 bis 40 Seiten. Zieht man die ellenlangen Einleitungen, das Quellenverzeichnis und die Danksagung ab, so verblieben für den eigentlichen Text kaum mehr als zehn Seiten. Zumeist war auch dies nur belangloses Geplapper.

Zugute kam Keil eine Promotionsordnung der Fakultät, die eine Richtzahl von maximal 40 Seiten für eine Arbeit zum Dr. med. vorgab. Darin hiess es sogar, dass "der Betreuer der Dissertation Mitarbeiter dieser Arbeit" sein kann.  So war es nicht verwunderlich, dass im Institut für Medizingeschichte Aufzeichnungen des Doktorvaters Keil gefunden wurden, die zum Grossteil mit den eingereichten Dissertationen identisch waren. Da war sogar der Universitätspräsident Alfred Forchel schockiert, als er feststellte: "Ich bin Physiker, da sind Doktorarbeiten hochkarätige Werke".


Halbherzige Sanktionen

Angestossen durch Keils Nachfolger Stolberg, nahm sich im Herbst 2006 die "Ständige Kommission zur Untersuchung wisenschaftlichen Fehlverhaltens" dieser Doktorarbeiten und der dabei geflossenen Spenden an. Ein knappes Jahr später übergab sie der Würzburger Staatsanwaltschaft ihren Untersuchungsbericht. Diese interessierte sich kaum für Form oder Inhalt der Dissertationen, belegte Keil aber mit einen Strafbefehl über 14.400 Euro, weil er nachweislich Geld vom Promotionsvermittler M. angenommen habe. Keil bezahlte ohne Widerspruch. Ein Disziplinarverfahrengegen den Beamten Keil wurde von der Universitätsverwaltung nicht eingeleitet. Die Doktores wurden nicht beschuldigt.

Die begehrte Bedeckung

So wäre die Situation wohl heute noch, wenn nicht im März 2011 eine anonyme Gruppe für Unruhe gesorgt hätte. Sie nannte sich "Freunde des Instituts für die Geschichte der Medizin" und versandte ein 40-seitiges Dossier zu den beschriebenen Vorfällen an Zeitungsredaktionen und Justizbehörden. Darin beschuldigten sie die alma mater, eine regelrechte "universitäre Doktorfabrik" zu betreiben. Die Würzburger Hochschule sah sich nun gezwungen, das Verfahren gegen Keil wieder zu eröffnen.

Mittlerweile war ein weiterer Verdacht aufgekommen. So soll Keil nicht nur Doktorarbeiten, sondern auch Habilitationsarbeiten verkauft haben. Letztere zum höheren Preis von 33.000 Mark. Ja selbst gegen den Lehrstuhlnachfolger Michael Stolberg gibt es nun belastendes Material: gemäss einem von Keil angefertigten "Eigenbeleg" soll Stolberg 16.000 Euro an Keil gezahlt haben, für das "Betreiben meiner Nachfolge". Stolberg selbst bezeichnet diese Anschuldigung als "perfide Fälschung und Verleumdung". Bezichtigungen und Korruptionsverdacht allenthalben.

Nach fast zwei Jahren ist die Universität mit der Aufarbeitung dieses Sumpfes nicht sehr viel weiter gekommen. Ganze zwei Doktortitel wurden bis November 2012 "wegen Plagiats" entzogen, wobei man sich im Fahrwasser der öffentlichkeitswirksamen Fälle Schavan bis Guttenberg bewegte. Die restlichen 248 Fälle - Verjährung ist ja nicht eingetreten - harren noch der Aufarbeitung. Derzeit werden 20 Arbeiten zum Dr. med. genauer überprüft; nach Angaben des Präsidenten Forchel wird das mindestens noch ein Jahr in Anspruch nehmen.

Inzwischen nimmt der numehr 78-jährige Gundolf Keil  sein Recht als Emeritus wahr:
er hält an der Universität Würzburg weiterhin Seminarvorlesungen über Heilpflanzen.



Nachschrift:  Als gebürtigen Franken tut es mir weh, dass die altehrwürdige fränkische Universität Würzburg in diesem Blog so schlecht weg kommt. Deswegen möchte ich hinzufügen, dass die Julius-Maximilians-Universität seit ihrer Gründung immerhin acht Nobelpreisträger hervorgebracht hat, nämlich: Wilhelm Conrad Röntgen, Physik, 1901 -  Emil Fischer, Chemie, 1902 - Eduard Buchner, Chemie, 1907 - Wilhelm Wien, Physik, 1922 - Hans Spemann, Medizin, 1935 - Klaus von Klitzing, Physik, 1985 - Hartmut Michel, Chemie, 1988 - Harald zu Hausen, Medizin, 2008.

Der Medizinhistoriker Gundolf Keil ist also eher ein Ausreisser.

Sonntag, 10. Februar 2013

Schavan II

Nachdem mein Blog "Schavan" von mehreren TV-Kommentatoren zitiert wurde, erlaube ich mir einen zweiten Blog zu diesem Thema. Frau Schavan ist gestern zurückgetreten und hat angekündigt, dass sie gegen den Entzug ihres Dr.-Titels durch die Uni Düsseldorf klagen werde.

Wie könnte am Ende ein rechtsgültiges und für alle Hochschulen verbindliches Urteil aussehen?
Als Nichtjurist - aber Teil des Souveräns - erlaube ich mir folgenden Vorschlag zu machen:

1. Bei erwiesenen Plagiatsfällen, egal welchen Umfangs, darf die Note bis zur Stufe "ausreichend" (rite) erniedrigt werden.

2. Der Doktortitel darf nicht aberkannt werden.
Damit wird die erhebliche Mitschuld von Doktorvater und Co-Referenten für nachlässiges Prüfen der Arbeit nach der Einreichung berücksichtigt.

3. Das gilt rückwirkend für alle anhängige Verfahren
Die Bundesrepublik hat wahrhaftig grössere Probleme, als jahrelang medial durch solche Albernheiten blockiert zu werden.


Firmengeschichten

Das ist die Geschichte über ein eher kleines Grossunternehmen, das es zudem heute gar nicht mehr gibt. Über viele Jahre hinweg hatte diese Firma 30.000 Beschäftigte, machte etwa 10 Milliarden Jahresumsatz und erzielte dabei einen Gewinn von ca. 1 Milliarde Euro. Sie betätigte sich in der Branche Spezialchemie, ihr Name ist: Degussa.
Mehr als jedes andere Unternehmen der deutschen Grossindustrie (IG-Farben, Krupp, Siemens etc.) ist die Degussa durch ihre Zusammenarbeit mit dem Machthabern des sog. Dritten Reichs bekannt und schuldig geworden. Dieser Blog soll einige Aspekte dieser Täterschaft aufgreifen.

