Mittwoch, 27. November 2013

Karrierebeschleuniger MBA?

Es gibt Menschen, die möchten sich mit ihrem, von den Eltern tradierten Namen, nicht zufrieden geben. Betrachten wir den Zeitgenossen Franz Meier, an dessen Namen eigentlich nichts auszusetzen ist. Trotzdem nimmt er ein 5- bis 8-jähriges Studium der Volkswirtschaft auf sich, um unter Dr. Franz Meier, bzw. noch ausführlicher unter Dr. rer. pol. Franz Meier firmieren zu dürfen. Aber damit nicht genug: neulich überreichte er mir mit erkennbarem Stolz seine neue Visitenkarte, auf der zu lesen stand: Dr. rer. pol. Franz Meier, MBA. Donnerwetter, jetzt ist der Franz, welcher im Gymnasium kaum auffiel, vorne und hinten mit akademischen Titeln eingemauert.


Teures Zusatzstudium

Es ist keine Bildungslücke, wenn man den Titel "MBA" noch nicht so richtig verorten kann. Bis vor kurzem war er in Deutschland weitgehend unbekannt - ganz im Gegensatz zu den USA, wo er bereits seit mehr als hundert Jahren verliehen wird, allerdings meist anstatt des Doktortitels. MBA heisst in Langschrift Master of Business Administration und ist eine Art Diplom in den Wirtschaftswissenschaften. Der MBA-Lehrplan umfasst alle relevanten Managementfunktionen, wie Mikro- und Makroökonomie, Finanzwirtschaft, Rechnungswesen, Marketing, Produktion, Logistik und Personalwesen. Da fragt man sich doch, was das MBA-Programm von einem gewöhnlichen Betriebs- oder Volkswirtschaftsstudium unterscheidet, das die gleichen Kerndisziplinen hat? Nun, das MBA ist ein Zusatzstudium, bei dem die Studenten auf Internationalität eingeschworen werden, Netzwerke aufbauen sollen und mit Fallstudien arbeiten.


Es geht voran

Das Studium dauert in Deutschland meist nur ein Jahr, in den USA sind zwei Jahre zu veranschlagen. Zuvor muss der MBA-Bewerber mindestens zwei bis drei Jahre in seinem Beruf gearbeitet haben. Ein strikter Auswahlprozess geht dem Studium voraus. Und es ist nicht billig. Eine MBA-Ausbildung an einer deutschen Top-Business School kostet mittlerweile mehrere 10.000 Euro. So muss man für den Mannheim Executive MBA beispielsweise knapp 50.000 Euro berappen, für den WHU Executive MBA (an der Otto Beisheim  School of Management) sogar 75.000 Euro. An amerikanischen Business Schools, z. B. in Harvard, kann es noch teurer werden.


Durchhaltevermögen gefragt

Mit dem MBA können sich auch Geisteswissenschaftler, Juristen oder Ingenieure betriebswirtschaftliche Expertise aneignen. Mehrere hundert Studienangebote wetteifern in Deutschland und es ist nicht leicht, sich auf diesem Markt zurecht zu finden. Es gibt Präsenzprogramme in Vollzeit und in Teilzeit, sogar Fernstudienlehrgänge in Online werden angeboten. Oftmals wird neben dem Beruf studiert, die dadurch entstehende Doppelbelastung ist nicht trivial. Von allen Schulen werden hervorragende Englischkenntnisse verlangt. Im Ranking der britischen Zeitung Financial Times liegen die angloamerikanischen und asiatischen Schulen vorn. Nur wenige deutsche findet man unter den ersten 50, so beispielsweise die Mannheim Business School.

Warum tun sich die Studenten dieses teure und zeitaufwendige Zusatzstudium an? Nun, die Schulen ködern sie alle mit den gleichen Versprechen: Karrierebeschleuniger, Türöffner, Aufstiegsgarantie, Gehaltszuwachs, Laufbahnsprung etc. etc.

Vielleicht auch nur ein Mythos.

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