Firmengeschichte Nr. 1

Beeindruckend ist der lange, offizielle Name des Unternehmens: "Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt vormals Roessler". Die Sekretärinnen dieser Firma benutzten etwa seit 1943 - aus Zeitersparnis - das Akronym "Degussa", aber erst ab 1980 wurde dies zum offiziellen Firmennamen.

Die Vorläuferfirma der Degussa war die kleine Edelmetallscheiderei von Friedrich Ernst Roessler in der Freien Reichsstadt Frankfurt. Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins erhielt sie 1837 den lukrativen Auftrag zur Einschmelzung der Münzen in den vielen deutschen Kleinstaaten und zur Trennung (Scheidung) der Gold- und Silberbestandteile. Als nach der Reichsgründung der Gulden als Währung eingeführt wurde, war die Fa. Roessler bereits zu einem respektablen Unternehmen herangewachsen und konnte sich über viele Staatsaufträge freuen. Daneben verkaufte es mit gutem Gewinn feuerfestes Glanzgold zur Verzierung von Glas und Porzellan.

Schritt für Schritt verbreiterte die frühe Degussa ihre Produktpalette. In Rheinfelden am Oberrhein ging 1898 ein Wasserkraftwerk zur Herstellung von Natrium in Betrieb. Dieses Metall wurde gebraucht zur Herstellung von Natriumcyanid, welches man wiederum zur Auslaugung von Gold aus Erzen einsetzte. Die Arbeiter benutzten (artfremd) das leicht entzündliche Natriummetall zum Anheizen ihrer Öfen, indem sie ein Bröckchen Natrium auf die frischen Kohlen legten und draufspuckten. Wegen der damit verbundenen Unfallgefahr musste die Betriebsleitung dies via Anschlag unterbinden.
Firmenverbot

Weitere Produkte, die sich noch gut verkaufen liessen, waren Textilseifen, das Düngemittel Kalkstickstoff und Karbid zur Herstellung von Cyanamid. Dieses wurde vorallem als Pflanzenschutzmittel gegen Unkräuter und Schadpilze eingesetzt. In der Wasserstoff- und Perboratentwicklung betätigte sich der junge Chemiker Otto Liebknecht, der Sohn des Politikers Wilhelm Liebknecht. Mit der Firma Henkel produzierte man das sagenumwobene "Persil", das angeblich erste selbsttätige Waschmittel.

Die beiden Weltkriege bedeuteten für Degussa zwar gewichtige Einschnitte, aber die längst gefestigte Firma kam dadurch nicht in ernsthafte Schwierigkeiten. Problematisch war der Mangel an Arbeitern und (zwischen 1941 bis 1945) die Bombardierungen der Betriebe. Gute Geschäfte wurden im 2. Weltkrieg mit dem "künstlichen Kautschuk" Buna gemacht, der für die Bereifung der Geschütze und Lastwägen unabdingbar war.

Gehaltsauszahler im Degussa-Werk Frankfurt  (1939)

Nach 1945 sorgte die anlaufende Konjunktur für rasche Fortschritte beim Wiederaufbau der zerstörten Anlagen. Auch das Produktsortiment wurde erweitert. Zu nennen ist die Weiterentwicklung des Plexiglases für Leuchtwerbungen, Fassadenschutz und Möbel. Ein zweiter hochrentabler Werkstoff waren die Polyurethanschäume für Polstermöbel, Autositze und Armaturenbrettern. Durch Firmenzukäufe und Fusionen (Hüls, SKW, Röhm, Stockhausen, Goldschmidt etc.) hatte sich bald ein richtiggehender Stammbaum bei Degussa herausgebildet. Die zentrale Forschung wurde nach Wolfgang bei Hanau ausgelagert, wo sich bereits einige nukleare Beteiligungsbetriebe (Nukem, Alkem) befanden.

All diese Abschnitte der Degussa-Geschichte kann man in einem Hochglanzband von fast 200 Seiten im Detail nachlesen. Er wurde 1988 vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Gert Becker herausgegeben und sollte Werbung für sein Unternehmen machen. Das Gegenteil trat ein. Becker wurde von den deutschen, aber auch den internationalen Medien (USA) als Geschichtsklitterer beschimpft, sodass man nach einiger Zeit die Firmenhistorie zurückziehen musste. Insbesondere  wurde daran kritisiert, dass die unheilvollen Verstrickungen seines Unternehmens in die Machenschaften der Nazis in dem Werk kaum erwähnt worden waren. Sein Nachfolger im Vorstand, Uwe-Ernst Bufé, gab deshalb 1997 eine zweite Firmenhistorie in Auftrag. Diesmal sollte sich der amerikanische Geschichtsprofessor Peter Hayes, der bereits eine Abhandlung über das (nach dem Krieg zerschlagene) Grossunternehmen IG-Farben geschrieben hatte, um die Historie der Degussa - insbesondere im 2. Weltkrieg - bemühen.


Firmengeschichte Nr. 2

Hayes´Werk, fast 500 Seiten stark, erschien im Jahr 2004. Es trug den Titel: "Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft". Im Gegensatz zur ersten Firmengeschichte zeigte sie auch die dunklen Facetten der Degussa. So ging ein grosser Teil des Goldes und Silbers, das man den Juden geraubt, oder von ihren Leichen abgerissen hatte, durch die Schmelzöfen und Scheiderei des Unternehmens. Diese Edelmetalle waren für die Nazis als Zahlungsmittel für die Importe von kriegswichtigen Gütern aus Portugal und der Schweiz schlicht unverzichtbar.

Besonders profitiert hat die Degussa von der "Arisierung" jüdischen Eigentums. Sie übernahm mindestens zehn jüdische Betriebe zu einem "günstigen" Preis. Zu nennen sind Chemieunternehmen in Bonn und Homburg sowie die Auergesellschaft in Berlin. Anfangs wurde noch ein halbwegs fairer Preis bezahlt, aber nach Inkrafttreten der antijüdischen Gestze im Jahr 1938 konnte davon keine Rede mehr sein.

Hayes listete auch auf, dass alle Betriebe der heutigen Degussa im grossen Stil Zwangsarbeiter beschäftigten, ohne die sie ihre Produktionsziele nie hätten erreichen können. Die Unterbringung und Verpflegung dieser Häftlinge genügten häufig nicht einmal einfachsten Standards. Insbesondere Ostarbeiter wurden mit den anstrengendsten und gefährlichsten Arbeiten beauftragt.

Das dunkelste Kapitel der Nazizeit ist zweifellos die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Dies geschah ab Mitte 1942 im "industriellen Masstab" in zahlreichen Konzentrationslagern, vorzugsweise aber in Auschwitz. Die Firma Degussa trägt daran eine historische Schuld als Lieferant des Blausäuresalzes Zyklon B.


Das Vernichtungsgas Zyklon B

Zyklon B war die Bezeichnung für ein Schädlingsbekämpfungsmittel mit dem Wirkstoff Blausäure. Der chemische Name ist Cyanwasserstoff, die Summenformel HCN. Als Insektizid wurde es schon vor dem 1. Weltkrieg von kalifornischen Orangenbauern benutzt. Sie deckten ihre Bäume ab und brachten darunter Cyanwasserstoff zur Vergasung. Doch Vorsicht war geboten: an der Luft verwandelt sich die Verbindung in ein nicht wahrnehmbares Gas, das den Sauerstoffaustausch mit den Körperzellen unterbindet. Atmet ein Mensch nur 70 Milligramm davon ein, so verliert er innerhalb zwei Minuten das Bewusstsein, wird von Krämpfen geschüttelt und stirbt.

Doch es bestand ein Bedarf an diesem Chemikalie. Bei der Schädlingsbekämpfung in Silos, Mühlen und auf Schiffen, aber auch in Kasernen und Barackenlagern, war es sehr wirkungsvoll. Selbst die Soldaten im Schützengraben schätzten es, um der juckenden Läuse, welche Fleckfieber und Typhus übertragen konnten, Herr zu werden. Besser handhabbar wurde der giftige Cyanwasserstoff, als er mit einem Riechstoff versetzt wurde, der die Nutzer warnte, bevor die Blausäure verdampfte. Etwa ab 1938 kamen weitere Stabilisatoren hinzu, z. B. die Bindung an ein Substrat ("Erco-Würfel"), sodass Zyklon B in luftdichten Blechbüchsen verkauft und verschickt werden konnte. Während des Einsatzes von Zyklon B bei der Wehrmacht und bei der - bestimmungsgemässen - Entlausung in Konzentrationslagern ist nur ein einziger Unfall bekann geworden. Da zu dieser Zeit bereits mehrere hundert Tonnen Zyklon B im Umlauf waren, erschien es mit Recht als sicher in der Nutzung.

                                                Zyklon B in Blechdose und auf Substrat

Indes, Zyklon B ist zu einem Synonym für die Technik und Systematik des Holocaust geworden. In den Vernichtungslagern Auschwitz und Birkenau wurde es in grossem Umfang zum Massenmord an den Juden benutzt. Dies konnte nur geschehen, weil die eigentlich nützliche Chemikalie missbraucht worden war.


Organisationen, Personen, Mengen, Kosten

Zyklon B war bereits 1922 von der "Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung" (Degesch) entwickelt worden. Im Jahr 1926 wurde dem Chemiker Walter Heerdt dafür ein Patent erteilt. In den frühen 1940er Jahren wurde die Degesch  von der Degussa (zu 42,5 Prozent), den IG-Farben (42,5 %) und Th. Goldschmidt (15 %) übernommen. Die Betriebsführung - das ist wichtig - lag aber vereinbarungsgemäss bei der Degussa, welche auch die chemische Formel und sonstige patentrechtliche Dinge einbrachte. Mit Degesch verbunden waren die Dessauer Werke für Zucker und Chemische Industrie, welche das Zyklon grossenteils herstellte. Für den Vertrieb des Produkts waren die beiden Degesch-Töchter Tesch und Heli zuständig.

Die verantwortlichen Personen waren ab 1939 bei der Degussa der "charismatische" Vorstandsvorsitzende Hermann Schlosser, bei der Degesch der Generaldirektor Gerhard Peters. Die Vertriebsfirmen leiteten Bruno Tesch und Walter Heerdt. Bis Anfang 1942 wurde das Zyklon B nur als Schädlingsbekämpfungsmittel ausgeliefert, mit entsprechender Kennzeichnung. Danach liess man bei einem Prozent der Produktion den Warnstoff weg. Die KZ-Bewacher verwendeten den Inhalt dieser Büchsen in speziell errichteten Gaskammern zur Ermordung ihrer Häftlinge. Wer hat diese Massnahme veranlasst? Nun, sicherlich war sie gedeckt durch die Beschlüsse der sog. Wannseekonferenz, bei der Adolf Hitler die Vernichtung der Juden befohlen hatte. Über die Umsetzung dieses Befehls bei Degussa/Degesch und den Vertriebsfirmen besteht immer noch Unklarheit. Schlosser stritt vehement ab, davon gewusst zu haben; Gleiches gilt für Peters. Dass die Vertriebsleute, welche sich häufig in den KZs, wie Ausschwitz aufhielten, von der Vergasung der Juden ab Mitte 1942 Kenntnis hatten, ist sehr wahrscheinlich, aber ebenfalls nicht bewiesen.

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang der SS-Obersturmführer Kurt Gerstein. Er war "Hygienefachmann" der Waffen-SS und sah in Treblinka wie elend Häftlinge umkamen, die mit eingeleiteten Motorgasen erstickt wurden. Angeblich hat er Peters davon überzeugen können, dass die Tötung mit Zyklon B "humaner" sei, da sie schneller und schmerzloser vor sich gehe. Jedenfalls gab es ab 1943 Zyklon-Lieferungen nach Auschwitz, bei denen der Warnstoff fehlte.

In den Jahren 1942 bis 44 verkauften die Firmen Degesch/Testa 6 Tonnen Zyklon B ohne Warnstoff an das Konzentrationlager Auschwitz. Damit konnte man eine Million Menschen töten. Die Verkaufseinnahmen betrugen, gemäss zurückgelassener Buchhaltung, 30.000 Reichsmark; der Unternehmensgewinn wird auf 1.500 RM abgeschätzt. Dies bringt den Historiker Peter Hayes zu folgender Feststellung in seinem Buch: "So schockierend es klingen mag, die hin und wieder geäusserte Vorstellung, dass die Degussa ein Vermögen gemacht hat, indem sie das Mittel zur Ermordung der europäischen Juden bereitstellte, ist absurd".


Die Sühne

Nach Beendigung des 2. Weltkriegs wurde Bruno Tesch, der Leiter der Vertriebsunternehmens Testa, für seine unmittelbare Beteiligung am Holocaust von den Briten in Hameln gehenkt. Ein Militärgericht glaubte ihm nachweisen zu können, dass er sehr wohl wusste, wofür seine Produkte in Ausschwitz verwendet worden waren.

Gerhard Peters, dem Chef der Degesch, ging es vor seinen deutschen Richtern besser. Er musste zwar zehn Gerichtsverfahren durchstehen, worin er zeitweise wegen Beihilfe zu Mord und Totschlag verurteilt worden war, aber er verbrachte insgesamt nur zwei Jahre und acht Monate im Gefängnis. Eine Gesetzesänderung bewirkte, dass er die restlichen 19 Jahre seines Lebens bei guter Pension in Freiheit geniessen durfte. Die finanzielle und personelle Unterstützung der Degussa bei den Verfahren hat massgeblich zu diesem "Freispruch 3. Klasse" beigetragen.

Hermann Schlosser, der Vorstandsvorsitzende der Degussa, seit 1939 Parteimitglied der NSDAP, ausserdem Wehrwirtschaftsführer und Chef der Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie, war geradezu empört, als er von der Spruchkammer im Juli 1947 als "Hauptschuldiger" angeklagt wurde. Eine Armada von Degussa-Anwälten erreichte schliesslich seine Einstufung als "Minderbelasteter". In der Degussa-Historie Nr. 1 wird gejubelt, dass dies eine "glänzende moralische Rechtfertigung für Schlosser" gewesen sei. Nur drei Monate später benannte ihn seine Firma als (hochbezahlten) Berater, 1949 trat er wieder dem Vorstand bei und ein Jahr danach war er abermals Vorstandsvorsitzender. Erst als 70-jährigen durfte man ihn 1959 aus diesem Amt verabschieden.

Den Anklagepunkt "Beteiligung an den Judenmorden" wegen seiner Funktionen bei Degussa und Degesch fegten seine Verteidiger geradezu vom Tisch. Sie konnten nachweisen, dass das Thema Zyklon B nie auf der Tagesordnung einer Vorstands- oder Aufsichtsratssitzung gestanden hatte. Der Grund: die Umsätze für dieses Produkt - und ganz besonders die Gewinne - waren viel zu niedrig, um auf dieser hohen Ebene behandelt zu werden.


Hannah Arendt hat recht

Blickt man zurück, so wurden bei den historischen Massenmorden in Auschwitz und anderen Lagern besonders die "Kleinen", wie Bruno Tesch gefasst und verurteilt. Sie waren keineswegs unschuldig und sollten nicht bedauert werden. Die Ranghöheren jedoch, wie Peters, konnten sich herauswinden. Besonders skandalös war das Urteil für den ehemaligen Degussa-Chefs Hermann Schlosser. Dass er nicht wusste, was in seinem Bereich vorging, ist schlechterdings nicht glaubhaft. Absolut empörend ist jedoch, dass er das Argument der geringen Erlöse bei den Massenmorden noch zu seinem Nutzen vorbringen durfte.

Nach Annah Arendt "ein weiterer Beweis für die Banalität des Bösen".


 Nachschrift:  
So um das Jahr 2004 dämmerte es den Managern und Aktionären bei Degussa, dass mit ihrem Unternehmen kein Staat mehr zu machen war. Der gute Ruf in der Öffentlichkeit war dahin. So verkauften sie ihre Aktien an die Ruhrkohle AG. Im September 2007 wurde Degussa von der Börse genommen und in den Konzern Evonik eingegliedert.
Der Firmenname Degussa ist seitdem erloschen.

Sonntag, 3. Februar 2013

Gute Literatur darf alles

Seit Jahren wird in den Medien über die unappetitlichen Missbrauchsfälle an evangelischen und katholischen Schulen berichtet - ohne, dass es bislang zu einer wirklichen Aufklärung gekommen ist. An der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim wurde schon Ende der 1990er Jahre bekannt, dass dort Schüler seit 1970 von ihren Lehrern sexuell missbraucht worden waren. Ausgerechnet der (inzwischen verstorbene) Schulleiter Gerold Becker, der als "Reformpädagoge" gepriesen wurde, soll sich dabei hervor getan haben. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle wurde nach ihrer Entdeckung zwar vereinbart, kam aber nie wirklich zustande. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt.

Sexuellen Missbrauch an anvertrauten Kindern gab es auch in praktisch allen 27 Bistümern der katholischen Kirche von Aachen bis Würzburg. Zwar hat Papst Benedict dem deutschen Erzbischof Robert Zollitsch (als Vorsitzenden der Bischofskonferenz) aufgefordert, den "Weg der lückenlosen und zügigen Aufklärung konsequent fortzusetzen", aber in der Zwischenzeit ist auch hier die Aufklärung versandet. Die beiden Beauftragten, der Trierer Bischof Stephan Ackermann und sein weltlicher Counterpart, der Kriminologe Christian Pfeiffer, mussten vor wenigen Wochen eingestehen, dass ihr Projekt zur Dokumentation der üblen Geschehnisse "geplatzt" ist. Ganz offensichtlich sträubt sich bei vielen Menschen die Feder, wenn sie Pädophilie, also den auf Kinder gerichteten Sexualtrieb Erwachsener, beschreiben oder auch nur dokumentieren sollen. Noch mehr angeekelt wären sie vermutlich, wenn sie sich mit Päderasten zu beschäftigen hätten, also Homosexuellen, deren Sexualempfinden besonders auf männliche Jugendliche gerichtet ist.

Vor diesem Hintergrund muss es verwundern, dass es ein literarisches Werk gibt, welches ausgerechnet dieses Genre (Pädophilie, Päderastie) zum Thema hat, welches aber unbestritten der Weltliteratur zugerechnet wird. Es wurde vor genau hundert Jahren, also 1913, verlegt und viele Generationen von Gymnasiasten haben seitdem daran Textanalyse betrieben, nicht selten im Rahmen des Deutsch-Abiturs. Ich will meine Blogleser nicht länger auf die Folter spannen, sondern Ross und Reiter frei nennnen: es ist die Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann. Sie erschien 1911 zunächst als Luxusdruck mit einer Auflage von hundert nummerierten Exemplaren und ab 1913 als Einzeldruck im S. Fischer Verlag.


Décadence in Venedig

Thomas Manns Geschichte vom Tod in Venedig kann man fast in einem einzigen Satz zusammenfassen: Ein älterer Münchener Schriftsteller macht eine Reise nach Venedig, wo er sich in einen polnischen Jungen verliebt und alsbald an Cholera verstirbt. Bei Mann sind es ca. hundertvierzig Druckseiten, sodass ich diese nicht ganz ernst gemeinte Kurzfassung etwas aufweiten möchte.

Anfang Mai 1911 unternimmt der für seine Werke geadelte Schriftsteller Gustav von Aschenbach einen Spaziergang durch den Englischen Garten in München. Dabei kommt ihm die Idee zu einer Reise in den Süden. A. ist verwitwet, sein ganzes Streben ist auf Ruhm ausgerichtet. Seine künstlerischen Leistungen muss er sich allerdings mit viel Selbsdisziplin täglich neu erarbeiten. Von Triest aus reist er per Schiff nach Venedig, wo er sich von einem Gondoliere über die Lagune zum Lido bringen lässt.


                                                     Grandhotel Excelsior am Lido
                                                  (Mehrfach in der Novelle genannt)

Im Hotel sieht A. am Tisch einer polnischen Familie einen langhaarigen Knaben "von vielleicht vierzehn Jahren", der ihm als "vollkommen schön" erscheint. Sein Name ist Tadzio. Mit jedem Tag verfällt der alternde Dichter mehr und mehr dem Anblick des Jünglings. Das 4. Kapitel endet mit dem Eingeständnis, dass er den Knaben liebe. Von Indien kommend erreicht eine Cholera-Epidemie Venedig. Trotz Warnung des Reisebüros beschliesst A. in der Lagunenstadt zu bleiben, um seinem Angebeteten weiterhin nahe zu sein. Allmählich verliert der Schriftsteller alle Selbstachtung. Um Tadzio zu gefallen, lässt A. sich vom Coiffeur des Hotels auf jung schmincken und seine Haare färben. Infiziert durch überreife Erdbeeren stirbt Aschenbach an Cholera, während er Tadzio ein letztes Mal sehnsüchtig am Strand beobachtet. Dabei erscheint es dem Sterbenden, als winke ihm der Knabe von weiten zu und deute mit der anderen Hand hinaus aufs offene Meer. "Und wie so oft machte er sich auf, um ihm zu folgen".


Form vor Inhalt

Vom Inhalt her, und platt gesagt, ist der Tod in Venedig die Geschichte einer obsessiven Knabenliebe. Daneben zelebrierte der Autor, den man unschwer in der Gestalt von Gustav von Aschenbach erkennt, noch sein "Coming-out" als Homoerotiker. (Ehefrau Katia wird das längst geahnt haben, doch wegen ihrer damals bereits geborenen vier Kinder darüber hinweg gesehen haben.) Man muss sich fragen, warum Thomas Mann das Risiko einging, ein so heikles Thema zu bearbeiten. Immerhin war die Ära von Kaiser Wilhelm II in Fragen der Sexualmoral keineswegs liberal sondern eher prüde bis streng. Und, dass die Novelle nicht nur ein Verkaufserfolg bei den Buchhändlern wurde, sondern (bis heute) auch noch als Schullektüre benutzt wird, ist ebenfalls erstaunlich. Wäre Thomas Mann sein Werk nicht gelungen, so hätte er als Päderast dagestanden. Schlimmeres konnte man damals und auch heute - abseits von Antisemitismus - über einen Menschen kaum sagen.

Nun, ein Grund für die sofortige und allgemeine Akzeptanz dieser Novelle ist sicherlich die ausserordentliche Behutsamkeit mit der Mann sein Thema bearbeitet. Im bürgerlich-moralischen Sinne bleibt der Held unversehrt. Aschenbach spricht mit dem schönen Knaben kein einziges Wort, er berührt ihn nicht, ja er nähert sich ihm noch nicht einmal (im Sinne von "stalking").Die ganze Geschichte, das ganze Erlebnis, ist also nur eine erotische Gefühlsausschweifung, eine Gedankenspielerei. Das Leben ein Traum! Und die erotischen Phantasien werden vom Dichter Thomas Mann mit äusserster Kunstanstrengung, garniert mit unverfänglichen Anspielungen auf die griechische Antike, gewissermassen pulverisiert. Im bürgerlich-moralischen Sinne ist das äusserliche Verhalten des Schriftstellers Aschenbach also immer "korrekt". Der Literaturkritiker Alfred Kerr, sonst kein Freund von Thomas Mann, hat dies klar erkannt, wenn er feststellte: "Jedenfalls ist hier die Päderastie annehmbar für den gebildeten Mittelstand gemacht". Und sein Kritikerkollege Carl Busse urteilt: "Ohne Zweifel wird man das Thema peinlich finden, aber man muss bekennen, dass es mit vorbildlicher Zartheit behandelt wurde".

Um zu dieser Überfeinerung des Stils zu kommen, der den Inhalt der Novelle praktisch zweitrangig werden liess, soll Thomas Mann zur Vorbereitung fünf Mal Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften" durchgelesen haben, in dem es auch von symbolischen Verweisen nur so wimmelt.

Fürwahr eine gewaltige Anstrengung um die Maxime L´art pour l´art zu erreichen.




Samstag, 26. Januar 2013

Atommüllexporte - legal bis illegal

Atommüll ist ein heisses Thema, noch heisser diskutiert wird der Export von Atommüll. So war es nicht verwunderlich, dass eine Richtlinie der EU-Kommission vom Juli 2011 in Deutschland hohe mediale Wellen schlug. Nach ihr sollte der Export von Atommüll in solche Länder erlaubt sein, die zum Zeitpunkt der Ausfuhr über ein Endlager mit hohem Sicherheitsstandard verfügen. Gedacht war dies als Hilfestellung für Staaten wie Litauen und Lettland, die zwar Kernkraftwerke betreiben, denen aber der Bau eines Endlagers in ihrem kleinen Landesgebiet nicht möglich ist.

Da EU-Richtlinien in nationale Gesetze umgesetzt werden müssen, hat die Bundesregierung vor kurzem angekündigt, das deutsche Atomgesetz entsprechend zu novellieren. Ein neuer, zusätzlicher Paragraf soll "die Verbringung radioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente zum Zwecke der Endlagerung" regeln. Gleichzeitig haben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Umweltminister Peter Altmaier betont, dass der "Grundsatz der Inlandentsorgung" weiterhin gelte. Die Endlagersuche soll nach der Landtagswahl in Niedersachsen wieder aufgenommen werden.


Ab nach Sibirien

Lässt man die Geschichte der deutschen Entsorgungskonzepte Revue passieren, so gab es mehrere Versuche, heimischen Atommüll in grosse Flächenstaaten, wie der ehemaligen Sowjetunion und der Volksrepublik China, zu exportieren. Den ersten offiziellen Versuch machte die Hanauer Nuklearfirma NUKEM im Jahr 1976. Damals fanden - mit Zustimmung der Bonner Beamten - direkte Gespräche mit dem sowjetischen Botschafter Valentin Falin statt, mit dem Ziel, Atommüll und abgebrannte Brennelemente von Deutschland nach Sibirien zu verbringen. Dieses Thema stand sogar auf der Tagesordnung eines nachfolgenden Treffens zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew. Die Exporte kamen dann aber doch nicht zustande, weil Kanzler Schmidt dadurch das Projekt der deutschen Wiederaufarbeitungsanlage gefährdet sah.



                                    

Luftbild der Firma NUKEM  (1983)

Ein ähnliches Vorhaben wurde 2001 erneut in Moskau besprochen mit der Folge, dass dass russische Parlament im März 2002 beschloss, den europäischen EVU entsprechende Entsorgungsangebote zu unterbreiten. Auf der Basis dieser und ähnlicher Abmachungen wollte der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Roettgen im Jahr 2010 Brennelemente vom deutschen Zwischenlager Ahaus zur russischen Wiederaufarbeitungsanlage Majak (Ural) verschicken. Es handelte sich um 951 abgebrannte BE aus den Versuchsreaktoren des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf. Nach massiven öffentlichen Protesten liess er dieses Vorhaben fallen. Dessenungeachtet hat die deutsche Firma Urenco bis 2009 abgereichertes Uran ins sibirische Argansk geschickt.


Ab in die Wüste Gobi

Zurück ins Jahr 1984. Die Situation hatte sich geändert. Die Regierung Kohl war nun am Ruder und es durfte über wirtschaftliche Alternativen zur kommerziellen Wiederaufarbeitung nachgedacht werden. Auch Geschäfte mit China waren nicht mehr tabu. So kam es zu einer Kooperation zwischen NUKEM und der Firma Alfred Hempel KG. Letztere war als Vertreterin der staaatlichen russischen Handelsgesellschaft "Techsnabexport" an dem Kauf von Urananreicherungsleistung für deutsche EVU in der UdSSR beteiligt. Hempel hatte auch gute Kontakte zu China und so entstand die Idee, bestrahlte Brennelemente aus Europa gegen Bezahlung nach China zu exportieren und dort in der Wüste Gobi zu lagern.

In der Folge kam es zur Gründung der "INTER-NUCLEAR Servicegesellschaft für internationale Ensorgung". Daran beteiligt waren Hempel mit 55 %, NUKEM mit 35 % und Transnuklear mit 10 %. Letztere wegen der damit verbundenen interkontinentalen Transporte. Die deutschen EVU zeigten an diesem Vorhaben grosses Interesse und auch die angesprochenen Ministerien sahen zunächst keine grundsätzlichen Bedenken. Als allerdings Einzelheiten der vertraulichen Verhandlungen an die Öffentlichkeit gerieten, formierte sich politischer Widerstand, welche das Projekt, zumindest in der Bundesrepublik, unmöglich machte.


Der Transnuklear-Skandal

Von den knapp einem Dutzend Geschäftsbereichen und Beteiligungsgesellschaften der NUKEM war die Transnuklear-Gruppe eine der rentabelsten. Die Transnuklear Hanau (TNH) konnte von 1980 bis 1986 ihren Umsatz von 20 auf 54 Millionen DM steigern und angemessene Gewinne erwirtschaften. TNH hatte sich auf den Transport radioaktiver Abfallstoffe sowie abgebrannter Brennelemente spezialisiert und erreichte mit diesem Geschäftsmodell fast eine monopolistische Stellung - bis ihr 1987 die atomrechtliche Genehmigung für die Nukleartransporte entzogen wurde.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein neu eingestellter Geschäftsführer der TNH. Ihm fielen falsche und überhöhte Abrechnungen der Abteilung "Radioaktive Abfälle" im Wert von 5 bis 6 Mio DM auf. Die Betriebsprüfungen ergaben, dass damit rund 100 Mitarbeiter von deutschen Kernkraftwerken und Elektrizitätskonzernen bestochen worden waren, um lukrative Entsorgungsaufträge zu erhalten. Mit den Bestechungsgeldern wurden Fernseher, Autos, Bordellbesuche und anderes mehr finanziert.

Noch bedenklicher waren die "Geschäfte" mit dem belgischen Kernforschungszentrum CEN in Mol. TNH hatte im Auftrag deutscher Kernkraftwerke sowie der NUKEM radioaktive Abfälle zur Verbrennung und anschliessenden Verdichtung nach Mol verbracht und später diesen konditionierten Abfall wieder in Fässern an ihre Kunden zurückgeliefert. Bei der Überprüfung stellte sich jedoch heraus, das der rücktransportierte Abfall nicht genau dem angelieferten Material und den Begleitpapieren entsprach. Eine Inventur ergab, dass rund 2.000 Fässer falsch deklariert waren und Rückstände wie Kobalt und Plutonium enthielten, die gar nicht nach Mol angeliefert worden waren. Für die in Belgien nicht erbrachten Leistungen soll TNH gleichwohl Zahlungen in Millionenhöhe kassiert haben. Später kam noch der schreckliche Verdacht auf, dass atomwaffenfähiges Material nach Libyen und Pakistan geliefert worden sei. Das konnte aber nicht bewiesen werden.

Die Strafen und Folgen für diese Missetaten waren heftig. Der Geschäftsführer von TNH und sein zuständiger Chef von der Mutterfirma NUKEM wurden auf der Stelle entlassen und gerichtlich belangt. Ähnliches geschah mit einer Reihe hochstehender Manager. Die Anklage gegen diese leitenden Angestellten umfasste mehr als 1.200 Seiten. Den Vorwurf des Betrugs wegen der falschen Deklaration des Atommülls liess das Gericht fallen, weil sich die Kraftwerksbetreiber nicht betrogen fühlten. Vor Gericht machten sie deutlich, dass sie froh gewesen seien, "das Zeugs loszuwerden". Auch Todesopfer forderte der TNH-Skandal. Ein Sachbearbeiter des EVU Preussen-Elektra, der auf der Liste der Schmiergeldempfänger gestanden haben soll, warf sich vor einen Zug. Ein entlassener Prokurist der TNH nahm sich während der Untersuchungshaft das Leben.

Weitreichend waren die Konsequenzen für die Firmen Transnuklear und NUKEM, welche den Skandal ausgelöst hatten. Im Dezember 1987 entzog der Bundesumweltminister Klaus Töpfer der TNH die Genehmigung zum Transport radioaktiver Stoffe. Damit war die Firma am Ende, Transporte dieser Art wurden künftig über die Firma Schenker, einer Tochter der Deutschen Bundesbahn abgewickelt. Auch die NUKEM geriet zeitweilig in existenzielle Nöte. Der hessische Umweltminister Karlheinz Weimar verfügte im Juli 1987 die teilweise Stilllegung der Anlagen bis zur Abarbeitung einer "Mängelliste". In der Folge wechselten mehrmals die Gesellschafter der NUKEM. Die Anlagen (siehe Bild oben) wurden weitgehend stillgelegt und rückgebaut. Bis mitte 2006 war die "Rest-NUKEM" Teil der RWE Solutions im RWE Konzern, allerdings mit stark verändertem Aufgabenbereich. Nach dem Verkauf dieser Gruppe an den Finanzinvestor Advent International wurde der Name wieder in NUKEM umgewandelt.

Totgesagte leben länger.








 

Mittwoch, 23. Januar 2013

Schavan

Frau Schavan hat ihre Doktorarbeit vor 33 Jahren an der Uni Düsseldorf als 25-Jährige eingereicht.
Die Arbeit wurde mit der Note 2 (magna cum laude) bewertet. 
Hätte sie damals ihren Doktorvater erschlagen, weil er ihr nicht die Note 1 (summa cum laude) gegeben hat, so wäre sie heute nicht mehr zu belangen, weil das Delikt Totschlag nach 20 Jahren verjährt ist. (§78 Strafgesetzbuch).
Demgegenüber verjähren Delikte bei einer Doktorarbeit, und seien sie noch so klein, nie!
Erscheint mir absurd.
Ihnen auch?  

Freitag, 18. Januar 2013

Die Unersättlichen von Goldman Sachs

Goldman Sachs ist eine weltberühmte Investmentbank in New York, die vor knapp 150 Jahren von dem deutsch-jüdischen Auswanderer Marcus Goldman und seinem Schwiegersohn Samuel Sachs gegründet worden ist, welcher sich gerne als  der "Erfinder der Aktie" bezeichnete. Inzwischen beschäftigt GS über 30.000 Mitarbeiter, macht 28 Milliarden Dollar Jahresumsatz und fast 5 Milliarden Gewinn nach Steuern. Ihr derzeitiger Chef ist Lloyd Blankfein, der sich in einem Interview zu der Feststellung hinreissen liess: "Wir verrichten das Werk Gottes". Sein Repräsentant in Deutschland heisst Alexander Dibelius, ist von Berufs wegen eigentlich Arzt und Chirurg und angeblich der Berater von Angela Merkel in Finanzfragen. Viele international bekannte Banker haben ranghohe Positionen bei GS bekleidet, ich nenne nur Mario Draghi, den Chef der Europäischen Zentralbank in Frankfurt sowie Hank Paulsen, den ehemaligen Finanzminister der USA. Mit GS kann sich nur eine ähnlich erfolgreiche Bank messen: die Deutsche Bank. Verantwortlich für deren Investmentbereich war viele Jahre der Inder Anshu Jain. Heute, nach dem Abgang von Josef Ackermann, ist er Co-Chef der Deutschen Bank.




Das Enthüllungsbuch (Preis 20 Euro)
 

Diskretion und Verschwiegenheit nach aussen war stets das Leitmotiv von Goldman Sachs. Nun hat ein Mitarbeiter es gewagt, die Omertà, diese Schweigepflicht, zu durchbrechen und ein Buch über das Innenleben dieser berühmten Bank zu veröffentlichen. Und das auch noch unter dem abwertenden Titel: "Die Unersättlichen - ein Goldman Sachs Banker rechnet an". Auf 366 Seiten bringt der Autor Greg Smith viele Anekdoten , die Aussenstehenden einen Eindruck von der kalten, aber höchst effizienten Geldfabrik vermitteln.


Hierachien und Finanzprodukte

Greg Smith ist Südafrikaner und jüdischen Glaubens, was bei Goldman Sachs nicht von Nachteil ist. Er war Stipendiat bei der bekannten US-Universität Stanford und schloss dort ein Studium in Wirtschaftswissenschaften mit sehr guten Noten ab. Bei seiner Bewerbung für GS war er umgeben von einer Vielzahl von "Überfliegern", die ihre High School bereits mit 15 Jahren abgeschlossen und das nachfolgende Hochschulexamen mit Auszeichnung bestanden hatten. Manche waren darüberhinaus Olympiaschwimmer oder spielten Schach auf Meisterniveau. Dennoch konnten sie bereits im ersten Jahr nach ihrer Einstellung ohne Frist vor die Tür gesetzt werden, wenn die Firma ihrem Urteilsvermögen in der Praxis nicht mehr vertraute.

Smith überstand die Eingangsprüfungen mit Bravour und wurde als Verkäufer für Wertpapiere rekrutiert. Sein Platz war im Grossraumbüro des GS-Gebäudes in der Wall Street. Alle Einzelbüros und Besprechungszimmer auf dieser 39. Etage haben Glaswände, jeder kann jeden sehen; Transparenz ist also gesichert. Zuerst wurde Smith nur mit "Practice Clients" (Übungskunden)betraut. Die Firma verdient an ihnen nicht viel, hat aber auch wenig zu verlieren. Trotzdem: 85-Stunden-Wochen im bankerüblichen Dresscode waren eher die Regel als die Ausnahme.

Frisch von der Uni kommend und als Berufseinsteiger nahm Smith unter der Bezeichnung "Analyst" nun die unterste Stufe der Wall-Street-Hierarchie (mit 100.000 $ Jahresgehalt) ein. Ein "Mentor" war ihm zugewiesen, den er um Rat fragen konnte. Nach drei Jahren erklomm er die nächsthöhere Rangstufe und wurde "Associate" (200.000 $). Die darauffolgende Stufe war der "Vice-President", ein in deutsch markig klingender Titel, welcher bei GS aber schon nach sieben bis acht Jahren erreicht werden konnte - sofern man nicht vorher gefeuert wurde. Mit ihm ist ein Gehalt von ca. 500.000 Dollar verbunden; für Greg Smith war dies die Endstufe bei Goldman. Die zweithöchste Stufe ist der "Managing Director". Er verfügt in der Regel über ein Mitarbeiterteam und verdient schon über 1 Million pro Jahr. Ganz oben in der Firma sind die "Partner" angesiedelt. Hier - und eigentlich erst hier - wird klotzig Geld verdient, nämlich mehrere bis viele Millionen Dollar im Jahr.



                                   
                                      

Der Zocker Greg Smith (34)
 

Als "Sales-Trader" (Verkäufer) hatte Smith die Aufgabe mit den Kunden zu sprechen und die Verkaufsgeschäfte zu managen. Die Wertpapiere waren in der Regel Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Derivate. Darunter fielen auch Optionen, Swaps, Futures und strukturierte Finanzprodukte. Letzteres sind hochriskante vorgefertigte Anlagestrategien, welche die Bank dem Kunden anbietet und die nur schwer zu durchschauen sind. Der gewöhnliche Bankkunde sollte davon besser die Finger lassen.

Dem Trader zur Seite gestellt - aber ihm keineswegs unterstellt - ist der "Quant". Er entwickelt die komplexen Derivate und strukturierten Produkte, analysiert ihr Risiko, fügt unauffällig die satten GS-Gebühren ein und nennt dem Trader schliesslich den Preis, zu dem er diese Wertpapiere (oder sollte man sie nicht eher "Wundertüten" nennen?) an den häufig nichtsahnenden Käufer losschlagen soll. Viele Quants haben einen Doktortitel in Fächern wie Physik, Mathematik oder Elektrotechnik und verlassen ihre Fachgebiete, weil sie an der Wall-Sreet bereits in jungen Jahren Millionen-Boni einstreichen können. Manche Quants machen sich mit den eigenen Rechenmodellen auch selbstständig und gründen rentable Hedgefonds.


Von Kunden-Betreuung zur Kunden-Abzocke

Greg Smith war in einer sehr turbulenten Zeitspanne bei Goldman Sachs. Er erlebte als Trader das Platzen der Internetblase im Jahr 2000, den anschliessenden Niedergang der Börsenkurse aber auch ihre Erholung bis zum Jahr 2005, die Boomzeiten auf dem amerikanischen Immobilienmarkt und die darauffolgende subprime-Krise bis zur europäischen Staatsschulden- und Anleihemalaise. Zeiten mit stark schwankenden Bösrenkursen sind gute Zeiten für Banker, mit der Volatilität lässt sich viel Geld verdienen.

In den ersten Jahren seiner beruflichen Karriere fühlte sich Smith noch dem Wohl seiner Kunden verpflichtet. Sie wurden gemäss der Firmentradition nach bestem Wissen und Gewissen betreut. Die Bank beriet sie neutral, verkaufte ihnen die rentabelsten Papiere und riet von jenen ab, die zu riskant oder zu gebührenbehaftet waren. Diese altruistische Firmenphilosophie kippte um das Jahr 2005. Bei GS wurde, ohne öffentliche Ankündigung, der sogenannte "Eigenhandel" eingeführt. Die Bank spekulierte nun zunehmend auf eigene Rechnung, die Kunden, welche man intern schon mal als "Muppets" (Trottel) bezeichnete, wurden immer mehr als "Gegenpartei" angesehen, anstatt als Schützlinge. Ihnen wurden Produkte verkauft, die eigentlich ungeeignet für sie waren - nur weil die Bank daran am meisten verdiente. Es kam sogar vor, dass der Trader seinem Kunden ein hochriskantes Wertpapier überteuert andrehte und im gleichen Moment - mit eigenem Geld - dagegen wettete und somit doppelt Kasse machte.

Im Jahr 2007 leistete sich GS ein ganz unverfrorenes Ding. Auf dem Höhepunkt der amerikanischen Immobilienblase konstruierte GS für den Hedgefonds Paulson ein Finanzprodukt mit dem schönen Namen "Abacus 2007-AC1". In diesen Fonds legte man die allerschlechtesten Hypothekenkredite mit deren Ausfall man ziemlich sicher rechnen konnte. Sie wurden den amerikanischen Pensionsfonds als günstiges Investment angedreht sowie europäischen Banken, die darin ein gutes Geschäft witterten, weil sie das inhärente Risiko nicht erkennen konnten. (Auch die deutsche Bank IKB war mit 150 Millionen dabei). Um ihren Gewinn zu maximieren, wetteten GS und Paulson gleichzeitig auf das Platzen dieses Fonds, wodurch sie doppelt Geld verdienten. Glücklicherweise kam ihnen die US-Börsenaufsicht SEC auf die Spur und der feine Vorstandsvorsitzende Blankfein sah sich gezwungen freiwillig - ohne Anerkenntnis einer Schuld - 550 Millionen Dollar zu bezahlen. Bei dem dicken Gewinn von GS war dies nicht viel mehr als ein Strafzettel fürs Falschparken.

Andere Abteilungen bei Goldman Sachs entwickelten anfangs der nuller Jahre komplexe Derivate um europäischen Regierungen in Griechenland und Italien zu helfen, ihre Schulden zu verstecken und ihre Haushalte gesünder aussehen zu lassen, als sie wirklich waren. Griechenland konnte sich dadurch den Eintritt in den Euroverbund verschaffen mit Auswirkungen, die bekannt sind. Diese Deals generierten für GS und die beteiligten Banken Hunderte von Millionen Dollar an Gebühren, aber letzten Endes halfen sie diesen Ländern nur, ihre Haushaltsprobleme vor sich herzuschieben aber nicht wirklich zu lösen. Tricksereien dieser Art waren nicht nur auf Staaten beschränkt. Auch Städte und Gemeinden in der ganzen Welt waren davon betroffen. In den strukturierten Derivaten (wie Swaps), die unkundigen Bürgermeistern aufgeschwatzt wurden, steckten grosse Potentiale für kurzfristige Gewinne - aber noch grössere für langfristige Verluste.


Kündigung via Zeitung

Das Ende kam, als Greg zur GS-Filiale nach London versetzt wurde. Die Arbeitsplätze in der City sind bei Goldman-Mitarbeitern nicht sehr begehrt: alles ist dort etwas zu klein und zu eng. (Noch schlimmer ist es nur in Hongkong und Tokyo). Die Bereitschaft zur Abzocke ist jedoch überall gleich. Alle Trader sind nur hinter der "goldenen Gans" her. Nämlich: einen möglichst reichen und möglichst unbedarften Kunden zu finden, dem man überteuerte und risikoreiche Finanzprodukte andrehen kann.

Im März 2012 war es so weit: Smith beschloss  GS zu verlassen. Sein Kündigungsschreiben umfasste 1.500 Worte, die er aber nicht der Post anvertraute, sondern die er der New York Times zustellte. Dort, auf der Meinungsseite dieser altehrwürdigen Zeitung kündigte er formell und begründete dies mit dem "Verfall der Unternehmenskultur bei GS". Unter der Schlagzeile "Warum ich Goldman Sachs verlasse" schrieb er: "Nennen Sie mich altmodisch, aber ich will meinen Kunden keine Produkte verkaufen, die für sie ungeeignet sind". Die Redaktion der NYT war über diesen Brief so überrascht, dass sie Smith erst mal (incognito) einen Besuch im Händlersaal abstattete, um die Authentizität des Schreibers zu überprüfen. Einen Tag vor der Veröffentlichung räumte Smith seinen Schreibtisch in der Londoner Niederlassung, flog zurück in seine New Yorker Wohnung und begann mit dem Schreiben seines Buches. Vom Verlag erhielt er dafür als Vorschuss 1.500 000 Dollar.

Seine berufliche Karriere bei Goldman Sachs ist damit sicherlich zu Ende. Aber die Hedgefonds könnten an Greg Smith durchaus interessiert sein.







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